Bezahlbarer Wohnraum wird in Europa immer knapper: 2025 stiegen die Mieten in der EU erneut deutlich an, in einigen Ländern sogar zweistellig. Vor allem hohe Nachfrage, ein zu geringes Angebot und steigende Kosten treiben den Druck auf den Wohnungsmarkt.
Eine bezahlbare und angemessene Wohnung zu finden, wird in ganz Europa immer schwieriger. Im Durchschnitt verschlingen die Wohnkosten ein Fünftel des Einkommens eines EU-Haushalts. In einigen Ländern liegt der Anteil deutlich höher: In Griechenland etwa sind es laut Eurostat 35 Prozent.
Steigende Mieten belasten die Menschen in Europa spürbar. Im Jahr 2025 erhöhten sich die Mieten in der EU im Schnitt um 3,1 Prozent. In einigen Staaten erreichte die Mietinflation sogar zweistellige Werte.
Nachfrage wächst schneller als das Angebot
"Der zentrale Trend ist klar: Die Nachfrage wächst schneller als das Angebot", sagte Kate Everett-Allen, Leiterin der europäischen Wohnimmobilienforschung beim Beratungsunternehmen Knight Frank, gegenüber Euronews Business.
"Im Kaufmarkt stehen viele unter starkem Preisdruck – vor allem, weil die Hypothekenzinsen weiterhin relativ hoch sind. Das treibt mehr Haushalte in den Mietmarkt, insbesondere Menschen, die eigentlich zum ersten Mal Wohneigentum erwerben wollten."
Welche Länder verzeichneten 2025 also die stärksten Mietanstiege? Und was waren die wichtigsten Preistreiber auf dem Mietmarkt?
In der EU reichte die jährliche Veränderungsrate der tatsächlichen Wohnungsmieten von einem Prozent in Finnland bis zu 17,6 Prozent in Kroatien.
Auch in Griechenland (10 Prozent), Ungarn (9,8 Prozent), Bulgarien (9,6 Prozent) und Rumänien (8,2 Prozent) fiel die Mietinflation hoch aus – in allen Fällen lag sie bei mehr als acht Prozent.
Everett-Allen betonte, dass auch das Angebot unter Druck geraten ist. Steuerliche und regulatorische Änderungen hätten in manchen Märkten die Bereitschaft von Eigentümern gebremst, Wohnungen zu vermieten. Gleichzeitig verteuerten strengere Energiestandards und höhere Sanierungskosten den Besitz von Mietwohnungen.
Beschränkungen für Kurzzeitvermietungen linderten das Problem nur am Rand und veränderten das Gesamtangebot kaum. "Das Ergebnis ist ein angespanntes Mietsegment und anhaltender Aufwärtsdruck auf die Mieten", sagte sie.
Drei große Volkswirtschaften: Mietanstieg unter EU-Schnitt
Neben Finnland (1 Prozent) lag die jährliche Mietinflation auch in Luxemburg (1,6 Prozent), Malta (1,7 Prozent), Slowenien (1,9 Prozent), Deutschland (2,1 Prozent), Dänemark (2,2 Prozent), Frankreich (2,3 Prozent) und Spanien (2,4 Prozent) unter dem EU-Durchschnitt.
Damit stiegen die Mieten in drei großen Volkswirtschaften Europas langsamer als im Schnitt der EU. Unter den vier größten EU-Volkswirtschaften verzeichnete nur Italien mit 3,8 Prozent eine Mietinflation oberhalb des EU-Werts – allerdings mit weniger als einem Prozentpunkt Abstand.
Tschechien (6,1 Prozent), Lettland (5,7 Prozent), Litauen (5,6 Prozent), Portugal (5,3 Prozent), Schweden (5,3 Prozent), die Niederlande (5,1 Prozent) und die Slowakei (5,1 Prozent) sind weitere Länder, in denen die Mieten um mehr als fünf Prozent anzogen.
Steigende Kosten für Vermieter
"Die Mietsteigerungen 2025 wurden vor allem durch die starke Nachfrage getrieben, weil höhere Immobilienpreise mehr Haushalte in den Mietmarkt gedrängt haben", sagte Mikk Kalmet vom Global Property Guide gegenüber Euronews Business.
"Zudem haben Vermieter ihre steigenden Kosten, vor allem bei hoher Verschuldung, nach und nach an die Mieter weitergegeben – und die Mieten damit zusätzlich nach oben getrieben."
Länder mit weniger stark regulierten Mietmärkten und knappem Angebot hätten im Allgemeinen kräftigere Anstiege verzeichnet, so Kalmet. In Staaten mit Mietpreisbremsen oder ohnehin sehr hohen Mieten falle das Wachstum dagegen meist moderater aus.
Türkei klarer Ausreißer
Bezieht man EU-Beitrittskandidaten und die EFTA-Staaten ein, ragt die Türkei mit einer jährlichen Mietinflation von 77,6 Prozent unter 36 Ländern deutlich heraus. Der zweithöchste Wert lag in Montenegro bei 18,5 Prozent – ein Hinweis darauf, wie weit die Türkei den übrigen Staaten enteilt ist.
"Die Inflation ist in der Türkei außergewöhnlich hoch. Sie erklärt einen großen Teil des nominalen Mietwachstums", sagte Everett-Allen.
Sie betonte zudem, dass Wohneigentum in der Türkei für viele Menschen kaum noch erschwinglich ist.
Rasant steigende Immobilienpreise, hohe Hypothekenzinsen und das geringe Angebot an langfristigen Krediten mit festem Zinssatz schließen viele Haushalte faktisch vom Kauf aus und lenken die Nachfrage in den Mietsektor.
Türkei: Mietdeckel zeigt Nebenwirkungen und treibt Preise
Die türkische Regierung deckelte Mieterhöhungen im Juli 2022 zunächst auf 25 Prozent und verlängerte diese Regelung anschließend bis Juli 2024.
"Die Mietobergrenzen hatten unbeabsichtigte Folgen", sagte Everett-Allen. Bei bestehenden Mietverträgen lagen die zulässigen jährlichen Erhöhungen deutlich unter der Inflation. Viele Eigentümer versuchten deshalb, die Verluste durch starke Aufschläge bei Neuvermietungen auszugleichen – was die Angebotsmieten kräftig nach oben trieb.
"Wohnimmobilien dienen häufig als Absicherung gegen Inflation und Währungsverfall, was sowohl Kaufpreise als auch Mieten in die Höhe treibt", sagte Kalmet.
Der Nettomindestlohn in der Türkei stieg 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent. Fast zwei von fünf Beschäftigten verdienen lediglich den Mindestlohn.
Insgesamt legten die Mieten in Osteuropa und auf dem Balkan deutlich stärker zu als in anderen Regionen. Ausnahmen bildeten Kosovo mit einem Prozent und Nordmazedonien mit 3,3 Prozent.
Kalmet zufolge verzeichnen auch Montenegro und Kroatien kräftiges Wachstum, vor allem weil sie attraktive Ziele für kurz- und langfristige Vermietungen sind – gerade im Vergleich zu etablierten Märkten wie Spanien und Südfrankreich.
Das Verhältnis zwischen Nettoeinkommen und Mieten in europäischen Stadtzentren variiert stark. Euronews Business hat bereits die besten und schlechtesten Miet-zu-Einkommens-Verhältnisse in Europa beleuchtet.