Porsche hält an Jahresprognose fest: Einsparungen und stärkere 911-Verkäufe treiben Gewinn, trotz 32 % weniger China-Auslieferungen und Plänen, 2035 Tausende Stellen zu streichen.
Der deutsche Luxusautohersteller Porsche AG hat am Mittwoch für das erste Halbjahr einen Anstieg des operativen Gewinns um 34 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro gemeldet, obwohl Umsatz und Auslieferungen deutlich zurückgingen. Damit lag Porsche über der durchschnittlichen Analystenprognose von 1,26 Milliarden Euro, wie Daten von S&P Global Visible Alpha zeigen.
Porsche galt lange als verlässlichste Gewinnquelle des Volkswagen-Konzerns. Inzwischen leidet der Sportwagenbauer jedoch besonders unter der nachlassenden Nachfrage in China nach deutschen Luxusautos und unter schwächeren Verkäufen von Elektrofahrzeugen.
Der Sportwagenhersteller führte den Gewinnanstieg auf ein strengeres Kosten- und Preismanagement sowie auf eine veränderte Modellmix-Strategie zurück. Hinzu kommt der Kurs „Value over Volume“, bei dem Profitabilität wichtiger ist als möglichst hohe Stückzahlen.
Zugleich profitierte das Unternehmen von deutlich geringeren Restrukturierungskosten. Im ersten Halbjahr 2026 verbuchte Porsche für seine strategische Neuausrichtung eine Netto-Belastung von rund 100 Millionen Euro, nach etwa 800 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
Der Umsatz sank um 5,1 Prozent auf 17,23 Milliarden Euro, nach 18,16 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die operative Umsatzrendite stieg dennoch von 5,5 auf 7,8 Prozent.
„In den vergangenen sechs Monaten hat das Porsche-Team sehr intensiv und mit großer Disziplin an unserer Strategie gearbeitet. Dennoch liegt noch viel Arbeit vor uns, um Porsche für die herausfordernde Zukunft robust aufzustellen“, sagte Vorstandschef Dr. Michael Leiters in einer Mitteilung.
Höhere Verkäufe der hochpreisigen 911-Sportwagen stützten zusätzlich die Jahresprognose und das Ergebnis, vor allem bei den GTS-, Turbo- und GT-Modellen. Dagegen gingen die Verkäufe der Baureihen Taycan, Panamera und Macan zurück.
Im ersten Halbjahr lieferte Porsche 122.306 Fahrzeuge aus, ein Rückgang um 16,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In China brachen die Auslieferungen um 32 Prozent auf 14.501 Fahrzeuge ein. Das Unternehmen sprach von einem schwierigen Marktumfeld und betonte seinen anhaltenden Fokus auf wertorientierten Verkauf.
Trotzdem rechnet Porsche im Gesamtjahr mit Erlösen zwischen 35 und 36 Milliarden Euro. 2025 hatte der Umsatz 36,27 Milliarden Euro betragen. Die operative Marge erwartet der Konzern für dieses Jahr in einer Spanne von 5,5 bis 7,5 Prozent.
Mit dieser Prognose hebt sich Porsche von mehreren anderen großen deutschen Autobauern ab, die ihre finanziellen Ziele wegen der Verschlechterung der Rahmenbedingungen in China, steigender Kosten und einer schwächeren Konsumlaune gesenkt haben.
Porsche baut bis 2035 weitere 5.000 Stellen ab
Porsche AG kündigte am Montag an, bis 2035 weitere 5.000 Stellen abzubauen, um Kosten zu senken und zugleich die wichtigsten deutschen Standorte vor betriebsbedingten Kündigungen zu schützen. Die Maßnahme ist Teil einer Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern.
Sie kommt zu einem bereits angekündigten Plan hinzu, bis 2030 insgesamt 3.900 Stellen zu streichen, darunter 2.000 befristete Jobs. Nach Berechnungen von Reuters summieren sich die geplanten Einschnitte auf rund 9.000 Stellen.
Die Reduzierung der 5.000 Stellen soll über ein Paket aus erweiterten Teilrentenmodellen, natürlicher Fluktuation und freiwilligen Aufhebungsverträgen erfolgen, wie Unternehmen und Gesamtbetriebsrat mitteilten.
Im Gegenzug werden Beschäftigungs- und Standortsicherungen an den Werken Zuffenhausen und Weissach bis Ende 2035 verlängert. Für diesen Zeitraum schließt Porsche betriebsbedingte Kündigungen aus.
Härtere Konkurrenz durch chinesische Hersteller, US-Zölle und hohe Kosten in Deutschland erhöhen den Druck auf Porsche.
Das Unternehmen erklärte, sein langfristiges Strategie- und Restrukturierungsprogramm „Sportwagenschmiede 35“ stehe kurz vor dem Abschluss. Es soll den Fokus stärker auf das Kerngeschäft mit Sportwagen richten, die Organisation verschlanken und Profitabilität sowie Widerstandskraft verbessern.
„Mit der Strategie ‚Sportwagenschmiede 35‘ wollen wir die Profitabilität, den Cashflow und die Resilienz von Porsche in den kommenden Jahren stärken. Wir richten unser Unternehmen konsequent auf das Kerngeschäft aus. Im Mittelpunkt stehen unsere Marke, unsere Kundinnen und Kunden und unsere Produkte“, sagte Leiters.
Porsche will die Strategie im Detail auf seinem Kapitalmarkttag am 7. Oktober 2026 vorstellen.