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Das Anthropozän: Beginn eines neuen Zeitalterns?

Crawford-See in Kanada
Crawford-See in Kanada Copyright PETER POWER/AFP or licensors
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Von Julika Herzog mit dpa, AFP, AP
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Forscher haben den Crawford-See in Kanada zum Referenzpunkt für den Beginn eines neuen Erdzeitalters auserkoren: Das sogenannte Antropozän, das Zeitalter des Menschen, soll laut der Experten formell 1950 beginnen.

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Ab den 50ern ist der Einfluss des Menschen weltweit in einer neuen Erdschicht messbar, da die Menschheit die Erde - unter anderem durch den Ausstoß von Treibhausgasen und die Zerstörung von Ökosystemen - massiv verändert hat.

Radioaktive Niederschläge als Beginn des Menschenzeitalters

Konkret machen die Geologen den Beginn des Menschenzeit an sogenannten Geomarkern in einem Bohrkern vom Grund des 24 Meter tiefen Sees fest, allen voran radioaktive Niederschläge von Atomwaffen-Tests nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Plutonium-Isotope sind weltweit nachweisbar.

Den Begriff Anthropozän hat der Nobelpreisträger Paul Crutzen erstmals im Jahr 2000 während einer Konferenz in Frankreich aufgebracht, um die massiven Veränderungen zu beschreiben, die der Mensch verursacht hat.

Pestizide, Treibhausgase, Plastikablagerungen - all dies ist in den geologischen Sedimenten nachweisbar. Seitdem diskutieren Fachleute, ob diese eine neue Etappe auf der geologischen Zeitskala rechtfertigen.

Ob das Anthropozän – mit dem Crawford-See als Referenzpunkt – tatsächlich zum offiziellen neuen Zeitalter erklärt wird, steht noch nicht endgültig fest.

Um als allgemeingültiger Standard zu gelten, müssen noch drei übergeordnete Gremien über den Vorschlag der AWG-Forschungsgruppe abstimmen. Eine Entscheidung könnte es bis August nächsten Jahres geben.

Eigentlich leben wir noch im Holozän

Geologen teilen die Erdgeschichte in verschiedene Zeitalter ein. Demnach leben wir derzeit im Holozän, das vor knapp 12 000 Jahren begann. Damals endete die letzte Eiszeit, offiziell dauert diese Epoche an.

Weil der Mensch aber zuletzt zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist, sehen Experten verschiedener Fachrichtungen das Zeitalter des Menschen angebrochen.

Bislang ist das Anthropozän aber noch nicht formal nach geologischen Maßstäben definiert. Dafür braucht es in der Regel eine konkrete Sedimentprobe als Standard. Darauf können sich dann weltweit Forscher beziehen, wenn sie eigene Untersuchungen bei sich vor Ort machen.

Die Probe vom Grund des Lake Crawford im Südosten Kanadas, ein tiefgekühlt aufbewahrte Bohrkern, hat durch saisonale Ablagerungen auf dem Seeboden sichtbare Jahreslinien. Dadurch können Forscher relativ einfach feststellen, welcher Abschnitt der Probe in welches Jahr fällt.

Die Forschungsgruppe schlägt die Zeit um 1950 auch deshalb als Beginn des Anthropozäns vor, weil die weitreichenden Veränderungen dieser Zeit rund um den Globus Spuren in allen Sedimenten hinterlassen haben.

Der Beginn der Industrialisierung hingegen, auch ein denkbarer Start des Anthropozäns, ist in manchen Regionen kaum geologisch feststellbar, da sich diese Entwicklung zunächst auf bestimmte Teile der Welt wie die USA und Europa konzentrierte.

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