Die Pulitzer-Jury zeichnet Daniel Kraus für den Roman „Angel Down“ aus, eine in einem einzigen Satz erzählte Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg. In den Journalismuskategorien dominieren Beiträge zur Trump-Regierung.
Die Verantwortlichen des Pulitzer-Preises haben in diesem Jahr wieder ihre Auszeichnungen vergeben – von Belletristik über Musik bis zur investigativen Recherche.
Den Preis für Belletristik erhielt in diesem Jahr Daniel Kraus, ein Autor, der gern mit Genres und Sprache experimentiert. Ausgezeichnet wurde er für „Angel Down“, eine Erzählung aus dem Ersten Weltkrieg, die sich über rund 300 Seiten in einem einzigen, nicht endenden Satz entfaltet.
In „Angel Down“ trifft ein einfacher Soldat an der Front auf einen Engel. Die Jury lobte das Buch als „stilistische Tour de Force, die Allegorie, magischen Realismus und Science-Fiction zu einem stimmigen Ganzen verbindet – erzählt in einem einzigen Satz“.
Kraus hat zuvor Horror- und Science-Fiction-Romane veröffentlicht und mit Regisseuren wie George Romero und Guillermo del Toro zusammengearbeitet. Dessen Oscar-prämierter Film The Shape of Water entstand mit Unterstützung von Kraus.
Bess Wohls „Liberation“, ein Stück über feministische Bewusstseinsgruppen der siebziger Jahre, gewann den Drama-Preis. Das Theaterstück setzt sich mit Misogynie und Homophobie auseinander und stellt gängige Geschlechterrollen infrage.
Weitere Literaturpreise gingen an Jill Lepore, die für „We the People: A History of the US Constitution“ in der Kategorie Geschichte ausgezeichnet wurde, und an Amanda Vaill für „Pride and Pleasure: The Schuyler Sisters in an Age of Revolution“ in der Sparte Biografie.
Yiyun Li erhielt den Preis für Memoir/Autobiografie für „Things in Nature Merely Grow“, in dem sie den Suizid ihrer beiden Söhne verarbeitet. Brian Goldstone wurde für „There is No Place for Us: Working and Homeless in America“ in der Kategorie allgemeines Sachbuch geehrt.
Der Lyrik-Preis ging an Juliana Spahr für „Ars Poeticas“, den Musikpreis erhielt die US-Pianistin und Komponistin Gabriela Lena Frank für „Picaflor: A Future Myth“, ein symphonisches Werk für das Philadelphia Orchestra, inspiriert von andinen Legenden und den Waldbränden in Kalifornien.
Darüber hinaus prägte die Berichterstattung über die Regierung Trump die diesjährigen Pulitzer-Preise. Das Komitee fand dabei deutliche Worte für Trumps Versuche, die Pressefreiheit zu beschneiden.
„Wir stehen für zivilen Diskurs und gegen Zensur“, sagte Pulitzer-Administratorin Marjorie Miller vor den gestrigen Bekanntgaben, die unter anderem die Berichterstattung über Trumps harte Einwanderungspolitik und die Bereicherung seiner Vertrauten würdigten. „Leider muss man das derzeit wiederholen, denn der Zugang der Medien zum Weißen Haus und zum Pentagon wird eingeschränkt, die Meinungsfreiheit wird auf der Straße angegriffen, und der Präsident der Vereinigten Staaten hat Verleumdungs- und Böswilligkeitsklagen über Milliardenbeträge gegen zahlreiche Print- und Rundfunkmedien eingereicht.“
Den renommierten Pulitzer-Preis für öffentlichen Dienst im Journalismus erhielt die Washington Post für ihre ausführliche Berichterstattung über Trumps „chaotische“ Versuche, die Bundesbürokratie der USA umzubauen.
Der Preis für investigative Berichterstattung ging an die New York Times für eine Serie, die offenlegte, wie Trump die mit seinem Amt verbundenen Geschäftschancen nutzte und damit seine Familie und Verbündeten bereicherte.
In der Kategorie Lokale Berichterstattung wurde die Chicago Tribune ausgezeichnet. Sie schilderte in „lebendiger, kraftvoller Prosa“, wie Bundes-Einwanderungsbehörden die Stadt im Mittleren Westen im Zuge von Trumps Vorgehen gegen undokumentierte Migranten einer „belagerungsähnlichen Operation“ aussetzten. Ein zweiter Preis in dieser Sparte ging an den Connecticut Mirror und ProPublica für eine Recherche zu skrupellosen Abschlepppraktiken von Autos.
Julie K. Brown vom Miami Herald erhielt eine besondere Auszeichnung für ihre „bahnbrechende Berichterstattung“ in den Jahren 2017 und 2018 über den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. „Ihre Serie ‚Perversion of Justice‘, die vor fast einem Jahrzehnt erschienen ist, zeigte, wie Staatsanwälte Epstein vor bundesweiten Anklagen wegen Sexhandels schützten, als ihm erstmals der Missbrauch junger Frauen vorgeworfen wurde“, sagte Miller.
Die New York Times gewann außerdem in der Kategorie aktuelle Nachrichtenfotografie für die „eindringlichen, sensiblen“ Bilder von Saher Alghorra, die die „Zerstörung und den Hunger in Gaza infolge des Kriegs mit Israel“ zeigen.
Die Nachrichtenagentur Reuters setzte sich in der Kategorie Nationale Berichterstattung durch. Ausgezeichnet wurde ihre Berichterstattung darüber, wie Trump präsidentielle Vollmachten und den Einfluss seiner Anhänger nutzte, um „Rache an seinen Gegnern zu üben“.
Die Nachrichtenagentur Associated Press wurde in der Kategorie Internationale Berichterstattung geehrt. Sie hatte offengelegt, wie die US-Regierung amerikanischen Unternehmen den Verkauf von Überwachungstechnologie nach China erlaubte.
Den Pulitzer-Preis für erklärende Berichterstattung erhielt der San Francisco Chronicle für eine Serie über die Folgen der Brände in der Region Los Angeles. Die Reporter zeigten, wie Versicherer zerstörte Häuser zu niedrig ansetzten, Ansprüche von Eigentümern ablehnten und so den Wiederaufbau erschwerten.
Reuters gewann zudem den Pulitzer-Preis für thematische Berichterstattung. Die Jury würdigte die „einfallsreiche und enthüllende“ Recherche darüber, wie Meta Nutzer wissentlich Betrugsmaschen und Manipulation durch Künstliche Intelligenz aussetzte.
Den Pulitzer für aktuelle Berichterstattung erhielt die Star Tribune aus Minnesota für ihre Reportage über eine Schießerei bei einer Messe zum Schuljahresbeginn an einer katholischen Schule, bei der zwei Kinder starben und 17 Menschen verletzt wurden. Die Artikel machten deutlich, wie allgegenwärtig Waffengewalt in den USA ist und wie begrenzt die bisherigen Gegenmaßnahmen bleiben.
Der Preis für Reportage/Feature Writing ging an Aaron Parsley von Texas Monthly für seinen Bericht über die Überschwemmungen in Zentraltexas, die sein Haus zerstörten und seinen Neffen das Leben kosteten.
Die Preise gehen auf das Testament des Zeitungsverlegers Joseph Pulitzer zurück und werden seit 1917 vergeben. Die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten jeweils 15.000 Dollar, der Preis für öffentlichen Dienst ist mit einer Goldmedaille verbunden. Über die Auszeichnungen entscheidet das Pulitzer Board an der Columbia University in New York.