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Der schwere Abschied von der Kohle in Polen

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Der schwere Abschied von der Kohle in Polen
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Von Magdalena Chodownik

Die polnische Kohleregion in Schlesien durchläuft eine "grüne Transformation". Noch ist das Land vom schwarzen Gold abhängig, die Schließung von Bergwerken und der Ausstieg aus der Kohle sind eine große Herausforderung. Der Bürgermeister von Rybnik Piotr Kuczera arbeitet seit Jahren an der Energiewende. Aber die schlesischen Gemeinden können das nicht allein bewältigen, sie brauchen Hilfe.

"Wir haben unsere Aktivitäten in drei Teile gegliedert: Der erste ist die Aufklärung, dann der Subventionsprozess und drittens die Durchsetzung von Sanktionen, die sich unter anderem aus der Anti-Smog-Resolution ergeben", erklärt Piotr Kuczera. "Wir erwarten, dass europäische und staatliche Mittel in diesen wirtschaftlichen Wandel einfließen. Die lokale Regierung kann das nicht allein bewältigen."

Zahlen & Fakten

Im vergangenen Jahr wurden in Polen ca. 54,4 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert und ca. 53 Millionen Tonnen verkauft. Der Heizungssektor verbraucht ca. 26 Millionen Tonnen Kohle, die Hälfte davon für Haushalte. Polen verbrennt 87 Prozent der von EU-Haushalten verbrauchten Kohle.

Die 72-jährige Rentnerin Henrietta Ferenc ist krank und lebt allein. Sie wünscht sich, in einer gesunden Umgebung zu leben. Sie heizt noch mit Kohle, hat aber bereits einen Kredit aufgenommen, um das Heizsystem zu ändern, wie es die neuen, "grünen Regeln" der Energiewende vorschreiben.

"Ich habe 2400 Zloty (533 Euro), um alles zu bezahlen. Der Brennstoff wird jeden Tag teurer, über 1000 Zloty (222 Euro) pro Tonne, und ich brauche eine Tonne pro Monat. Ich muss meine Medikamente bezahlen, diese 1000 (222 Euro) zum Heizen und 600 Zloty (133Euro) Kredite, meine Rente reicht nicht zum Leben", klagt sie. 

Viele können sich den grünen Wandel nicht leisten

In Polen gibt es viele Leute, die sich den grünen Wandel kaum leisten können. Polnische Bergleute befürchten, dass ein zu schneller Ausstieg aus der Kohle zu einer Energiekrise führen könnte.

"Ich fürchte, dass der kommende Winter bereits zeigen wird, dass Polen ohne Kohle im Moment nicht allzu viele Alternativen hat", so Rafał Jedwabny von der Bergarbeitergewerkschaft Solidarność. "Es ist bereits sicher, dass es eine Krise geben wird. Polen ist auf solch drastische Veränderungen des Energiesystems nicht vorbereitet. Die heutigen Gaspreise zeigen, dass sich die Polen Energie einfach nicht mehr leisten können."

Der bereits angestoßene grüne Wandel scheint Bergwerksschließungen in Schlesien nicht abfedern zu können. Der polnische stellvertretende Minister für Klimaschutz, Ireneusz Zyska, verspricht einen guten Verlauf der Energiewende, sieht aber derzeit Probleme bei der Sicherstellung der energetischen Stabilität im Land ohne Kohle:

"Ich bin optimistisch, was den Wandel und den Weg, auf dem wir uns befinden, angeht, auch wenn wir vielleicht einen Teil der auf Kohle basierenden Energie akzeptieren müssen. Dabei nutzen wir fortschrittliche Technologien, um keine Schadstoffe in die Umwelt zu emittieren, bis Polen sein Energiesystem auf Kernenergie und Gas als Brückentechnologie umgebaut hat. Bis dahin werden wir konventionelle Stromerzeugung auf Kohlebasis nutzen müssen."

2020 wurden in Polen ca. 7,2 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert, weniger als im Vorjahr. Der Absatz war um ca. 5,4 Millionen Tonnen niedriger als im Vorjahr. Die Förderung sank um fast 12 Prozent, der Absatz um über 9 Prozent. Trotzdem hat die Kohleindustrie in Polen eine stabile Position und schafft Arbeitsplätze für viele Polen, für die es vor allem in der Region Schlesien nicht genügend Alternativen gibt.