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Lombardei: Leonardos Adda-Fähre bringt seit fünf Jahrhunderten Pendler ans andere Ufer

Pendler fahren mit der handbetriebenen Fähre „Traghetto Da Vinci“ auf der Adda zwischen Lecco und Bergamo. Den Typ entwarf Leonardo 1513.
Pendler steigen auf die Fähre „Traghetto Da Vinci“. Sie wird von Hand betrieben und folgt einem Entwurf Leonardo da Vincis von 1513 auf der Adda zwischen Lecco und Bergamo. Copyright  (Foto AP/Luca Bruno)
Copyright (Foto AP/Luca Bruno)
Von Arnold Koka
Zuerst veröffentlicht am
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Ein von Leonardo da Vinci entworfenes Boot erlebt nach einer Brückensperrung ein Comeback: Die Fähre gilt als nachhaltiges Verkehrsmittel und nutzt nur die Flussströmung.

Auf der Adda in der Lombardei verkehrt eine Fähre, die seit mehr als fünfhundert Jahren die beiden Ufer des Flusses verbindet. Es ist die sogenannte „Leonardo-Fähre“, ein Renaissanceboot ohne Motor, das Leonardo da Vinci im Jahr 1513 zeichnete.

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Heute verbindet sie Imbersago in der Provinz Lecco mit Villa d'Adda am bergamaskischen Ufer des Flusses. Es ist das letzte funktionsfähige Exemplar seiner Art.

Leonardo da Vinci ist nicht der Erfinder der Leonardo-Fähre

Seit fünf Jahrhunderten ist das Gefährt im Einsatz. Es brachte Menschen und Waren zwischen dem Herzogtum Mailand und der Republik Venedig über den Fluss, dessen Lauf damals die Grenze bildete, und blieb dort bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in Betrieb.

Der Name legt nahe, dass Leonardo da Vinci die Fähre entworfen hat. Dieser Bootstyp war jedoch schon im 15. Jahrhundert verbreitet. Das Schiff faszinierte Leonardo so sehr, dass er es in einer Zeichnung mit dem Titel „Paesaggio dell’Adda con particolare di un traghetto“ – „Landschaft an der Adda mit einer Fähre“ – festhielt. Das Blatt gehört heute zur Royal Collection von Windsor Castle im Vereinigten Königreich.

Leonardo da Vinci, „Landschaft an der Adda mit einer Fähre“, 1511–1513
Leonardo da Vinci, „Landschaft an der Adda mit einer Fähre“, 1511–1513 Royal Collection Trust/ Her Majesty Queen Elizabeth II 2019

Nach Ansicht des Historikers Erminio Bonanomi hat Leonardo höchstens den Hafen von Imbersago entworfen, nachdem er die Funktionsweise der Fähre studiert hatte.

Die Konzession für den Fährbetrieb ging durch mehrere Adelsfamilien, bevor sie schließlich an die Gemeinde Imbersago überging. Auf der Adda verkehrten einst fünf Fähren dieses Typs, doch sie gerieten ab 1889 nach dem Bau der ersten Brücke in Paderno d'Adda nach und nach in Vergessenheit. Die neue Verbindung machte das Übersetzen weitgehend überflüssig.

Das Exemplar in Imbersago ist die letzte verbliebene Fähre dieser Art.

Zu den Menschen, die mit dieser Fähre die Adda überquerten, gehört auch Angelo Giuseppe Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII. Der aus der Gegend stammende Pontifex nutzte sie häufig auf seinen Pilgerfahrten zum Heiligtum Madonna del Bosco in Imbersago.

Pendler entdecken die Leonardo-Fähre neu

Lombardische Pendler haben die Fähre Anfang Mai wiederentdeckt. Damals wurde die Brücke von Brivio, eine der wenigen Verbindungen zwischen den Ufern in der Gegend, für Bauarbeiten gesperrt, die bis 2027 dauern sollen.

Der Verkehr auf der nahen San-Michele-Brücke, drei Kilometer entfernt, hat stark zugenommen. Zu den Stoßzeiten bilden sich Staus von zwei Kilometern Länge, mit rund 8000 Fahrzeugen pro Tag.

Die Fähre war zuvor nur an Wochenenden als touristische Kuriosität in Betrieb. Nun ist sie zu einer echten Alternative geworden, um den Stau zu umgehen. Seit der Sperrung der Brücke fährt sie auch an Werktagen.

„Im Moment ist das das schnellste, aber vor allem das angenehmste Verkehrsmittel, weil es dir drei Minuten Ruhe schenkt“, sagte Gianpaolo Graffagnino der Nachrichtenagentur Associated Press. Seit der Schließung der Brücke fährt er mit dem Fahrrad und nutzt die Fähre.

Betrieben wird sie von einer Gruppe örtlicher Freiwilliger. Dazu gehören drei 20-Jährige, die Ingenieurwesen und Wirtschaft studieren, ein Rentner und der Bürgermeister von Imbersago, Fabio Vergani.

„Dieses Verkehrsmittel gibt es seit fünfhundert Jahren, und es hat immer die beiden Ufer der Adda verbunden“, erklärt Massimo Zoia, einer der Freiwilligen. „Heute erfüllt es wieder seine ursprüngliche Aufgabe: Es bringt zwei Gemeinden miteinander in Kontakt, die an gegenüberliegenden Ufern des Flusses leben.“

Leonardo-Fähre als Modell nachhaltiger Mobilität

Das Boot ist ein vollständig ökologisches Verkehrsmittel ohne Umweltauswirkungen. Es nutzt allein die Strömung des Flusses, ganz ohne Motor und Treibstoff.

Die aus Holz gebaute Fähre ist an einem Stahlseil befestigt (früher war es ein Tau), das zwischen den beiden Ufern der Adda gespannt ist. Zum Ablegen zieht die Person am Steuer an einem Seil und richtet das Boot zur Mitte des Flusses aus. Der Fährmann steuert es dann so, dass es schräg in der Strömung liegt. Die Kraft des Wassers drückt es auf diese Weise an das andere Ufer.

Das Wasser trifft seitlich auf den Rumpf. Vorwärts kommt die Fähre durch eine geschickte Zerlegung der Kräfte – ein physikalisches Prinzip, das Leonardo besonders faszinierte.

Für den Betrieb der Fähre genügt eine einzige Person, und die Überfahrt dauert etwa fünf Minuten.

Die Plattform transportiert Fußgänger, Fahrräder, Motorräder und Autos. Eine Fahrt kostet anderthalb Euro, mit Auto dreieinhalb Euro. Bei starkem Wind ruht der Fährbetrieb.

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