Frisch eröffnete Polymarket-Konten setzen kurz vor Trumps Ankündigung groß auf eine US-Iran-Waffenruhe und verdienen Hunderttausende Dollar – Verdacht auf Insiderhandel.
Eine Gruppe neu eröffneter Konten auf dem Prognosemarkt Polymarket hat hochspezifische, exakt getimte Wetten darauf abgeschlossen, ob die USA und Iran am siebten April einen Waffenstillstand vereinbaren würden. Den neuen Nutzern brachte das Hunderttausende Dollar Gewinn ein.
Die Einsätze erfolgten Stunden, bevor am Dienstag ein zweiwöchiger Waffenstillstand verkündet wurde, obwohl die Rhetorik von US-Präsident Donald Trump zuletzt deutlich schärfer geworden war und es kaum Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Einigung gab.
Früher am Tag hatte Trump in sozialen Netzwerken gewarnt, „eine ganze Zivilisation werde heute Nacht sterben“, falls Iran seiner Forderung nicht nachkomme, die Straße von Hormus bis zu seiner Frist um 20 Uhr Ostküstenzeit (2 Uhr MEZ) zu öffnen.
Der Vorgang reiht sich in mehrere Episoden an den Prognosemärkten ein, die den Verdacht geweckt haben, dass Mitglieder der Trump-Regierung oder andere US-Regierungsmitarbeiter Insiderinformationen nutzen könnten.
Eine Auswertung frei zugänglicher Blockchain-Daten von Polymarket mit Hilfe der Krypto-Analyseplattform Dune zeigt, dass mindestens fünfzig Konten kurz vor Trumps Waffenstillstandsankündigung auf Truth Social gegen 18.30 Uhr Ostküstenzeit (0.30 Uhr MEZ) hohe „Ja“-Wetten platzierten.
Für diese neuen Wallets waren es die ersten Einsätze überhaupt.
Eines der Konten war am selben Tag eröffnet worden und setzte rund 72.000 Dollar (61.600 Euro) bei einem Durchschnittspreis von 0,088 Dollar je Anteil. Der Einsatz pro Ereignis reicht von 0 bis 1 Dollar und bildet damit eine geschätzte Eintrittswahrscheinlichkeit von 0 bis 100 Prozent ab.
Der Polymarket-Nutzer realisierte anschließend einen Gewinn von 200.000 Dollar (171.200 Euro). Ein anderes Wallet, das erst am Vortag auf der Plattform erschien, gewann mehr als 125.500 Dollar (107.400 Euro).
Ein drittes Wallet, nur zwölf Minuten vor Trumps Beitrag angelegt, setzte 31.908 Dollar (27.315 Euro) auf „Ja“ zu einem Kurs von etwa 0,33 Dollar und dürfte damit einen Gewinn von schätzungsweise 48.500 Dollar (41.520 Euro) erzielt haben.
Der höhere Preis für „Ja“ spiegelte zu diesem Zeitpunkt Berichte wider, nach denen die Regierung Pakistans Trump noch am Dienstagabend drängte, seine Frist um zwei Wochen zu verlängern.
Möglich ist auch, dass die Polymarket-Nutzer schlicht darauf setzten, dass Trump am Ende zurückrudern würde. Kritiker werfen ihm seit Langem vor, markige Drohungen auszusprechen und später einzuknicken – sie sprechen spöttisch von „Trump Always Chickens Out“, kurz TACO.
Auszahlung der Wetten und Nutzeridentität
Einige Nutzer haben bereits hohe Gewinne eingefahren. Andere müssen auf ihre Auszahlungen warten, denn Polymarket hat den Iran-USA-Waffenstillstandsvertrag vom siebten April als „strittig“ markiert. Iran schränkte den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weiter ein, zudem gingen Raketenangriffe in der Region weiter.
Aus den öffentlichen Blockchain-Daten geht nicht hervor, wer die neuen Wallets kontrolliert. Polymarket arbeitet mit sogenannten Proxy-Smart-Contract-Wallets, sodass ein einzelner Nutzer mehrere Konten anlegen kann.
Nur das Unternehmen selbst verfügt über interne Daten, mit denen sich klären ließe, ob es sich um echte Neukunden oder um bestehende Nutzer mit zusätzlichen Konten handelt.
Polymarket hat sich zu den Vorgängen bislang nicht öffentlich geäußert.
Der republikanische Kongressabgeordnete Blake Moore aus dem Bundesstaat Utah, der einen Gesetzentwurf zur Regulierung von Prognosemärkten eingebracht hat, erklärte am Mittwoch: „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es sich hier um Geschäfte in gutem Glauben handelt. Viel eher dürfte es sich um Insider handeln, die früher als die Öffentlichkeit Zugang zu Informationen haben.“
„Ohne klare Beschränkungen hält nichts Regierungs- oder Militärvertreter davon ab, aus ihren Positionen Profit zu schlagen“, fügte Moore hinzu.
Derartige Wetten werfen immer wieder Fragen in der Öffentlichkeit und im Kongress auf. Kritiker fürchten, dass manche Händler mit Insiderwissen an den Prognosemärkten verdienen.
Überparteiliche Gruppen von Senatoren und Abgeordneten haben Gesetzentwürfe vorgelegt, die den Insiderhandelsbegriff auf Prognosemärkte ausweiten würden.
Sogar die beiden größten Plattformen der Branche, Kalshi und Polymarket, haben bereits eingeräumt, dass sie die Definition von Insiderhandel auf ihren Seiten schärfen müssen.