Weltgrößte Kryptobörse zieht sich aus mehreren EU-Märkten zurück, nachdem sie vor Ablauf der Frist am 30. Juni ihren Antrag auf eine griechische Lizenz zurückgezogen hat.
Binance stellt ab kommender Woche in mehreren EU-Staaten seine Kryptodienste ein. Der weltgrößten Krypto-Börse nach Handelsvolumen ist es nicht gelungen, die nötige Zulassung für den weiteren Betrieb im Binnenmarkt zu bekommen.
Das Unternehmen bestätigte, unter dem EU-Regelwerk „Markets in Crypto-Assets“ (MiCA) eine Lizenz in Griechenland beantragt zu haben. Inzwischen hat Binance diesen Antrag jedoch zurückgezogen und kündigt an, sich über einen anderen EU-Mitgliedstaat neu um eine Erlaubnis zu bemühen.
In einer E‑Mail an französische Kundinnen und Kunden am Mittwoch erklärte Binance, die französische Einheit sei „nicht länger in der Lage, neue Kunden anzunehmen und werde ab dem ersten Juli 2026 keine Krypto-Dienstleistungen mehr in Frankreich anbieten“. Kurz darauf stellte das Unternehmen klar, dass die Maßnahme nicht nur Frankreich betrifft. „Ähnliche Mitteilungen sind an betroffene Nutzerinnen und Nutzer in anderen EU-Märkten verschickt worden“, hieß es am Donnerstag.
Binance versicherte den Kundinnen und Kunden, dass ihre Gelder nicht in Gefahr seien: „Ihre Vermögenswerte bleiben sicher und sind jederzeit zugänglich“, teilte das Unternehmen mit.
Regulierungsfrist: Die meisten Börsen verpassen die Vorgabe
MiCA ist 2024 in Kraft getreten und schafft einen einheitlichen EU-Rahmen für den Handel mit Krypto-Vermögenswerten. Die Regeln legen unter anderem Anlegerschutz und Pflichten zur Geldwäschebekämpfung fest. Handelsplattformen haben bis zum 30. Juni 2026 Zeit, sich von einer nationalen Aufsichtsbehörde im Binnenmarkt genehmigen zu lassen – eine Frist, die die große Mehrheit bislang nicht einhalten konnte.
Binance erklärte, man habe den Antrag in Griechenland „nach sorgfältiger Abwägung des Stands und des Zeitplans des Verfahrens in Griechenland und mit den Interessen unserer Nutzer im Mittelpunkt“ zurückgezogen. Das Unternehmen betonte, es habe „konstruktiv und in gutem Glauben“ mit den griechischen Behörden zusammengearbeitet. Da jedoch vor Ablauf der Übergangsfrist keine formale Entscheidung zu erwarten sei, suche man nun in einem anderen Land nach einer Lizenz. „Wir haben die vorsichtige Entscheidung getroffen, einen Weg zu wählen, der den Nutzern mehr Klarheit gibt und es uns ermöglicht, in Europa weiterhin einen regelkonformen, langfristigen Kurs zu verfolgen“, hieß es.
Die griechische Kapitalmarktaufsicht Hellenic Capital Market Commission lehnte eine Stellungnahme auf Anfrage am Donnerstagabend ab.
Krypto-Riese Binance: Turbulente Jahre
Binance wurde 2017 gegründet und stieg rasch zur dominierenden Plattform im globalen Krypto-Handel auf. Mitgründer und Ex-Chef Changpeng Zhao wurde dadurch zum Milliardär. Ursprünglich in China ansässig, verlagerte das Unternehmen sein Geschäft ins Ausland, nachdem Peking massiv gegen den Krypto-Sektor vorging.
Seither prägen rechtliche und aufsichtsrechtliche Turbulenzen den Weg des Konzerns. Nach dem Crash der Kryptomärkte 2022 verschärften Aufsichtsbehörden weltweit ihre Prüfung. Binance sieht sich in mehreren Ländern dem Vorwurf ausgesetzt, Geldwäsche durch kriminelle Organisationen erleichtert zu haben; eine Untersuchung in Frankreich läuft weiter.
Ende 2023 bekannte sich Zhao schuldig, gegen US‑Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung verstoßen zu haben. 2024 verbüßte er eine viermonatige Haftstrafe.