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Fed belässt Zinsen, stellt Erhöhung noch dieses Jahr in Aussicht

Kevin Warsh, Vorsitzender der US-Notenbank, spricht während seiner Vereidigung im Ostsaal des Weißen Hauses am Freitag, 22. Mai 2026, in Washington.
Vorsitzender der US-Notenbank Kevin Warsh spricht bei seiner Vereidigung im East Room des Weißen Hauses in Washington am Freitag, 22. Mai 2026. Copyright  AP Photo/Alex Brandon
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Von Doloresz Katanich mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die US-Notenbank hat bei ihrer ersten Zinssitzung unter Vorsitzendem Kevin Warsh die Zinsen unverändert gelassen. Fast die Hälfte der Notenbanker wäre wegen der weiter hohen Inflation später in diesem Jahr für eine Anhebung offen.

Mit einer deutlichen Kehrtwende gegenüber früheren Prognosen rechnen neun Mitglieder der US-Notenbank Fed in diesem Jahr mit mindestens einer Zinserhöhung. Zugleich strich die Fed aus ihrer Erklärung jene Formulierungen, die bislang auf den nächsten Schritt als Zinssenkung hingedeutet hatten.

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Die ungewöhnlich kurze Mitteilung dürfte den Einfluss des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh widerspiegeln, den Trump ernannt hat. Warsh hatte die Notenbank zuvor dafür kritisiert, sich zu breit zu Konjunktur und Wirtschaftslage zu äußern.

Sechs Währungshüter gehen nun sogar von zwei oder mehr Zinsschritten in diesem Jahr aus. Im März hatte dagegen kein einziges Mitglied eine Erhöhung eingeplant, und das Gremium insgesamt stellte für 2026 noch eine Senkung in Aussicht.

Der Kurswechsel zeigt, wie sehr die Sorge über die hartnäckige Inflation wächst. Die Teuerung liegt so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. Mehrere Fed-Vertreter warnten zuletzt, dass womöglich höhere Finanzierungskosten nötig werden, falls der Preisdruck nicht nachlässt.

Acht weitere Entscheidungsträger sprachen sich dafür aus, die Zinsen in diesem Jahr unverändert zu lassen, einer rechnet mit einer Senkung. Warsh legte selbst keine eigene Zinsprognose vor.

Er habe seine Kolleginnen und Kollegen dazu ermuntert, sagte er. Zugleich hatte er die Projektionen jedoch wiederholt kritisiert, weil sie die Fed zu stark auf einen bestimmten Kurs festlegen könnten. Die Notenbank strich zudem ihre sogenannte Forward Guidance aus der Erklärung.

Warsh kündigte bei der anschließenden Pressekonferenz fünf Arbeitsgruppen an. Sie sollen prüfen, wie die Fed kommuniziert, auf welche Datenquellen sie sich bei Entscheidungen stützt und welche Modelle sie zur Bewertung der Inflation nutzt. Ziel sei, die Fed „mit klarem Blick und klarer Zukunftsorientierung“ aufzustellen.

Die Sitzung am Mittwoch war Warshs erster großer Auftritt als Fed-Chef. Trump hatte ihn ernannt, nachdem der Präsident Warshs Vorgänger Jerome Powell scharf attackiert hatte, weil dieser die Zinsen aus seiner Sicht nicht weit genug gesenkt habe. Die Angriffe gingen weitgehend nach hinten los: Powell blieb im Führungsgremium der Fed und stimmte am Mittwoch dafür, den Leitzins bei rund 3,6 % zu belassen.

Warsh steht nun vor einer heiklen Entscheidung. Üblicherweise bekämpft die Fed hohe Inflation, indem sie Zinsen anhebt, Kredite verteuert und damit die Wirtschaft abkühlt. Ein solcher Schritt dürfte aber das Weiße Haus gegen ihn aufbringen und würde Hypotheken, Autokredite und andere Darlehen kurz vor den Zwischenwahlen verteuern.

Endet der Irankrieg, dürften die Benzinpreise weiter sinken, und die Inflation könnte in den kommenden Monaten nachgeben. Doch viele Waren und Dienstleistungen wie Kleidung, Zahnarztbesuche oder Kinderbetreuung verteuerten sich schon vor dem Irankrieg. Die Inflation liegt seit fünf Jahren über dem Fed-Ziel von 2 %, was auf anhaltenden Preisdruck in der Wirtschaft hindeutet.

Warsh betonte mehrfach, dass die Fed entschlossen sei, Preisstabilität zu sichern.

„Wir haben bei der Inflation fünf Jahre danebengelegen, und das werden wir korrigieren“, sagte er.

Zugleich hat sich das wirtschaftliche Umfeld stark verändert, verglichen mit dem vergangenen Jahr, als Warsh praktisch für den Posten des Fed-Chefs warb. Damals machte er sich, ganz im Sinne Trumps, für niedrigere Zinsen stark. Er verwies auf die Entwicklung von KI als Technologie, die die Produktionskapazitäten der Wirtschaft deutlich erweitern und Waren und Dienstleistungen langfristig billiger machen könnte – und so die Inflation drückt.

Viele Ökonominnen und Ökonomen bezweifelten schon damals diese Argumentation. Zumindest kurzfristig heben die massiven Investitionen in Halbleiter und Computertechnik die Inflation eher an, geben Analysten zu bedenken.

Seit Beginn des Irankriegs am 28. Februar ist die Inflation tatsächlich auf 4,2 % gestiegen, den höchsten Stand seit drei Jahren. Haupttreiber sind die gestiegenen Benzinpreise infolge des Konflikts. Die Fed reagiert auf eine solche Entwicklung normalerweise mit einer Anhebung ihres Leitzinses, um Konsum und Wachstum zu bremsen.

Trump hat ein erstes Friedensabkommen verkündet, das den seit drei Monaten andauernden Konflikt beenden könnte. Ob der Waffenstillstand hält, ist allerdings offen. Und selbst wenn wieder ungehindert Öl aus dem Nahen Osten strömt, kann es Monate dauern, bis Benzin, Lebensmittel und etwa Flugtickets wieder billiger werden.

Gleichzeitig hat der Arbeitsmarkt zuletzt an Fahrt gewonnen. Damit ist ein zentrales Argument für Zinssenkungen entfallen. Im Januar hatte die Fed in ihren vierteljährlichen Prognosen noch zwei Zinssenkungen für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Hintergrund waren Stellenstreichungen in vielen Unternehmen und die Sorge, die Arbeitslosenquote könnte steigen. In solchen Situationen senkt die Notenbank ihren Leitzins üblicherweise, um Wachstum und Beschäftigung anzuschieben.

Doch ein Regierungsbericht von Anfang Juni zeigte, dass die Beschäftigung im Mai kräftig zulegte: Unternehmen schufen 172.000 neue Stellen, den dritten Monat in Folge mit soliden Zuwächsen.

Stuart Clark, Portfoliomanager bei Quilter, sagte: „Diese Lage ist vollständig hausgemacht in den USA, und da die Energiepreise im Vergleich zum Jahresbeginn wohl erhöht bleiben, wird die Inflation nicht plötzlich zurückgehen.“

Angesichts der jüngsten Arbeitsmarktdaten und überraschend starken Verbraucherausgaben, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, sei es „nicht ausgeschlossen, dass die Fed die Zinsen bis zum Jahresende erhöht haben wird – statt sie zu senken, wie es Anfang 2026 noch erwartet worden war“, fügte er hinzu.

An der Wall Street fiel der S&P 500 nach Veröffentlichung der Zinsprognosen der Fed-Mitglieder um 1,4 %. Auf die Frage, ob Änderungen an den Wirtschaftsprognosen die Märkte verunsichern könnten, sagte Warsh: „Finanzmärkte funktionieren am besten, wenn sie auf neue Daten reagieren. Weniger gut arbeiten sie, wenn sie sich fragen: ‚Wie wird die Federal Reserve darauf reagieren?‘“

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