Nestlé, Danone und Lactalis mussten weltweit Chargen von Babymilchpulver zurückrufen. Grund sind Befürchtungen über eine Verunreinigung mit toxischem Cereulid.
Drei der weltweit größten Molkereikonzerne – Nestlé, Danone und Lactalis – rufen große Chargen Babymilchpulver zurück. Auslöser ist eine Verunreinigung mit Cereulid, einem Toxin, das Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfe verursachen kann.
Die Verunreinigung lässt sich auf einen einzigen chinesischen Lieferanten von ARA-Öl (Arachidonsäure) zurückführen, einen zentralen Bestandteil hochwertiger Säuglingsnahrungen.
Zuletzt meldete Lactalis den Rückruf von sechs Chargen seiner Babymilchmarke Picot, die in 18 Ländern vertrieben werden.
Die betroffenen Chargen sind seit Januar 2025 im Handel. Das Mindesthaltbarkeitsdatum reicht bis März 2027.
"Nach Eingang der Warnung habe LNS (Lactalis Nutrition Santé) umgehend Tests in einem akkreditierten unabhängigen Labor gestartet, um potenziell betroffene Produkte zu prüfen. Parallel liefen die vom Lieferanten des betreffenden Inhaltsstoffs veranlassten Analysen", teilte Lactalis mit.
Das Unternehmen ergänzte, man verstehe, dass diese Informationen Eltern kleiner Kinder beunruhigen können. Bislang haben die französischen Behörden keine Beschwerden oder Meldungen zum Konsum dieser Produkte gemeldet.
Bei Danone fällt der Rückruf bislang kleiner aus: Auf Antrag der Lebensmittelbehörde Singapurs wurde lediglich eine in Thailand hergestellte Charge zurückgerufen, bevor sie in den Handel gelangte.
"Alle unsere Produkte werden nach strengen Sicherheits- und Qualitätsstandards hergestellt und vor dem Verlassen der Werke gründlich getestet", teilte das Unternehmen Euronews Health mit. Die betreffenden Produkte seien vorsorglich gesperrt worden.
"Alle Kontrollen bestätigen, dass die Produkte sicher sind und internationalen wie lokalen Vorschriften vollständig entsprechen. Es wurden keine Auffälligkeiten in Bezug auf Bacillus cereus oder Gute Herstellungspraxis festgestellt", ergänzte der Sprecher.
Nestlé: Transparenz-Debatte
Nestlé reagierte zuerst und nahm seine Milchnahrung in mehr als 60 Ländern vom Markt, nachdem an einem Standort in den Niederlanden eine Verunreinigung entdeckt worden war.
Der freiwillige Rückruf hat sich zu einem der größten in der Unternehmensgeschichte ausgeweitet und betrifft mehrere Marken, darunter SMA, Beba, Guigoz und Alfamino.
"Lebensmittelsicherheit und das Wohlergehen aller Säuglinge bleiben unsere oberste Priorität", erklärte Nestlé nach dem Rückruf.
"Wir verstehen, dass diese Nachricht Sorge auslösen kann. Wir verpflichten uns, Eltern und Betreuungspersonen während des gesamten Prozesses klar und transparent zu informieren und zu unterstützen", hieß es weiter.
Verbraucherschutzgruppen stellen jedoch die Transparenz des Vorgehens infrage und kündigen rechtliche Schritte gegen Nestlé an. Sie werfen dem Konzern Mängel bei der Rückverfolgbarkeit sowie verspätete öffentliche Warnungen vor.
Nach Recherchen von foodwatch Niederlande lag die erste Bestätigung bei Nestlé Anfang Dezember 2025 vor. Öffentliche Rückrufe starteten jedoch erst in der ersten Januarwoche.
"Warum erfuhren wir erst im Januar 2026, dass am Ende 60 Länder vom Rückruf von Babymilchpulver wegen Bacillus cereus betroffen waren, während es im Dezember nur neun waren?", sagte Nicole van Gemert, Direktorin von foodwatch Niederlande.
"Wie erklärt Nestlé, das bei sensiblen Babyprodukten eine sofortige Rückverfolgbarkeit gewährleisten soll, die scheibchenweise Informationsweitergabe und die späten Rückrufe in vielen Ländern?", fügte sie hinzu.
Nestlé erklärte, dass bislang keine Erkrankungen im Zusammenhang mit den betroffenen Produkten bestätigt wurden.