In 17 von 20 europäischen Ländern stiegen 2025 die Immobilienverkäufe, weil niedrigere Kreditzinsen die Nachfrage ankurbelten. Frankreich verzeichnete mehr als eine Million Abschlüsse, Slowenien den stärksten prozentualen Zuwachs.
Der europäische Wohnungsmarkt hat 2025 wieder Fahrt aufgenommen, obwohl die Immobilienpreise in den meisten Ländern weiter gestiegen sind. Belgien und Österreich gehören zu den Staaten, in denen die Zahl der Verkäufe um mehr als 20 Prozent zulegte.
Immobilien sind im Euroraum laut Europäischer Zentralbank die wichtigste Quelle des privaten Vermögens. Die meisten Käufer erwerben ein Haus oder eine Wohnung zur Eigennutzung, andere betrachten Immobilien vor allem als Geldanlage.
Zahlen von Eurostat zeigen große Unterschiede. Die jährliche Veränderung der Verkäufe reicht von einem Rückgang um 4,1 Prozent in Kroatien bis zu einem Plus von 29,9 Prozent in Slowenien.
„Wohnimmobilien werden vor allem von der Leistbarkeit von Hypotheken, den Zinsen, den Haushaltseinkommen, der Beschäftigungslage, dem Vertrauen der Verbraucher und dem verfügbaren Angebot beeinflusst“, sagte Mikk Kalmet, Immobilienberater beim Global Property Guide, gegenüber Euronews Business.
In Litauen (22,8 Prozent), Österreich (21,4 Prozent) und Belgien (20,2 Prozent) legten die Verkäufe jeweils um mehr als 20 Prozent zu.
Auch in Luxemburg (18,6 Prozent), Ungarn (17,3 Prozent), den Niederlanden (13,9 Prozent), Dänemark (12,7 Prozent), Frankreich (11,2 Prozent) und Portugal (10,5 Prozent) lag das jährliche Plus im zweistelligen Bereich.
Lettland (9,2 Prozent), Finnland (9 Prozent) und Norwegen (8,3 Prozent) verzeichneten Zuwächse nahe 10 Prozent.
Für die großen Volkswirtschaften Europas liegen nur Daten aus Spanien und Frankreich vor. In Spanien stieg die Zahl der Hausverkäufe um 5,4 Prozent.
„Frankreich verzeichnete eine der auffälligsten Trendwenden. Nach einem Rückgang 2024 kehrte der Markt 2025 in den Wachstumspfad zurück. Spanien erzielte in beiden Jahren Zuwächse, was auf eine relativ robuste Nachfrage hinweist“, so Kalmet.
Kroatien: Mieten schießen in die Höhe, Immobilienverkäufe gehen weiter zurück
Nicht nur in Kroatien gingen die Verkäufe zurück. In Bulgarien und Polen sanken sie ebenfalls leicht, um 2,5 beziehungsweise 1,1 Prozent.
2024 schrumpfte der Markt in sechs Ländern, 2025 nur noch in drei.
Kalmet stellte fest, dass sich die Aktivität auf den Wohnungsmärkten 2025 in weiten Teilen der EU verstärkt hat.
„Das deutet auf eine breite Erholung hin. Sie spiegelt vermutlich bessere Finanzierungsbedingungen und die nachgeholte Nachfrage wider, die in der Phase höherer Zinsen aufgeschoben wurde“, sagte er.
Kroatien ist ein beliebtes Reise- und Ferienziel, wo Hauspreise und Mieten rasant steigen. Die Kaufpreise legten zwischen dem ersten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 um 14,3 Prozent zu, der vierthöchste Anstieg in Europa. Bei den Mieten verzeichnete Kroatien mit 39,1 Prozent im selben Zeitraum das stärkste Wachstum.
Dennoch ist die Zahl der Immobilienverkäufe im Land bereits im vierten Jahr in Folge gesunken.
„Kroatien war das einzige Land mit Rückgängen in beiden Jahren. Das zeigt, dass nationale Faktoren die Entwicklung des Wohnungsmarkts prägen, obwohl es in Europa insgesamt eine Erholung gibt“, erläuterte Kalmet.
Frankreich: Mehr als eine Million Immobilienverkäufe
Unter den 14 Ländern mit verfügbaren Daten steht Frankreich an der Spitze. Dort wechselten 2025 mehr als eine Million Wohnungen und Häuser den Besitzer.
Die Kaufpreise stiegen in Frankreich im gleichen Zeitraum nur leicht, um 0,1 Prozent.
In den Niederlanden wurden 265.000 Immobilien verkauft.
Ungarn, Belgien, Portugal und Norwegen verzeichneten jeweils zwischen 130.000 und 160.000 Verkäufen.
Slowenien erzielte zwar den höchsten jährlichen Zuwachs, dort wurden aber nur 11.000 Immobilien verkauft, der niedrigste Wert im Vergleich.
Kalmet verwies darauf, dass gerade kleinere Märkte wie Slowenien, Litauen, Belgien und Ungarn besonders kräftige Zuwächse meldeten, obwohl Prozentwerte in kleinen Märkten schnell größer wirken.
Hohe Baukosten und begrenztes neues Angebot
Er betonte zudem, dass sich der Markt zu erholen begann, als sich der Euribor und andere Bankzinsen stabilisierten. Viele Menschen, die wegen der Unsicherheit mit einem Kauf gezögert hatten, gewannen ab Ende 2024 mehr Planungssicherheit.
Hohe Baukosten und eine begrenzte Bautätigkeit schränken das Angebot an Wohnraum weiterhin ein, so Kalmet.