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Wie groß ist der "Pfandschlupf"? Deutsches Pfandsystem feiert 20-jähriges Jubiläum

Wie hoch ist der Gewinn durch Pfandschlupf? Das deutsche Pfandsystem feiert 20 Jahre Jubiläum
Wie hoch ist der Gewinn durch Pfandschlupf? Das deutsche Pfandsystem feiert 20 Jahre Jubiläum Copyright  JAN BAUER/AP
Copyright JAN BAUER/AP
Von Franziska Müller
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Umweltverbände fürchten, dass Unternehmen große Gewinne durch nicht zurückgebrachtes Pfand machen. Unternehmen und die Bundesregierung äußern sich skeptisch dazu. Das deutsche Pfandsystem feiert 20-jähriges Jubiläum.

Als das Pfandsystem 2003 in Deutschland eingeführt wurde, war das System noch nicht ganz ausgereift. Drei Jahre später hatte sich die Gesellschaft Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG) etabliert, die heute ihr 20-jähriges Jubiläum feiert.

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Sie wurde von Verbänden des Handels und der Lebensmittelindustrie gegründet und organisiert das deutsche Einwegpfandsystem für pfandpflichtige Getränkedosen und Einwegflaschen. Nach 20 Jahren zieht die DPG eine positive Bilanz.

Laut Umweltbundesamt geht kaum eine Flasche oder Dose verloren. Die Rücklaufquoten belaufen sich bei bepfandeten Getränkeverpackungen in Deutschland je nach Quelle zwischen 96 und 99 Prozent, so die Behörde in einem Bericht von April 2026.

Rund 20 Milliarden Verpackungen würden jährlich in den Kreislauf zurückgeführt, erklärt auch die DPG. Wertvolle Materialien würden so erhalten bleiben und wieder für neue Produkte eingesetzt werden können. Inzwischen ist die deutsche Gesellschaft nach eigenen Angaben sogar auf europäischer Ebene gefragt.

Warum wurde Pfand eingeführt?

Die private Gesellschaft DPG setzt die staatlichen Vorschriften des Verpackungsgesetzes um und wird durch teilnehmende Unternehmen und die Systemgebühren selbst finanziert.

Vom Pfandgeld selbst sieht die DPG nichts. Die Gesellschaft stellt lediglich die Infrastruktur bereit, damit Händler und Hersteller die Pfandbeträge korrekt untereinander abrechnen können. Denn im Jahr 2003 wurde die Pfandpflicht und Rücknahmepflicht für Einweggetränkeverpackungen beschlossen, zum 1. Mai sollte das Gesetz in die Praxis umgesetzt sein.

Seit Mai 2006 gibt es daher das einheitliche DPG-Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen. Die im Jahr zuvor gegründete Gesellschaft hatte zum Ziel war es, ein einheitliches, leistungsfähiges und effizientes Pfandsystem aufzubauen.

"Das Deutsche Pfandsystem hat sich über 20 Jahre hinweg als resilient, skalierbar und zukunftsfähig erwiesen" erklärt Susanne Kürschner, Geschäftsführerin der DPG. "Es zeigt, dass ein dezentral organisierter Ansatz, der auf klaren Regeln und geteilter Verantwortung basiert, in einem großen Markt zuverlässig und effizient funktioniert."

Als wichtigste Bestätigung für den Erfolg des Systems sieht die DPG jedoch die hohe Akzeptanz bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. "Tag für Tag zeigen sie diese millionenfach durch die konsequente Rückgabe von pfandpflichtigen Getränkeverpackungen", heißt es in einer Mitteilung zum Jubiläum. Zur Jubiläumsfeier kommt auch Bundesumweltminister Carsten Schneider.

Der "Pfandschlupf": So viel Gewinn wird durch nicht zurückgebrachtes Pfand erzielt

Der Umweltverband NABU sprach 2015 von einem "Märchen der Kreislaufwirtschaft". Der Verband schätze, dass alleine in diesem Jahr rund 180 Millionen Euro Gewinne durch nicht zurückgegebene Einwegflaschen und -dosen entstanden sein könnten. Dabei spricht man vom sogenannten "Pfandschlupf". Den Wert berrechnete der Umweltverband mit der Rücknahmequote von 96 Prozent. Vier Prozent würden etwa 18 Milliarden Flaschen und Dosen oder 720 Gebinden entsprechen.

Das Pfandsystem wurde in Deutschland vor mehr als 20 Jahren eingeführt.
Das Pfandsystem wurde in Deutschland vor mehr als 20 Jahren eingeführt. Bild von Talpa auf Pixabay

Verbraucher hätten damit "unfreiwillig das Einwegsystem subventioniert", heißt es in einer Mitteilung. Für die Jahre 2003 bis 2015 will der NABU einen kumulierten Pfandschlupf von mehr als 3,5 Milliarden Euro errechnet haben. Deshalb forderte der Verband, der das Pfandsystem per se durchaus befürwortet, dass der Pfandschlupf zweckgebunden weiterwendet werden, beispielsweise im Umwelt- und Ressourcenschutz.

Denn die Pfandkosten von Verpackungen, die trotz Pfand nicht zurückgegeben werden, bleiben bisher beim Verkäufer, wie das Bundesumweltministerium erklärt. Dem Ministerium liegen keine eigenen Zahlen zur Höhe des sogenannten Pfandschlupfes in Deutschland, wie aus einem Online-FAQ der Behörde aus dem Januar 2025 hervorgeht. Die Händler dürfen diese Beträge behalten. Das Ministerium argumentiert, dass den Händlern durch die Bereitstellung von Pfandautomaten oft auch Kosten entstehen.

Anders sei es, wenn Einwegverpackungen an anderen Orten zurückgegeben werden, als sie gekauft wurden. Die eingenommenen und ausgezahlten Pfandbeträge würden miteinander verrechnet, unter anderem mit Hilfe der Gesellschaft DPG.

Wo in Europa gibt es noch Pfandsysteme

Das deutsche Pfandsystem hat sich in die Kultur-DNA des Landes eingeprägt. Mittlerweile ist es in ganz Europa ein Vorbild für ein gut funktionierendes System zur Rücknahme von Einweggetränkeverpackungen, erklärt auch der Handelsverband Deutschland (HDE).

"Maßgeblich zum Erfolg der DPG beigetragen hat, dass sie in den vergangenen Jahren stets zügig auf die sich ändernden Gegebenheiten am Markt reagiert hat", lobt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Das System leiste ienen wichtigen Beitrag für die nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) und den Sammelzielen von 90 Prozent für Einweggetränkeverpackungen steigt der Druck auf Länder ohne Pfandsystem. In Europa haben in den vergangenen Jahren viele Länder Pfandsysteme nach dem Vorbild des deutschen Einwegpfands eingeführt oder ausgebaut, so beispielsweise Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen oder die baltischen Länder.

Bei Neueinführungen in Ländern wie der Slowakei, Rumänien oder Österreich wurden häufig deutsche Unternehmen als Berater, Technologieanbieter oder Betreiber von Rücknahmeautomaten eingebunden. In Österreich wurde im Januar 2025 Einwegpfand eingeführt. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen Spar rund 60 Millionen Euro in die Umstellung investiert, unter anderem für Automaten, Logistik und Personal.

Das System wird zwar gelegentlich kritisiert, doch einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov zufolge befürworten 70 Prozent das System.

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