Die Agentur senkte Frankreichs Rating im September 2025 und bestätigte es im März 2026. Trotz schwacher Aussichten könnte Fitch laut von Euronews befragten Experten erst 2027 eine härtere Linie einschlagen.
Für die Regierung von Sébastien Lecornu wäre es bereits ein Erfolg, wenn das Land finanziell über Wasser bleibt. An diesem Freitag, gut einen Monat bevor der Haushaltsentwurf für 2027 in der Nationalversammlung eingebracht wird, entscheidet die Agentur Fitch über das Kreditrating Frankreichs.
Die Agentur stuft die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU derzeit mit A+ und stabilem Ausblick ein. Das Land hat sein Doppel-A im September 2025 verloren, als Fitch die politische Instabilität nach der Parlamentsauflösung abstrafte. Damals hielten sich die Regierungen von Michel Barnier und François Bayrou nur 99 beziehungsweise 270 Tage im Amt. Diese Bewertung bestätigte Fitch im März 2026.
Im Gespräch mit Euronews rechnet Hadrien Camatte, Seniorökonom für Frankreich, Belgien und die Eurozone bei Natixis CIB, mit einem Status quo, „dem wahrscheinlichsten Szenario“. Zugleich warnt er: „Ein Wechsel zu einem negativen Ausblick lässt sich nicht ausschließen.“
„Das ist die erste konkrete Folge dieses schrecklichen Sommers“
Seit März, erläutern Hadrien Camatte und sein Kollege, der Zinsstratege Théophile Legrand, hat sich das makroökonomische Umfeld etwas verschlechtert. Beide verweisen vor allem auf nach unten korrigierte Wachstumsprognosen für 2026 „im Fahrwasser des Kriegs im Nahen Osten“. Fitch ging im März noch von einem Wachstum von eins Prozent im Jahr 2026 aus. Die Regierung senkte ihre Erwartung zur gleichen Zeit auf null Komma sieben Prozent, Natixis CIB rechnet nur mit null Komma sechs Prozent.
Dieser Freitagmorgen brachte neue Daten: Das französische Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal nicht gewachsen und stagniert bei null Komma null Prozent. Zuvor hatte das Statistikamt Insee einen leichten Anstieg von null Komma zwei Prozent angekündigt. Ausschlaggebend ist „die noch schlechtere Lage in der Landwirtschaft im Vergleich zu den Informationen Ende Juli“, so Insee.
„Das ist die erste konkrete Folge dieses schrecklichen Sommers, den wir erlebt haben“, sagte Wirtschaftsminister Roland Lescure am Morgen bei den Sommeruniversitäten der Wirtschaft von morgen und verwies auf wiederholte Hitzewellen und die anhaltende Dürre.
Beim Defizit rechnet Fitch mit vier Komma neun Prozent des BIP und liegt damit nahe am Regierungsziel von fünf Prozent. Natixis CIB geht von fünf Komma eins Prozent aus. Diese Werte „lassen keinen haushaltspolitischen Spielraum, um das Defizit in den kommenden Jahren zu senken“, betonen Hadrien Camatte und Théophile Legrand.
Die Staatsverschuldung dürfte mindestens bis 2030 weiter steigen. Gleichzeitig nimmt die Zinslast deutlich zu, heben die beiden Experten hervor.
„Das ist ein zentraler Punkt für die Ratingagentur“, erklären sie gegenüber Euronews. Fitch hatte bereits im März „eine anhaltende Erhöhung der Schuldenquote in Relation zum BIP als einen der wichtigsten Faktoren“ genannt, der das Rating beeinflussen könnte – etwa, wenn Frankreich keine Sparmaßnahmen umsetzt oder die Finanzierungskosten dauerhaft hoch bleiben.
Getrübter Ausblick für Haushalt und Politik
„Der nächste Haushaltszyklus wird besonders schwierig, wenn es darum geht, das Defizit zu verringern. Zugleich dürfte die näherrückende Präsidentschaftswahl die politische Volatilität verstärken“, prognostizieren die Analysten von Natixis CIB.
Dennoch halten sie es für möglich, dass Fitch Geduld zeigt: „Der Haushaltszyklus hat noch nicht begonnen, und die größten Risiken dürften eher 2027 sichtbar werden.“
Premierminister Sébastien Lecornu will den Haushalt für 2027 bereits am 30. September vorlegen. Die Parlamentsdebatten sollen im Oktober beginnen.
Jean-Luc Mélenchon hat bereits angekündigt, dass seine Bewegung La France insoumise (LFI) den neuen Haushalt mit einem Misstrauensantrag zu Fall bringen will.