Grundausstattung für Babys ist in Europa teils deutlich teurer. Im Vergleich zu Durchschnittslöhnen belasten Windeln, Nahrung und Kleidung viele Eltern stark.
Für die meisten Eltern gehört die Geburt eines Babys zu den glücklichsten Momenten im Leben. Gleichzeitig steigt die finanzielle Belastung. Windeln, Nahrung, Kinderwagen, Kleidung – die Einkaufsliste für die Erstausstattung ist lang. Die Rechnung fällt oft höher aus als erwartet.
Die Kosten für Babyausstattung unterscheiden sich in Europa deutlich. Wie viel geben Eltern tatsächlich aus? In welchen Ländern ist die Erstausstattung am teuersten, und wo ist sie im Verhältnis zu den Durchschnittslöhnen am erschwinglichsten?
Das Finanzunternehmen Remitly hat die jährlichen Kosten der Erstausstattung im ersten Lebensjahr eines Babys berechnet, auf Basis der Preise von Juli 2026. In die Analyse fließen vierzehn typische Produkte aus sechs Kategorien ein:
- Wickeln (Windeln, Feuchttücher, Wundcreme),
- Fläschchen (Babyflaschen mit Verschlüssen),
- Milchpulver
- Schlaf (Kinderbett, Tragekorb oder Stubenwagen, Matratze, Spannbettlaken, Decken),
- Transport (Babyschale fürs Auto, Kinderwagen),
- Kleidung (Body oder Einteiler, Strampler oder Hosen, Socken).
In den 38 untersuchten europäischen Ländern reichen die geschätzten Kosten im ersten Lebensjahr von 2.813 Euro im Vereinigten Königreich bis 6.294 Euro in Spanien. Der europäische Durchschnitt liegt bei 4.727 Euro.
Neben Spanien überschreiten auch die Niederlande (6.140 Euro), Finnland (6.066 Euro), Schweden (6.025 Euro) und die Schweiz (6.018 Euro) die Marke von 6.000 Euro.
Zwischen 5.000 und 6.000 Euro liegen Luxemburg (5.665 Euro), Italien (5.609 Euro), Litauen (5.563 Euro), Albanien (5.532 Euro), Serbien (5.509 Euro), Montenegro (5.500 Euro), Portugal (5.337 Euro), die Slowakei (5.221 Euro), Norwegen (5.079 Euro) und Island (5.004 Euro).
Unter den fünf größten Volkswirtschaften verzeichnet Spanien die höchsten Kosten, das Vereinigte Königreich die niedrigsten mit 2.813 Euro. Deutschland (4.701 Euro) und Frankreich (4.393 Euro) liegen nahe am europäischen Durchschnitt.
Eltern in Tschechien (3.211 Euro), Rumänien (3.385 Euro), Lettland (3.392 Euro), Kroatien (3.661 Euro), Bulgarien (3.804 Euro) sowie in Bosnien und Herzegowina (3.844 Euro) zahlen nominell mit am wenigsten. In allen sechs Ländern bleiben die Kosten unter 4.000 Euro.
Die Türkei (4.023 Euro), Belgien (4.084 Euro), Malta (4.118 Euro) und Griechenland (4.158 Euro) liegen ebenfalls nahe an der 4.000-Euro-Grenze, aber leicht darüber.
Größte Ausgaben für Kleidung, Milchpulver und Windeln
Wie sich die Kosten auf die sechs Kategorien verteilen, unterscheidet sich stark zwischen den Ländern. Im europäischen Mittel entfallen rund 30,3 % auf Kleidung, 25,7 % auf Milchpulver und 24,5 % auf Windeln. Zusammen machen diese Posten 81 % der Ausgaben im ersten Jahr aus.
Eltern geben in den 38 Ländern durchschnittlich 1.465 Euro für Kleidung, 1.187 Euro für Milchpulver und 1.152 Euro für Windeln aus. Zusammengenommen sind das 3.804 Euro.
Die Gewichtung unterscheidet sich jedoch deutlich. In Dänemark entfallen nur 16 % der Kosten auf Kleidung, in Schweden sind es 52,5 %. Über 45 % erreicht der Anteil auch in den Niederlanden, Finnland und Irland.
Milchpulver macht in Schweden lediglich 10,8 % der Gesamtkosten aus, in Lettland dagegen 41,3 %. Besonders hoch ist der Anteil auch in der Türkei, in Dänemark und in Ungarn, wo er jeweils über 35 % liegt.
Windeln stehen in der Türkei für 12,4 % der Babybudgets, in der Schweiz und in Belgien für mehr als 36 %.
Die Grafik unten zeigt, wie viel Eltern im ersten Lebensjahr ihres Babys in jeder Kategorie ausgeben.
Babykosten im Verhältnis zum Durchschnittslohn
Beim Vergleich der Länder spielt das Einkommen eine zentrale Rolle. Die Löhne in Europa liegen weit auseinander. Entscheidend ist daher, welcher Anteil des durchschnittlichen Jahreslohns in das erste Lebensjahr eines Babys fließt.
Remitly hat die Kosten der Babyausstattung den jeweiligen Durchschnittslöhnen gegenübergestellt. Grundlage sind die inflationsbereinigten Durchschnittsverdienste von Beschäftigten, die die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) erhebt.
Wie gut Eltern die Ausgaben stemmen können, hängt auch davon ab, ob beide arbeiten, wie hoch Steuern sind und welche Familienleistungen es gibt. All das kann die Belastung stark verändern, wie dieser Euronews-Artikel zeigt.
In den 36 untersuchten Ländern entspricht die Erstausstattung im Schnitt 20,9 % des Jahreslohns. Die Spannbreite reicht von 5,4 % in Belgien bis zu 88,8 % in Moldau.
Eltern in Albanien (66 %), der Türkei (45,1 %), Montenegro (45 %), Serbien (41,4 %), Bosnien und Herzegowina (36,1 %), Portugal (35,7 %) und Ungarn (34,7 %) geben demnach mindestens ein Drittel des durchschnittlichen Jahreslohns für Babyartikel aus.
Weniger als zehn Prozent des durchschnittlichen Jahreslohns fließen in Luxemburg (6 %), Dänemark (6,7 %), das Vereinigte Königreich (7,5 %), Norwegen (7,6 %), Irland (8 %), die Schweiz (8 %), Deutschland (8,1 %), Österreich (8,2 %), Frankreich (8,5 %), Malta (8,9 %) und die Niederlande (9,4 %) in die Erstausstattung.
Was kostet Kinderbetreuung in Krippe und Kita?
Die Untersuchung erfasst die Ausgaben für Krippe und Kita nicht. Dabei stellen die Gebühren für die Kinderbetreuung in vielen Ländern eine zusätzliche, oft erhebliche Belastung dar.
2023 lagen die Bruttogebühren für die Betreuung von zwei Kindern in der Schweiz bei 64.211 Euro. In der EU verzeichneten die Niederlande mit 39.229 Euro den höchsten Wert, wie Daten der OECD zeigen. In Deutschland waren es lediglich 552 Euro.
Die Zahlen beziehen sich auf außerhäusliche, institutionelle Betreuung in lizenzierten Einrichtungen. Dazu gehören Krippen, Kindertagesstätten, Horte, Spielgruppen und Elterninitiativen, in Vollzeit oder Teilzeit.
Beim Blick auf die Nettokosten für die Betreuung von zwei Kindern ergeben sich 10.200 Euro für eine Familie mit einem Einkommen in der Schweiz und 27.551 Euro für ein Paar mit zwei Verdienenden. Staatliche Unterstützung kann die Belastung jedoch deutlich senken. In einigen Ländern fallen die Nettokosten auf unter 5.000 Euro, wie dieser Euronews-Artikel zeigt.