Ungarns Leitindex BUX ist am Montag deutlich gestiegen. Anleger setzen nach dem klaren Wahlsieg von Péter Magyar auf umfassende Reformen.
Die Budapester Börse ist am Montag um mehr als drei Prozent auf ein Rekordhoch von über 136.000 Punkten gestiegen. Anleger setzen darauf, dass nach sechzehn Jahren die Ära Viktor Orbán endet und Ungarn auf einen europäischeren Kurs zurückkehrt.
Die neue Kauflaune trieb die Kurse der größten börsennotierten Konzerne des Landes – darunter OTP Bank, MOL, Richter und Magyar Telekom – bis gegen 13 Uhr MEZ um zwischen zwei und fünf Prozent nach oben.
Der Kurssprung steht im Kontrast zu den meisten europäischen Börsen. Dort notieren die Indizes im Minus und verdauen das Scheitern der Gespräche zwischen den USA und dem Iran vom Wochenende, bislang ohne Anzeichen für neue Verhandlungen.
Bei der Wahl am Sonntag holte Péter Magyars Partei Tisza 138 der 199 Sitze im ungarischen Parlament. Sie verfügt damit über eine Zweidrittelmehrheit und schürt Erwartungen an einen tiefgreifenden politischen Wandel im Land.
Péter Magyar, früher Verbündeter Orbáns und heute einer seiner schärfsten Kritiker, verspricht, die demokratischen Kontrollmechanismen wiederherzustellen. Außerdem will er 17 Milliarden Euro an EU-Geldern freibekommen, die wegen des demokratischen Rückbaus unter Orbáns Regierung eingefroren wurden.
Zusätzlich könnte Ungarn günstige Kredite für Verteidigung und Infrastruktur erhalten. Das würde das derzeit fragile Wachstum der ungarischen Wirtschaft stützen.
Im Gespräch mit Euronews erklärte Timothy Ash, leitender Schwellenländerstratege bei RBC Global Asset Management: „Der Markt reagiert auf eine Mischung aus nachlassender Unsicherheit – es gab echte Sorgen, dass das Wahlergebnis angefochten werden könnte – und neuer Zuversicht, dass politische Kurswechsel kommen, die das Land wieder stärker mit dem europäischen Mainstream in Einklang bringen.“
„Magyar wird deutlich bessere Beziehungen zur EU brauchen. Es gibt viele Strukturmittel, die dann wohl freigegeben werden, und die Märkte kennen das wirtschaftspolitische Team gut“, fügte er hinzu.
Außerdem rechnet Ash damit, dass András Kármán zum neuen Finanzminister ernannt wird – „eine sehr glaubwürdige Person“. Das dürfte das kurzfristige Wachstum des Landes zusätzlich stabilisieren.
Heute berät Kármán Tisza in Wirtschaftsfragen. Zuvor gehörte er dem Direktorium der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) an.
Anleger scheinen das Wahlergebnis so zu sehen, dass damit ein langjähriger politischer Risikoaufschlag wegfällt, der bisher auf ungarischen Vermögenswerten lag.
Die von Tisza errungene Zweidrittelmehrheit im Parlament ermöglicht schnelle Gesetzesänderungen. Dazu könnte auch die Abschaffung der branchenbezogenen Übergewinnsteuern gehören, die Banken, Energieunternehmen und den Einzelhandel belastet hatten.
Das Analysehaus Morgan Stanley und andere Experten halten einen solchen Kurswechsel für einen Wachstumshebel. Das Potenzial für Ungarns Wirtschaftsleistung könnte in den kommenden Jahren um ein bis eineinhalb Prozentpunkte steigen – dank höherer Investitionen und wieder fließender EU-Zahlungen.
Reformhoffnung treibt Forint auf Mehrjahreshoch
Auch die ungarische Währung profitiert von der Rally. Der Forint stieg auf den höchsten Stand zum Euro seit mehr als vier Jahren.
Der Kurs von Euro zu Forint fiel auf 366,64 und damit auf den niedrigsten Wert seit April 2022. Gegenüber dem US-Dollar legte der Forint ebenfalls deutlich zu.
Beobachter führen die Stärke der Währung auf die Erwartung zurück, dass die politische Unsicherheit abnimmt und nach dem Wiederanlaufen der EU-Zahlungen wieder mehr Auslandskapital ins Land fließt.
Allerdings sagte Ash im Gespräch mit Euronews: „Ungarn hat im Vergleich etwa zu Polen einen sehr hohen Realzins. Meiner Meinung nach hält die Zentralbank die realen Zinsen so hoch wegen des politischen Risikos.“
„Sie hatten große Sorge, dass die Währung rund um die Wahl unter Druck geraten könnte, sind aber sehr darauf bedacht, den Forint stabil zu halten.“
Die Ungarische Nationalbank beließ ihren Leitzins im vergangenen Monat bei 6,25 Prozent. In Polen liegt der Satz zum Vergleich derzeit bei 3,75 Prozent.
„Vielleicht sehen wir in Ungarn eine Normalisierung der Realzinsen in Richtung des polnischen Niveaus, und das dürfte Zinssenkungen bedeuten“, so Ash weiter. „Für Investoren werden die Zinsen wohl wichtiger sein als der Wechselkurs, denn Ungarn braucht auch Konjunkturimpulse, um das Wachstum anzuschieben.“