Im letzten Quartal 2025 legten die Immobilienpreise in der EU im Schnitt um fünf Komma fünf Prozent zu, besonders in Portugal, Kroatien und Spanien. Fachleute erklären Euronews Business die Gründe für die Unterschiede.
Die Immobilienpreise in der EU sind im vierten Quartal 2025 gegenüber dem gleichen Zeitraum 2024 um fünf Komma fünf Prozent gestiegen. In mehreren Ländern legten sie deutlich stärker zu und überschritten die Marke von zehn Prozent.
Branchenexpertinnen und -experten sehen vor allem bessere Finanzierungsbedingungen, insbesondere bei den Zinsen, als zentralen Treiber dieser Entwicklung.
Welche Länder verzeichneten 2025 in Europa die größten Preissteigerungen bei Wohnimmobilien? Und welche Faktoren bestimmten die Entwicklung Ende 2025?
Bessere Finanzierungsbedingungen
„Die Preisentwicklung Ende 2025 wurde von verbesserten Finanzierungsbedingungen geprägt. Dadurch kehrte die Nachfrage zurück“, sagte Michael Polzler, CEO des Immobilienunternehmens REMAX Europe, gegenüber Euronews Business.
„Mit der Stabilisierung der Zinsen sind viele Käufer, die ihre Haussuche zuvor aufgeschoben hatten, wieder in den Markt eingestiegen.“
Auch Mikk Kalmet vom Global Property Guide verwies auf die wieder anziehende Nachfrage nach den Zinserhöhungen der Jahre 2023 bis 2024.
„Mit der Stabilisierung von Euribor und allgemeinen Bankzinsen hat sich der Markt leicht erholt. Menschen, die in unsicheren Zeiten beim Kauf gezögert hatten, erlebten ab Ende 2024 wieder mehr Planbarkeit“, sagte er Euronews Business.
Ungarn verzeichnet stärkstes Preiswachstum
Ungarn registrierte im vierten Quartal 2025 laut Eurostat mit einem Plus von 21,2 Prozent den höchsten jährlichen Anstieg der Wohnimmobilienpreise.
„Ungarn als Spitzenreiter hat in den vergangenen Jahren staatlich geförderte Programme für Wohneigentum stark ausgebaut. Das hat die Nachfrage zusätzlich zur regen Investorentätigkeit angekurbelt“, sagte Kate Everett-Allen, Leiterin der europäischen Wohnmarktanalyse bei Knight Frank, Euronews Business.
Deutliche Zuwächse in Portugal, Kroatien und Spanien
In der Eurozone verzeichneten auch Portugal und Kroatien kräftige Anstiege von 18,9 beziehungsweise 16,1 Prozent. Spanien folgte mit einem Plus von zwölf Komma neun Prozent.
Everett-Allen zufolge spielte in allen drei Ländern eine starke Nachfrage aus dem Ausland eine zentrale Rolle.
Lifestyle-Migration, Käufer von Zweitwohnsitzen und Kapitalzuflüsse etwa durch digitale Nomaden, Ruheständler und andere ausländische Investoren blieben robust, obwohl die Kosten für inländische Kredite stiegen, vor allem in Küstenregionen und Großstädten.
Polzler zufolge konzentrierte sich das stärkste Preiswachstum in Portugal, Kroatien und Spanien auf wichtige Städte und Küstenregionen, wo die Nachfrage am höchsten ist.
„In Portugal treiben ein sehr knappes Angebot, vor allem in Lissabon, Porto und dem Umland, sowie gezielte staatliche Fördermaßnahmen das Preisniveau nach oben“, sagte er.
Er erklärte, ein staatliches Bürgschaftsprogramm für junge Ersterwerber habe die Nachfrage spürbar angeheizt. Es ermöglicht eine Finanzierung von bis zu 100 Prozent des Kaufpreises, der Staat sichert davon bis zu 15 Prozent des Immobilienwertes ab.
„Es ist klar ein Verkäufermarkt, und das knappe Angebot zusammen mit dieser Politik verschafft Verkäufern erhebliche Preissetzungsmacht“, so Polzler.
Touristenmärkte treiben Nachfrage
Polzler sagte, Städte wie Valencia und Madrid hätten in Spanien den Landesdurchschnitt klar übertroffen. Dahinter stehe sowohl heimische als auch internationale Nachfrage.
Anhaltende Auslandsinvestitionen und die ungebrochene Attraktivität dieser Standorte stützen das Preiswachstum.
Auch Kalmet betonte, dass die kräftigeren Preissteigerungen in diesen Ländern vor allem auf ihre Attraktivität als Touristenziele zurückgehen.
Internationale Käufer, die Nachfrage nach Zweitwohnungen und der Ausbau kurzfristiger Vermietungen erhöhen den Druck auf die Wohnungsmärkte, besonders in Küstenregionen und Städten.
Weitere Länder mit Zuwächsen über zehn Prozent
Auch die Slowakei (zwölf Komma acht Prozent), Bulgarien (zwölf Komma sechs Prozent), Lettland (elf Prozent), Litauen (zehn Komma acht Prozent) und Tschechien (zehn Komma vier Prozent) verzeichneten kräftige Preissteigerungen von mehr als zehn Prozent.
Everett-Allen hob hervor, dass Zentral- und Osteuropa zusammen mit der Iberischen Halbinsel in den vergangenen zwölf bis achtzehn Monaten besonders stark abgeschnitten haben, grob im Einklang mit höherem BIP-Wachstum.
„Diese Märkte profitieren zudem von Infrastrukturinvestitionen und Kapitalzuflüssen – teils lifestylegetrieben, teils mit Blick auf längerfristige wirtschaftliche Perspektiven“, sagte sie.
Kalmet ergänzte, die Preise in Mittel- und Osteuropa seien tendenziell schneller gestiegen, auch weil die Einkommen aufholen und der Wohnungsmarkt von einem niedrigeren Ausgangsniveau gestartet ist.
Die Preiszuwächse in Dänemark (sieben Komma sechs Prozent), Irland (sieben Prozent), Rumänien (sechs Komma sieben Prozent), den Niederlanden (6,2 Prozent), Malta (6,1 Prozent), Zypern (sechs Prozent), Slowenien (fünf Komma acht Prozent) und Norwegen (fünf Komma sieben Prozent) lagen ebenfalls über dem EU-Durchschnitt, wenn auch mit geringerem Abstand.
Finnland war der einzige der 29 betrachteten europäischen Märkte, in dem die Immobilienpreise sanken; sie gingen im Jahresvergleich um drei Komma eins Prozent zurück.
Preisanstieg in den vier größten EU-Volkswirtschaften
Unter den vier größten Volkswirtschaften der EU ragte Spanien mit einem Anstieg von zwölf Komma neun Prozent heraus. Italien verzeichnete ein Plus von vier Komma eins Prozent.
In Deutschland stiegen die Immobilienpreise um drei Prozent. Frankreich lag im europäischen Vergleich drittletzter und kam nur auf ein Plus von ein Prozent.
„Frankreich erholt sich noch von der scharfen Marktbereinigung der Jahre 2023 und 2024, als steigende Hypothekenzinsen und Inflation die Nachfrage deutlich dämpften“, sagte Polzler.
„Der Markt stabilisiert sich, die Preisausschläge bleiben gering und die Käufer agieren vorsichtig.“
Everett-Allen erklärte, der deutsche Wohnungsmarkt sei besonders anfällig gewesen, weil er stark auf günstige Kredite gesetzt habe, die Einkommen nur langsam gestiegen seien und das Mietsystem eine rasche Nachfrageschwäche begünstigt habe. Hinzu kämen hohe Regulierungskosten und hohe Markteintrittsbarrieren.