Loader
Finden Sie uns
Werbung

Filmfest Venedig setzt auf große Autoren: Herzog, Kore-eda, McDonagh, Morettis Rückkehr

Plakat der Internationalen Filmfestspiele von Venedig, Ausgabe 2026
Plakat der Internationalen Filmfestspiele Venedig, Ausgabe 2026 Copyright  screenshot
Copyright screenshot
Von Stefania De Michele
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Filmfest Venedig stellt Programm der 83. Ausgabe vor: fünf italienische Wettbewerbsfilme, Comeback von Nanni Moretti, Regiegrößen und Stars auf dem roten Teppich

Die 83. Internationale Filmfestspiele der Biennale von Venedig stehen im Zeichen großer Autoren, internationaler Stars und einer starken italienischen Präsenz. Sie finden vom 2. bis 12. September auf dem Lido statt.

WERBUNG
WERBUNG

Der künstlerische Leiter Alberto Barbera stellte das offizielle Programm bei einer Pressekonferenz in Rom vor. Er betonte, dass das Kino trotz rückläufiger Besucherzahlen in den Sälen „ein lebendiger Organismus ist, der sich ständig neu erfindet“.

In diesem Jahr sichtete die Festivalleitung rund 4.500 Filme, mehr als die 4.200 des Vorjahres. Das wertet Barbera als Zeichen für eine immer reichhaltigere weltweite Produktion. Das Programm greift die großen Themen unserer Zeit auf: Kriege, Klimakrise, Migration, soziale und familiäre Spannungen – erzählt mit den Mitteln des Kinos.

Danny Boyle, der in Venedig Premiere feiert, eröffnet das Festival am Abend des 2. September mit „Ink“.

Fünf italienische Filme konkurrieren um den Goldenen Löwen

Italien tritt mit fünf Wettbewerbsfilmen prominent auf. Die Regisseure zählen zu den wichtigsten Namen des nationalen Kinos.

Besonders hoch sind die Erwartungen an Nanni Moretti. Er konkurriert nach 37 Jahren wieder um den Goldenen Löwen, mit „Succederà questa notte“. Über den Film hält das Festival strenge Geheimhaltung, doch der erste Teaser hat die Fans bereits neugierig gemacht: Im Mittelpunkt steht Louis Garrel, an seiner Seite Jasmine Trinca, Hippolyte Girardot und Angela Finocchiaro. Die Bilder zeigen Garrel in einer Basketballszene, die deutlich an den berühmten Michele Apicella aus Bianca erinnert – einer von vielen Verweisen auf Morettis eigenes Kino.

Im Wettbewerb stehen außerdem Edoardo De Angelis mit „Il fuoco che ti porti dentro“, mit Vanessa Scalera in der Hauptrolle, Andrea Pallaoro mit „The Echo Chamber“, Paolo Strippoli mit „L'Estranea“ und Marco Bechis mit „Ritorno a Buenos Aires“. Diese Fünfergruppe reicht vom etablierten Autorenkino bis zu neuen Stimmen der italienischen Regie. Sie unterstreicht den Anspruch der Mostra, Produktionen zu fördern, die die Gegenwart mit unterschiedlichen filmischen Sprachen und Stilen erzählen.

Weltkino im Hauptwettbewerb

Der internationale Wettbewerb vereint einige der renommiertesten Regisseure der Welt.

Florian Zeller, Oscar-prämiert für The Father, kommt mit „Bunker“ nach Venedig, einem psychologischen Thriller mit Penélope Cruz und Javier Bardem in den Hauptrollen.

Große Erwartungen richten sich auch auf Martin McDonagh, den Autor von Gli spiriti dell'isola und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri. Er präsentiert „Wild Horse Nine“ mit seinem Stammschauspieler Sam Rockwell.

Zu den meistbeachteten Titeln zählt „Primetime“ von Lance Oppenheim mit Robert Pattinson. Casey Affleck zeichnet für „Company“ verantwortlich, mit dem Veteranen Nick Nolte in der Hauptrolle.

Der deutsche Meister Werner Herzog kehrt mit „Bucking Fastard“ zurück und besetzt die Hauptrollen mit den Schwestern Kate und Rooney Mara. Der Japaner Hirokazu Kore-eda, der 2018 für Shoplifters – Familienbande die Goldene Palme gewann, bringt „Look Back“ an den Lido.

Das internationale Panorama ergänzt der neue Film des japanischen Kultregisseurs Shinya Tsukamoto, „Mr. Nelson, Did You Kill People?“. Er bestätigt erneut den Anspruch der Mostra, großes Autorenkino aus aller Welt miteinander ins Gespräch zu bringen.

Besonders stark vertreten ist das französische Kino mit vier Wettbewerbsbeiträgen. Stéphane Brizé zeigt „Un bon petit soldat“ mit Alba Rohrwacher und Vincent Lindon. Cédric Kahn präsentiert „15/18 (A Place to Heal)“. Wie erwähnt, steht Florian Zeller mit „Bunker“ erneut hinter der Kamera. Nicolas Pariser reist mit „Un peu avant minuit“ an den Lido.

Zum ersten Mal im Hauptwettbewerb dabei ist der iranische Regisseur Ali Asgari, der in der Sektion Orizzonti bereits mit „Divine Comedy“ auffiel. Nun konkurriert er mit „A Bit of Light“ um den Goldenen Löwen.

Die einzige Frau im Wettbewerb ist die dänische Regisseurin mit ägyptischen Wurzeln May el-Toukhy. Sie stellt ihren zweiten Langfilm „Woman Unknown“ vor.

Das Bild der internationalen Autoren komplettiert der Russe Ilya Khrzhanovskiy. Er führt sein ambitioniertes Filmprojekt über den sowjetischen Physiker Lew Landau fort, mit einem neuen Kapitel der über mehr als zwei Jahrzehnte entwickelten Dau-Saga.

Außer Konkurrenz: Amelio, Martone, Guadagnino und Renzo-Rosso-Doku

Auch das Programm außerhalb des Wettbewerbs fällt üppig aus, besonders in der Sektion Venice Open.

Unter den italienischen Titeln ragt „Nessun Dolore“ von Gianni Amelio hervor, mit Alessandro Borghi, Valeria Golino und Valerio Mastandrea.

Große Erwartungen gibt es auch für „Scherzetto“ von Mario Martone, nach dem gleichnamigen Roman von Domenico Starnone, mit Toni Servillo in der Hauptrolle des Daniele Mallarico. Der Film erzählt die Begegnung eines verwitweten, älteren Illustrators mit seinem lebhaften fünfjährigen Enkel. Die Geschichte wechselt zwischen Ironie, Erinnerung und einer Reflexion über die Vergänglichkeit der Zeit. Zum Ensemble gehören auch Serena Rossi, Leonardo Lidi, Lorenzo Perrotta und Gianluca Di Gennaro.

Zu den besonderen Ereignissen zählt „Joie de vivre“, ein monumentaler Dokumentarfilm von Luca Guadagnino über Bernardo Bertolucci. Das Werk dauert rund sieben Stunden und führt durch die Filmografie des Regisseurs aus Parma – mit Analysen, Zeitzeugen und Überlegungen zum modernen Kino. Barbera bezeichnete den Film als „Erfahrung, von der man den Blick nicht abwenden kann“.

Neugier weckt auch „Be Brave“, ein Dokumentarfilm von Francesco Carrozzini über den Unternehmer Renzo Rosso, Gründer von Diesel. Es ist der erste italienische Langdokumentarfilm, der vollständig den Einsatz von Künstlicher Intelligenz als kreatives Werkzeug nutzt und dennoch die künstlerische Kontrolle des Regisseurs wahrt.

Goldene Löwen für Lebenswerk und Kurzfilm über Marilyn Monroe

Zu den prestigeträchtigsten Momenten der Ausgabe 2026 zählt die Verleihung der Goldenen Löwen für das Lebenswerk an George Clooney und Ellen Burstyn.

Burstynspielte in Meisterwerken wie Der Exorzist (1973), Alice lebt hier nicht mehr (1974), wofür sie den Oscar erhielt, und Requiem for a Dream (2000). Sie nimmt die Auszeichnung entgegen, bevor „Flash Impact“ gezeigt wird, ein Kurzfilm der Jurypräsidentin Maggie Gyllenhaal über den Mythos Marilyn Monroe, anlässlich des hundertsten Geburtstags der Schauspielerin. In dem Film verkörpern Ellen Burstyn und Dakota Johnson zwei unterschiedliche Interpretationen von Marilyn.

Barbera: „Kino erzählt weiter unsere Zeit“

Bei der Vorstellung des Programms wies der Direktor der Internationalen Filmfestspiele von VenedigAlberto Barbera pessimistische Lesarten zur Zukunft der siebten Kunst zurück.

„Skeptiker müssten nur einen Saal betreten, in dem Christopher Nolans Odissea läuft, um zu erkennen, dass das Kino alles andere als tot ist“, sagte der künstlerische Leiter.

Nach Ansicht Barberas bleibt das Kino der privilegierte Ort, um die Gegenwart zu deuten. Es sei nicht bloß Chronik, sondern ein Medium, das Ereignisse unserer Zeit in universelle Erzählungen verwandeln kann. Mit diesem Anspruch bereitet sich die 83. Mostra von Venedig darauf vor, die Scheinwerfer am Lido ein weiteres Mal aufzudrehen und sich als einer der wichtigsten Treffpunkte des internationalen Autorenkinos zu behaupten.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Venedig-Biennale: EU-Kommission streicht Mittel für russischen Pavillon

Filmfest Venedig setzt auf große Autoren: Herzog, Kore-eda, McDonagh, Morettis Rückkehr

Armour of God: Ultimatum: Jackie Chan startet Dreharbeiten in Kasachstan