Loader
Finden Sie uns
Werbung

Euroraum-Inflation bei zwei Komma acht Prozent: EZB vor Zinspause?

EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main, Deutschland, am elften Juni 2026 zu den Medien.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht am elften Juni 2026 in Frankfurt am Main auf einer Pressekonferenz zu den Medien. Copyright  AP Photo/Michael Probst
Copyright AP Photo/Michael Probst
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Im Euroraum sinkt die Inflation im Juni auf 2,8 Prozent, der erste Rückgang in diesem Jahr. Das stärkt der EZB das Argument für einen Einlagensatz von 2,25 Prozent.

Die endgültigen Zahlen von Eurostat, die am Freitag veröffentlicht wurden, zeigen: Die jährliche Teuerung ist von 3,2 % im Mai auf 2,8 % im Juni gesunken. Es ist der erste Rückgang, seit die Preise im Januar wieder Fahrt aufgenommen haben. Die Daten kommen weniger als eine Woche vor der Zinssitzung des EZB-Rats am Donnerstag. Dann entscheidet er, ob der erste Zinsschritt seit fast drei Jahren, den die Bank im Juni vollzogen hat, bald einen weiteren Anstieg bekommt.

WERBUNG
WERBUNG

Die Detailzahlen sprechen eher für eine Pause.

Die Kerninflation, bei der Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak herausgerechnet werden, ging von 2,6 auf 2,4 % zurück. Die Energiepreise verteuerten sich nur noch um 8,5 statt 10,8 %. Die Dienstleistungspreise stiegen von 3,5 auf 3,2 %. Insgesamt sank die Rate in 22 der 27 EU-Mitgliedstaaten.

In den vier größten Volkswirtschaften der Eurozone lag die Inflation in Deutschland bei 2,4 %, in Frankreich bei 2 %, in Italien bei 3 % und in Spanien bei 3,6 %.

Die Zahlen sind wichtig wegen der Vorgeschichte.

Im Juni erhöhte die EZB den Einlagenzins von 2 auf 2,25 %. Es war die erste Anhebung seit fast drei Jahren. Auslöser war der Konflikt mit Iran, der die Inflation im Euroraum im Mai auf 3,2 % trieb – den höchsten Wert seit September 2023.

Konflikt mit Iran flammt wieder auf

Das Problem: Der Schock, der damals zur Zinserhöhung führte, ist zurück.

Im März kletterte der Ölpreis zeitweise auf fast 120 Dollar je Barrel, fiel danach aber auf rund 72 Dollar, nachdem Ende Juni ein vorläufiges Friedensabkommen geschlossen worden war. Doch die Waffenruhe ist in diesem Monat stark brüchig geworden.

Die USA und Iran haben erneut Luftangriffe ausgetauscht. Teheran griff Schiffe an und drohte, die Energieexporte der Region zu stören. Washington verhängte wieder Sanktionen und verstärkte seine Seeblockade. Der Preis für Brent-Öl stieg dadurch am Freitag wieder auf 87 Dollar je Barrel.

Die neue Zuspitzung lässt nach Einschätzung der ING-Bank die Option eines überraschenden Zinsschritts am Donnerstag wieder aufleben. Die Analysten rechnen aber weiterhin mit einer Pause und halten einen zweiten Anstieg im September für realistischer.

Erneuter Konflikt mit Iran

Die Schwierigkeit für die Notenbank: Der Schock, der die Zinserhöhung im Juni ausgelöst hat, ist erneut da.

Die Ölpreise hatten im März fast 120 Dollar je Barrel erreicht, sanken nach einem vorläufigen Friedensabkommen Ende Juni aber auf etwa 72 Dollar. Jetzt gerät die Waffenruhe jedoch massiv ins Wanken.

Die Vereinigten Staaten und Iran fliegen wieder Angriffe gegeneinander. Teheran attackiert Handelsschiffe und droht mit Einschränkungen der Energieexporte aus der Region. Washington hat Sanktionen neu aufgelegt und seine Seeblockade verschärft. Brent-Öl kostete deshalb am Freitag wieder 87 Dollar je Barrel.

Die erneute Eskalation nährt laut ING die Chance auf eine überraschende Zinserhöhung am Donnerstag. Die Bank geht trotzdem davon aus, dass die EZB vorerst stillhält und einen weiteren Schritt eher im September wagt.

Der Juli-Termin ist zudem keine Sitzung mit neuen Prognosen. Das gibt den Währungshüterinnen und Währungshütern Spielraum, erst auf frische Daten zu warten, bevor sie wieder handeln.

Was Lagarde signalisiert

Auf dem EZB-Forum im portugiesischen Sintra betonte EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor wenigen Wochen, der Zinsschritt im Juni sei kein „Versicherungsschritt“ gewesen, sondern eine Reaktion auf ein reales Inflationsproblem. Sie verwies darauf, dass die Projektionen der EZB eine Rückkehr zur Zielmarke von 2 % erst Ende 2027 zeigen – und nur, wenn die Geldpolitik weiter gestrafft wird.

Lagarde lehnte es zugleich ab, einen festen Kurs vorzugeben. „Forward Guidance steht nicht auf der Agenda“, sagte sie. Über den Kurs wird weiter von Sitzung zu Sitzung entschieden, je nach den laufend eintreffenden Konjunkturdaten.

Damit bleibt die EZB die einzige große westliche Notenbank, die bereits einen neuen Zinserhöhungszyklus gestartet hat.

Die US-Notenbank Federal Reserve beließ ihren Leitzins im Juni unverändert bei 3,50 bis 3,75 %. Es war die erste Sitzung unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Dessen ausgesprochen straffer Kurs verunsicherte die Märkte.

Auch die Bank of England ließ ihren Leitzins unverändert bei 3,75 %. Im geldpolitischen Ausschuss stimmten sieben Mitglieder dafür, zwei plädierten für eine Anhebung auf 4,0 %. Die Bank von Japan hob ihren Zins hingegen auf 1,0 % an – den höchsten Stand seit einunddreißig Jahren.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Trump Media verkauft schnellen Zugang zu kursbewegenden Social-Media-Posts

British Steel gehört wieder dem Staat: China wirft London unfairen Eingriff vor

Spanien: Was der WM-Sieg der Volkswirtschaft bringt