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Eurofound-Studie: Jeder fünfte Job in der EU prekär – Spanien mit höchster Quote

Bauarbeiter arbeiten bei Hitze an einer Straße in Madrid, Spanien, am 27. Mai 2026.
Bauarbeiter arbeiten bei großer Hitze an einer Straße in Madrid, Spanien, 27. Mai 2026 Copyright  AP Photo/Manu Fernandez
Copyright AP Photo/Manu Fernandez
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
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Eurofound-Studie: In der EU gilt nahezu jeder fünfte Job wegen niedriger Löhne, unsicherer Verträge oder fehlender Rechte als prekär; Spanien liegt vorn.

„Ein multidimensionales Phänomen, das unzureichendes Einkommen, unsichere Beschäftigung und fehlende Rechte am Arbeitsplatz umfasst“ – so beschreibt Eurofound die Verwundbarkeit in der Erwerbsarbeit, wenn es um Lebens- und Arbeitsbedingungen geht.

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In seinem jüngsten Bericht stellt die dreigliedrige EU-Agentur, die Wissen für bessere Sozial-, Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik bereitstellt, fest: 18,8 % der Arbeitsplätze in der EU – also nahezu jede fünfte Stelle – lagen 2021 bei mindestens einer dieser Dimensionen unter der Schwelle. 2021 ist das jüngste Jahr mit vergleichbaren Einkommensdaten.

Die Tendenz ist jedoch positiv.

Der Anteil verwundbarer Jobs stieg nach der Finanzkrise von 21,4 % im Jahr 2009 auf 23,8 % im Jahr 2014. Haupttreiber war ein sprunghafter Anstieg von unfreiwilliger Befristung und Teilzeit. Seit 2016 geht der Anteil jedoch kontinuierlich zurück und liegt inzwischen wieder unter dem Vorkrisenniveau.

Das deckt sich mit dem Überblick der Agentur über ihre Arbeitsbedingungenserhebung 2024, die im April erschien. Sie zeigt eine schrittweise Verbesserung der Jobqualität in Europa, allerdings bei anhaltenden Gräben.

Große Unterschiede in Europa

Spanien verzeichnet mit 29 % den höchsten Anteil verwundbarer Beschäftigung. Dahinter folgen Portugal und Luxemburg mit jeweils 25 % sowie Italien mit 24 %. Ungarn mit 17 % sowie Malta und Bulgarien mit jeweils 18 % liegen am unteren Ende der Skala.

Für Zypern, Tschechien, Litauen, Polen, Rumänien und Schweden lagen für 2021 keine Daten vor; sie flossen daher nicht in die Studie ein.

Art und Ausmaß des Problems unterscheiden sich jedoch stark von Land zu Land.

In kontinentaleuropäischen Ländern wie Deutschland und Österreich sowie in Mittel- und Osteuropa ist Niedriglohn der Hauptfaktor. In der Auswertung für 2019 erklärt er in Bulgarien fast drei Viertel aller Fälle von Verwundbarkeit.

Anderswo steht Unsicherheit im Mittelpunkt: In den Mittelmeer- und nordischen Staaten prägen unfreiwillige Befristung und Teilzeit das Bild. In Irland machen sie 56 % der Verwundbarkeit aus – der höchste Wert in der EU.

Die überraschend hohe Platzierung Luxemburgs erklärt sich dadurch, dass die Löhne jeweils am nationalen Medianeinkommen gemessen werden.

Wer das Risiko trägt

Frauen, junge Beschäftigte, Migrantinnen und Migranten, Romnja und Roma, Menschen mit Behinderungen sowie LGBT+-Personen arbeiten überdurchschnittlich häufig in verwundbaren Jobs. Gründe sind Diskriminierung, Sorgearbeit und bei Migrantinnen und Migranten auch rechtliche Hürden und nicht anerkannte Abschlüsse.

Bildung wirkt als starker Schutz.

In Ungarn gelten 58 % der gering Qualifizierten als verwundbar, aber nur sechs Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen.

Auch Erfahrung zählt: Jedes zusätzliche Jahr im Erwerbsleben senkt das Risiko um einen Prozentpunkt – also um rund 20 % über eine 20-jährige Berufslaufbahn.

Auffällig ist die Verwundbarkeit junger Menschen: In Dänemark galten 2015 59 % der jungen Beschäftigten als verwundbar, bei den Erwachsenen waren es nur elf Prozent. In den nordischen Ländern handelt es sich dabei jedoch meist um eine Übergangsphase auf dem Weg zu stabilen Jobs.

Die Folgen geballter Nachteile

Verwundbarkeit in nur einer Dimension bedeutet noch kein dauerhaft schlechtes Erwerbsleben. Betroffene berichten teils sogar von besseren Ergebnissen als abgesicherte Kolleginnen und Kollegen – etwa bei der Arbeitsintensität.

„Erst die Häufung mehrerer Verwundbarkeiten führt durchgängig zu negativen Folgen“, heißt es in dem Bericht. Genannt werden schlechtere Perspektiven, eingeschränkter Zugang zu Weiterbildung, weniger Autonomie und unberechenbare Einkommen.

Die Belastung zeigt sich eher psychisch als körperlich: Stark verwundbare Beschäftigte leiden häufiger unter Angstzuständen und Depressionen, obwohl sie seltener über arbeitsbedingten Stress berichten.

Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, entspricht aber genau den Umfrageergebnissen. Der Bericht stellt beide Befunde nebeneinander, ohne sie erklären zu wollen, denn die Ursachen für den Anstieg von Angst und Depressionen liegen offenbar nicht in der Arbeit selbst.

Vor dem Hintergrund der laufenden Konsultation zum Quality Jobs Act der Europäischen Kommission warnt Eurofound, dass Flexibilität erhalten bleiben müsse, ohne dass atypische Beschäftigung die Standards aushöhle. Zudem seien Regeln nur so wirksam wie die Arbeitsaufsichtsbehörden, die sie kontrollieren.

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