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Trump in Peking: Wie stark sind USA und China als Wirtschaftsmächte?

ARCHIV: US-Präsident Donald Trump winkt neben Chinas Präsident Xi Jinping nach einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Großen Halle des Volkes in Peking, China, Nov. 2017
ARCHIV: US-Präsident Donald Trump winkt neben Chinas Staatspräsident Xi Jinping nach einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Großen Halle des Volkes in Peking, November 2017 Copyright  AP Photo/Andy Wong
Copyright AP Photo/Andy Wong
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
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US-Präsident Donald Trump reist in dieser Woche nach China. Die Rivalität der beiden größten Volkswirtschaften dreht sich zunehmend um Handel, Technologie und weltpolitischen Einfluss.

US-Präsident Donald Trump trifft am Mittwoch zu einem dreitägigen Gipfel in Peking ein, der am Freitag enden soll. Schon die Symbolik ist bedeutsam.

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Es ist der erste Staatsbesuch eines amtierenden US-Präsidenten in China seit Trumps Reise im Jahr 2017. Damals befand er sich noch in der frühen Phase seiner ersten Amtszeit, fast neun Jahre ist das her.

Der geopolitische Hintergrund dieses Besuchs ist deutlich unruhiger. Der Iran-Krieg hat die globalen Energiemärkte erschüttert, Schifffahrtsrouten gestört und die Sorge vor einer größeren regionalen Eskalation neu entfacht.

Peking versucht zugleich, sich als verlässliche wirtschaftliche Konstante und diplomatischer Stabilitätsanker zu präsentieren. China baut seine Handelsbeziehungen in Südostasien, am Golf sowie in Teilen Afrikas und Lateinamerikas aus.

Neben ihrem Engagement im Nahen Osten festigen die USA auch in der westlichen Hemisphäre ihren Einfluss – mit einer neu aufgelegten „Monroe-Doktrin“.

Die Trump-Regierung hat das venezolanische Regime mit Militäreinsätzen von China weggezogen, das kubanische System mit Sanktionen wirtschaftlich an den Rand des Kollapses gedrängt und mit mehreren Staaten Lateinamerikas und der Karibik ein neues Sicherheitsbündnis namens „Schild der Amerikas“ geschaffen.

Diese Strategie hat die militärische und wirtschaftliche Vormachtstellung der USA in der Region neu untermauert. Ziel ist, chinesischen Einfluss zurückzudrängen und kritische Lieferketten abzusichern. So streiten die USA und China derzeit heftig um die Kontrolle über Häfen am Panamakanal.

USA bleiben reicher, China ordnet Weltwirtschaft neu

Seit Trumps China-Besuch 2017 stehen die USA wirtschaftlich weiter an der Weltspitze.

Nach den jüngsten Prognosen des IWF vom April dürfte die nominale Wirtschaftsleistung der USA 2026 die Marke von 30 Billionen Dollar (25,5 Billionen Euro) übersteigen. Für China werden rund 20 Billionen Dollar (17 Billionen Euro) erwartet. Das entspräche etwa fünfundzwanzig Prozent bzw. siebzehn Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Die USA und China belegen seit weit über einem Jahrzehnt die ersten beiden Plätze im Ranking der größten Volkswirtschaften. Die Lücke bleibt groß, schrumpft aber, weil China schneller wächst.

Nach IWF-Zahlen lag Chinas reales jährliches Wachstum seit 2017 im Schnitt bei rund fünf Komma vier acht Prozent. Die USA kamen auf etwa zwei Komma fünf Prozent, die Welt insgesamt auf drei Komma zwei sechs Prozent. Damit wächst Chinas Wirtschaft ungefähr doppelt so schnell wie die der amerikanischen Rivalin und deutlich über dem globalen Schnitt.

Ein wesentlicher Grund für diese Überperformance: China war die einzige große Volkswirtschaft, die das Jahr 2020 trotz der Covid-19-Pandemie mit Wachstum abschloss.

Für dieses Jahr rechnet der IWF mit einem realen Wachstum von rund vier Komma vier Prozent in China, zwei Komma drei Prozent in den USA und drei Komma eins Prozent weltweit.

Auch gemessen an der Kaufkraft hat China die USA bereits 2016 überholt und den Abstand seither ausgebaut. Diese Kennzahl bereinigt Preisniveaus im Inland und bildet die reale Produktions- und Konsumtätigkeit einer Volkswirtschaft ab.

Der Wechsel zeigt, wie zentral China inzwischen für industrielle Fertigung, Lieferketten und die weltweite Rohstoffnachfrage ist.

Die Lebensstandards in beiden Ländern liegen dennoch weit auseinander.

Nach IWF-Prognosen dürfte das US-BIP pro Kopf 2026 bei mehr als 94.000 Dollar (79.850 Euro) liegen. In China wären es knapp 15.000 Dollar (12.750 Euro), weltweit im Schnitt fast 16.000 Dollar (13.600 Euro).

Trotz Jahrzehnten schnellen Wachstums kämpft Chinas Wirtschaft mit strukturellen Problemen: schwache Binnennachfrage, hohe Jugendarbeitslosigkeit, eine Abkühlung am Immobilienmarkt und demografischer Druck durch eine alternde Bevölkerung.

Streit um den Panamakanal

Der jüngste Streit brach im April auf. US-Außenminister Marco Rubio warf China „Schikane“ vor, weil chinesische Behörden Dutzende Schiffe unter panamaischer Flagge aufgehalten haben sollen, nachdem Panama Anfang des Jahres Verträge annulliert hatte, die einer Hongkonger Tochter von Chinas CK Hutchison den Betrieb zweier Hafen-Terminals ermöglichten.

Handelskonflikte bleiben trotz mehrerer Verhandlungsrunden im vergangenen Jahr ein Kernproblem im Verhältnis zwischen den USA und China.

Zwar haben beide Seiten Ende 2025 einige Zölle und Exportauflagen gelockert. Doch der Streit über Halbleiter, Elektroautos, Künstliche Intelligenz und den Zugang zu kritischen Rohstoffen geht weiter.

Die Gästeliste der Wirtschaftsvertreter, die Trump auf seiner Reise nach China begleiten – oder eben nicht begleiten –, zeigt, worum es geht. Unter den mehr als ein Dutzend Topmanagern sind Elon Musk und der scheidende Apple-Chef Tim Cook, nicht aber Nvidia-Chef Jensen Huang.

Die Trump-Regierung hat den Verkauf von Nvidias H200-KI-Chips nach China stark eingeschränkt. Begründung: Die Technik könne militärisch genutzt werden. Exporte sind nur unter Auflagen erlaubt, etwa wenn unabhängige Prüfer die Leistungsfähigkeit der Chips vor der Auslieferung an chinesische Kunden testen.

Nvidia drängt seither mit intensiver Lobbyarbeit im Weißen Haus auf eine Lockerung der Beschränkungen.

Insgesamt wirft Washington Peking vor, mit staatlichen Subventionen und Industriepolitik globale Märkte zu verzerren. Chinesische Regierungsvertreter kontern, die US-Exportkontrollen sollten Chinas technologischen Aufstieg bremsen.

Pekings Devisenreserven

Trotz allem verfügt Peking über erhebliche finanzielle Schlagkraft.

Nach Angaben der chinesischen Devisenaufsicht und Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua sind Chinas Devisenreserven weiterhin die größten der Welt: mehr als 3,2 Billionen Dollar (2,8 Billionen Euro).

Diese Mittel geben der Regierung Spielraum, Finanzmarkt-Turbulenzen zu dämpfen und den Yuan, auch Renminbi genannt, zu stützen.

Die USA halten deutlich geringere Reserven, profitieren aber von der globalen Dominanz des Dollars, der die wichtigste Währung im internationalen Handel und in den Reserven der Zentralbanken bleibt.

Auch die Goldbestände zeigen eine Dimension dieser Rivalität. Laut World Gold Council verfügen die USA offiziell über die größten staatlichen Goldreserven mit mehr als 8.100 Tonnen.

China hat seine eigenen Bestände in den vergangenen Jahren jedoch stetig ausgeweitet. Peking will seine Reserven breiter streuen, weg von dollardenominierten Anlagen, und das Vertrauen in den Renminbi langfristig stärken.

Nach Angaben der Zentralbank kauft sie seit nunmehr achtzehn Monaten ununterbrochen Gold – die längste Serie in ihrer Geschichte. Die offiziellen Bestände sind auf über 2.300 Tonnen gestiegen und erreichen immer neue Rekordwerte.

KI und Rüstungsausgaben sind zentrale Konfliktfelder

Der wirtschaftliche Wettbewerb zwischen Washington und Peking lässt sich immer weniger von der militärischen und technologischen Rivalität trennen.

Nach Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI, veröffentlicht im vergangenen Monat, bleiben die USA, China und Russland die drei größten Rüstungsausgeber der Welt. Zusammen stehen sie für rund einundfünfzig Prozent der globalen Militärausgaben.

Die USA gaben 2025 rund 954 Milliarden Dollar (810,3 Milliarden Euro) für ihr Militär aus. Das waren etwa sieben Komma fünf Prozent weniger als im Jahr davor, allerdings nur, weil keine neuen Hilfspakete für die Ukraine beschlossen wurden.

Gleichzeitig stockten die USA ihre Investitionen in nukleare und konventionelle Fähigkeiten weiter auf. Ziel ist, die Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre zu sichern und China im Indopazifik abzuschrecken – beides erklärte Prioritäten der neuen US-Sicherheitsstrategie.

Der vom US-Kongress bewilligte Verteidigungsetat für dieses Jahr liegt bereits bei mehr als eine Billion Dollar (849,4 Milliarden Euro). Das ist ein Plus von über fünf Prozent gegenüber 2025. Bis 2027 könnte der Betrag auf rund eineinhalb Billionen Dollar (1,275 Billionen Euro) steigen, falls Trumps jüngster Haushaltsentwurf durchkommt.

SIPRI schätzt Chinas Verteidigungshaushalt für 2025 auf etwa 336 Milliarden Dollar. Manche Analysten gehen von deutlich höheren Ausgaben aus, wenn man weitere sicherheitsrelevante Posten einrechnet.

China hat seine Streitkräfte in den vergangenen zehn Jahren rasant modernisiert. Die Marine, Raketentruppen und Cyberfähigkeiten wurden stark ausgebaut. Die USA besitzen jedoch dank ihres globalen Bündnissystems weiterhin einen erheblichen Vorsprung – mit der NATO in Europa und engen Sicherheitsbeziehungen zu Japan, Südkorea und Australien im Indopazifik.

ARCHIV: Kampfjets des Eastern Theater Command der chinesischen Volksbefreiungsarmee (PLA) bei gemeinsamen Gefechtsübungen rund um die Insel Taiwan, August 2022
ARCHIV: Kampfjets des Eastern Theater Command der chinesischen Volksbefreiungsarmee (PLA) bei gemeinsamen Gefechtsübungen rund um die Insel Taiwan, August 2022 Gong Yulong/Xinhua via AP

Taiwan bleibt das heikelste Thema im Verhältnis der beiden Staaten. Peking betrachtet die selbstverwaltete Insel als Teil seines Staatsgebiets und kritisiert die US-Militärhilfe für Taipeh immer wieder scharf.

Washington betont, Stabilität in der Taiwanstraße sei entscheidend für die Sicherheit der Region und für den globalen Handel – nicht zuletzt wegen Taiwans Schlüsselrolle in der Produktion hochentwickelter Halbleiter.

Technologie, vor allem Künstliche Intelligenz, ist zu einem entscheidenden Wettbewerbsfeld geworden.

Die USA bleiben stark bei der Entwicklung hochkomplexer Chips, in Luft- und Raumfahrt, Software und Forschung. China wiederum hat dominante Positionen bei Batterien für Elektroautos, Infrastruktur für erneuerbare Energien, Telekommunikationsausrüstung und industrieller Fertigung aufgebaut.

Chinesische Unternehmen stellen inzwischen mehr als 90 Prozent der weltweiten Produktionskapazität für Solarmodule und über 70 Prozent des globalen Marktes für E-Auto-Batterien, wie Studien des Thinktanks Bruegel und von SNE Research zeigen.

Diese Branchen gelten in Peking als strategisch wichtig, um künftigen wirtschaftlichen Einfluss zu sichern.

Gleichzeitig hat Washington die Ausfuhrbeschränkungen für hochentwickelte Halbleiter verschärft – aus Sorge vor ihrem Einsatz in KI-Systemen und im Militär.

Trumps Besuch wird daher wohl weniger an konkreten Vereinbarungen gemessen. Entscheidend ist, ob er eine weitere Verschlechterung der Beziehungen der beiden Großmächte verhindert, deren Rivalität Handel, Investitionen und Sicherheit weltweit immer stärker prägt.

Die USA bleiben die dominierende Militär- und Finanzmacht, gestützt auf die Rolle des Dollars und die Tiefe der amerikanischen Kapitalmärkte.

China ist jedoch zu einem systemischen Herausforderer geworden: mit industrieller Größe, globaler Exportreichweite und staatlich gestützter Investitionskraft, die Lieferketten, Infrastrukturprojekte und geopolitische Konstellationen weltweit beeinflussen kann.

Für Peking bietet der Gipfel die Chance, inmitten globaler Unsicherheit Stärke und Stabilität auszustrahlen. Für Washington ist es ein Test, ob die USA die wirtschaftlichen und strategischen Spielregeln in einer zunehmend multipolaren Welt weiter prägen können.

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