Zwei Studien: Eine Hochzeit in Spanien kostet im Schnitt 25.000 bis 32.000 Euro. Fast sieben von zehn Paaren geben mehr aus, fünfundneunzig Prozent fühlen finanziellen Stress; beim Wohnen wird später gespart.
Fast alle Studien über Hochzeiten in Spanien kommen in einem Punkt zum gleichen Ergebnis, auch wenn sie bei der genauen Summe auseinandergehen: Heiraten ist teuer – und kostet fast immer mehr, als das Paar eingeplant hatte. Unterschiedlich ist nur die Ausgangszahl.
Nach dem Hochzeitsreport 2026 von „Bodas.net“, für den mehr als 2.000 Paare befragt wurden, die 2025 geheiratet haben, liegt der durchschnittliche Preis einer Hochzeit in Spanien bei 25.183 Euro. Flitterwochen und Verlobungsring sind dabei nicht eingerechnet.
Eine andere Studie der Finanzplattform Raisin, die auf einer Umfrage unter 1.500 Personen beruht, kommt sogar auf 32.355 Euro. Die Lücke von mehr als 7.000 Euro ist kein Rechenfehler, beide Erhebungen zeigen denselben Trend: Hochzeiten werden immer teurer.
Das ursprüngliche Budget übersteht die Planung selten
Nur 41 Prozent der Paare bleiben tatsächlich in ihrem ursprünglichen Kostenrahmen. 45 Prozent geben am Ende mehr aus als geplant. Die Raisin-Zahlen fallen noch drastischer aus: Dort sagen 70 Prozent, sie hätten das Budget überschritten; 20 Prozent lagen sogar mehr als ein Fünftel über der anvisierten Summe.
Fast die Hälfte der Paare steckt 53 Prozent des Budgets in Location und Catering. Die durchschnittlichen Kosten pro Gast liegen bei 225 Euro, das sind 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Gäste variiert je nach Studie: Raisin kommt auf durchschnittlich 108 Personen, der Bericht von „Bodas.net“ auf 123. Nach Generationen betrachtet liegt der Schnitt bei 115 Gästen für Millennials, 118 für die Generation Z und 82 für die Generation X.
Diese Summen zu stemmen braucht Zeit und oft Unterstützung von außen. 82 Prozent der Paare greifen auf eigene Ersparnisse zurück, doch familiäre Hilfe ist weiterhin üblich: Mehr als die Hälfte bekommt Geld von den Eltern, und fast drei von zehn Paaren kalkulieren zusätzlich mit Geldgeschenken der Gäste. Im Schnitt sparen Paare rund 25 Monate auf die Hochzeit, 22 Prozent brauchen dafür zwischen drei und fünf Jahren.
Zwischen 2025 und 2026 ist der Durchschnittspreis um knapp 10.000 Euro gestiegen. Branchenexpertinnen und -experten schätzen, dass eine Hochzeit in Spanien mit rund 100 Gästen derzeit mindestens 24.600 Euro kostet. Dafür müssten Paare mehr als zwei Jahre lang etwa 900 Euro im Monat zurücklegen.
Neun Dienstleister: Catering treibt die Kosten
Paare buchen im Schnitt neun verschiedene Dienstleister für ihre Hochzeit. Am häufigsten ist die Fotografie, sie gehört zu 90 Prozent der Feiern dazu. Es folgen Catering (84 Prozent), Brautkleid und Accessoires (78 Prozent), Location (ebenfalls 78 Prozent) sowie Musik oder sonstige Unterhaltung (75 Prozent). Doch nicht jeder Posten schlägt gleich stark zu Buche.
Mit großem Abstand am teuersten ist das Catering. Laut Raisin geben Paare dafür im Schnitt 7.126 Euro aus, und mehr als jedes vierte Paar überschreitet allein in dieser Kategorie die Marke von 10.000 Euro. Typischerweise fließen 53 Prozent des Gesamtbudgets in Essen und Location, rund 10 Prozent in Kleidung und Styling, 8 Prozent in Foto und Video, 6 Prozent in Deko und Blumen und 5 Prozent in Musik.
Reicht das Geld nicht, kürzen Paare zuerst die Gästeliste. Mehr als sechs von zehn geben an, aus finanziellen Gründen irgendeinen Aspekt der Feier angepasst zu haben. Wer die Zahl der Gäste von 150 auf 80 reduziert, kann zwischen 7.000 und 15.000 Euro sparen. An der Gästeliste setzt also die wichtigste Sparschraube an.
Die unsichtbaren Kosten: Stress, Streit und der aufgeschobene Wohntraum
Es gibt eine Folge von Hochzeiten, die in keiner Kalkulation auftaucht. 95 Prozent der Paare berichten während der Vorbereitung von finanziellem Stress, 65 Prozent hatten in dieser Phase mindestens einen Streit ums Geld. Die Hälfte sagt, die Erfahrung habe sie dazu gebracht, ihre gemeinsame Finanzorganisation grundsätzlich zu überdenken.
Die langfristigen Folgen zeigen sich jedoch erst nach der Feier. Fast neun von zehn Paaren geben an, dass die Hochzeit zumindest eines ihrer finanziellen Ziele beeinträchtigt hat. Am häufigsten nennen sie den Kauf einer eigenen Wohnung; 30 Prozent sehen dieses Ziel durch die Hochzeitsausgaben direkt gefährdet.
Das ist kein Randphänomen. Nach Daten der Erhebung zu den Lebensbedingungen, die Ende 2025 vorgestellt wurde, hat die Wohnsituation die wirtschaftliche Lage der 25- bis 35-Jährigen besonders stark verschlechtert. Nur 15,2 Prozent der 16- bis 29-Jährigen leben bereits in einem eigenen Haushalt – der niedrigste Wert seit Beginn der Messungen im Jahr 2006.
Nach Berechnungen des Portals „Fotocasa“ ist der Anteil des Durchschnittslohns, der in Miete fließt, von 38 Prozent im Jahr 2019 auf 50 Prozent im Jahr 2025 gestiegen; in Madrid verschlingt die Miete sogar 71 Prozent des Gehalts. Vor diesem Hintergrund bedeutet es für viele Paare spürbare Einschnitte beim Zugang zu Wohnraum, wenn sie 25.000 bis 32.000 Euro in eine Feier investieren – selbst dann, wenn sie dafür jahrelang gespart haben.
Was die Branche gerne „den schönsten Tag des Lebens“ nennt, kann in der Realität eines der wichtigsten finanziellen Ziele eines gemeinsamen Lebens um mehrere Jahre nach hinten verschieben.