Über 10.000 Menschen sind zum Medicine Festival gereist. Sie nehmen an traditionellen Zeremonien teil, tanzen, machen Yoga und erkunden Wege zu ganzheitlicher Gesundheit; viele kommen aus ganz Europa.
„Conscious Festivals“ sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen, um wieder näher zu sich selbst, zur Natur und zu anderen zu finden. Dabei erkunden sie neue Wege, Körper und Geist zu begreifen.
Beim Festival Medicine scheint das Programm kaum ein Ende zu kennen. Es gibt Sessions zu Bewegung, Geschlecht, Sexualität und persönlichem Wachstum. Das Festival zieht unter anderem Praktizierende alternativer Therapien aus der ganzen Welt an, die ihr Wissen teilen und neue Ansätze ausprobieren wollen.
Mylène kommt aus Straßburg und arbeitet mit Yoga und Kinesiologie. Kinesiologie ist eine alternative Methode, die nach eigenen Angaben über Muskelreaktionen Ungleichgewichte oder Probleme im Körper aufspürt und ausgleichen will.
„Ich helfe Menschen zu verstehen, was in ihrem Körper vor sich geht“, erklärt Mylène. „Dafür erkunde ich verschiedene Wege, die Sprache des Körpers zu deuten. Bewegung und Tanz lassen in uns vieles lebendig werden.“
Ich nehme an einer Yoga-Nidra-Session teil, die die Autorin und Mitgründerin des Yoga Nidra Network, Uma Dinsmore-Tuli, leitet. Sie wirkt wie eine Theaterinszenierung – irgendwo zwischen Musical, Komödie und geführter Meditation.
„Nidra ist ein Sanskrit-Wort und bedeutet ‚Schlaf‘“, sagt Uma Dinsmore-Tuli. „Im Grunde beschreibt Yoga Nidra einen Bewusstseinszustand, der ganz natürlich entsteht, wenn wir zwischen Wachen und Schlafen treiben. Diesen Zustand kann man bewusst kultivieren. Das beruhigt das Nervensystem, unterstützt eine gute Verdauung, stärkt den Menstruationszyklus und andere rhythmische Abläufe in uns und hilft, den eigenen Alltag bewusster und entspannter zu gestalten.“
Die Wissenschaft untersucht immer genauer, was im Körper passiert, wenn wir unsere Art zu bewegen, zu denken, kreativ zu sein oder uns mit anderen zu verbinden verändern.
Die Studienlage bleibt jedoch uneinheitlich, viele Behauptungen aus der Mind-Body-Welt sind umstritten.
Für mich sind Festivals wie Medicine eine Quelle purer Freude. Sie bringen aber auch intensive Gespräche, neue Themen zum Weiterdenken und Ideen, die ich gern mit anderen teile.