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430 Meldungen: Sexualisiertes Fehlverhalten bei der Bundeswehr nimmt zu

Bundesminister der Verteidigung, Pistorius, begrüßt General Carsten Breuer als neuen Generalinspekteur der Bundeswehr mit militärischen Ehren im BMVg in Berlin, am 17.03.2023
Bundesminister der Verteidigung, Pistorius, begrüßt General Carsten Breuer als neuen Generalinspekteur der Bundeswehr mit militärischen Ehren im BMVg in Berlin, am 17.03.2023 Copyright  ©Bundeswehr/Steve Eibe
Copyright ©Bundeswehr/Steve Eibe
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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Die Bundeswehr verzeichnet mehr Meldungen über sexualisiertes Fehlverhalten. Generalinspekteur Carsten Breuer zeigt sich angesichts der Entwicklung besorgt.

Generalinspekteur Carsten Breuer hat die Bundeswehr in einem internen Tagesbefehl zu einem konsequenten Umgang mit sexualisiertem Fehlverhalten aufgerufen.

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Anlass ist die zunehmende Zahl entsprechender Meldungen in der Truppe. "Deshalb beobachte ich den Umfang der Meldungen zu sexualisiertem Fehlverhalten mit großer Sorge", schreibt Breuer nach Informationen des Spiegel in dem am Montag verteilten Tagesbefehl. Sexualisiertes Fehlverhalten jeder Art dürfe in der Bundeswehr nicht toleriert werden.

Breuer wendet sich mit seinem Appell an die gesamte Truppe. Im vergangenen Jahr wurden in der Bundeswehr 430 Meldungen über sexualisiertes Fehlverhalten registriert. Das waren 35 mehr als im Jahr zuvor, ein Anstieg von knapp neun Prozent.

2023 hatte die Bundeswehr 385 Meldungen registriert, 2024 waren es 395. Die Zahlen umfassen unterschiedliche Formen von Fehlverhalten und reichen von anzüglichen Bemerkungen und unerwünschten Annäherungen bis hin zu sexualisierter Gewalt. Ende 2025 gehörten den Streitkräften und der Bundeswehr insgesamt rund 260.000 Menschen an, darunter etwa 184.000 Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Beschäftigte.

Die Bundeswehr weist zudem darauf hin, dass aus den Meldungen nicht auf die tatsächliche Häufigkeit geschlossen werden kann, da ein mögliches Dunkelfeld bislang nicht vollständig erfasst ist. Genau dieses Dunkelfeld soll eine derzeit laufende Untersuchung beleuchten. Dabei soll unter anderem geklärt werden, wie häufig sexualisiertes Fehlverhalten tatsächlich vorkommt und warum Vorfälle möglicherweise nicht gemeldet werden.

Breuer stellt in seinem Tagesbefehl klar, dass sexualisiertes Fehlverhalten unabhängig von seiner Form nicht akzeptiert werden dürfe. Die Bundeswehr fasst darunter alle Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung zusammen. Dazu zählen neben verbalen Grenzüberschreitungen und sexueller Belästigung auch schwerwiegendere Fälle sexualisierter Gewalt.

59 Beschuldigte, 16 bereits entlassene Soldaten

Der letzte medial präsente Fall des Missbrauchs in der Bundeswehr geschah im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken, wo "problematische Praktiken" über Jahre toleriert worden sein. 59 Soldaten werden inzwischen beschuldigt, wie eine Sprecherin des Heeres auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) im Juni bestätigte. Zu den Vorwürfen gehören unter anderem sexualisiertes Fehlverhalten, extremistische Verhaltensweisen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Gegen die Soldaten wurden bereits verschiedene Maßnahmen eingeleitet. In 18 Fällen wurden Disziplinarmaßnahmen verhängt, in weiteren 24 Fällen laufen disziplinare Vorermittlungen. Zudem wurden fünf gerichtliche Disziplinarverfahren eingeleitet. 20 Fälle wurden an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

Auch personell hat die Bundeswehr Konsequenzen gezogen: Nach Angaben des Heeres wurden 21 Entlassungsverfahren beantragt, 16 davon inzwischen vollzogen. In 17 Fällen gilt zudem ein Verbot der Dienstausübung. Die Vorfälle waren durch Eingaben bei der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl (SPD) bekannt geworden. Anfang des Jahres war zunächst von 55 Beschuldigten ausgegangen worden. Die Bundeswehr hat daraufhin als Reaktion einen Aktionsplan für die Luftlandetruppe auf den Weg gebracht.

Sehen Sie auch unsere exklusive Reportage von der Bundeswehr in Litauen:

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