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CO2-Kosten eines Burgers: Was würde eine Fleischsteuer im Schnitt pro EU-Haushalt kosten?

Ein Archivbild vom 18. Januar 2010 zeigt Steaks und andere Rindfleischprodukte zum Verkauf in einem Supermarkt in McLean, Virginia.
Ein Supermarkt in McLean, Virginia bietet Steaks und weitere Rindfleischwaren zum Verkauf an. Archivfoto vom 18. Januar 2010. Copyright  AP Photo.
Copyright AP Photo.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Forscherinnen und Forscher präsentieren einen ersten Schritt gegen fleischbedingte Emissionen. Die Lebensmittelpreise sollen dabei nicht in die Höhe schießen.

Die Forderungen nach einer Fleischsteuer werden immer lauter. Immer mehr Belege zeigen, wie unsere CO2-intensiven Ernährungsweisen den Planeten aufheizen.

Ernährung und Landwirtschaft tragen ein Drittel zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Nur die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursacht mehr. Eine Studie aus dem Jahr 2023 in der Fachzeitschrift Nature kommt zu dem Ergebnis, dass die Art und Weise, wie Menschen Lebensmittel produzieren und konsumieren, bis 2100 fast ein Grad zusätzliche Erwärmung in der Erdatmosphäre verursachen könnte.

Fleisch, besonders Rind und Lamm, gilt unter Forschenden oft als einer der größten Verursacher von Umweltschäden. Laut CO2 Everything entspricht eine 100-Gramm-Portion Rindfleisch 78,7 Kilometern Autofahrt und verursacht 15,5 Kilogramm CO2-Äquivalent.

Trotzdem zeigt die EU bislang keinen konkreten Plan, eine Fleischsteuer einzuführen oder die Mitgliedstaaten zu einer überwiegend pflanzlichen Ernährung zu bewegen. Das könnte die landwirtschaftlichen Emissionen um 15 Prozent senken.

Wie könnte eine Fleischsteuer aussehen?

Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) analysiert den ökologischen Fußabdruck von Ernährungsweisen und politische Optionen, die gegensteuern könnten.

„Aus ökonomischer Sicht sollten die produktionsbedingten Umweltkosten dem Preis zugeschlagen werden“, sagt Charlotte Plinke, PIK-Forscherin und Autorin der Studie.

„Das hieße: Je mehr CO2 entsteht, desto teurer wird das Produkt.“

Plinke betont jedoch: Bei der „enormen Vielfalt“ der in Europa verzehrten Lebensmittel wäre das „sehr komplex“. Kurzfristig ist es kaum praktikabel.

Die Forschenden sehen daher die Mehrwertsteuer als einfachste Stellschraube an – konkret bei Fleischprodukten. Lebensmittel aus dem Supermarkt sind oft niedriger besteuert als Speisen in Restaurants und Cafés (mit einigen Ausnahmen).

In Deutschland gilt für Lebensmittel aus dem Handel zum Beispiel ein Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent statt 19 Prozent. Das hält die Preise niedrig. Im Jahr 2023 setzten 22 der 27 EU-Mitgliedstaaten ebenfalls einen ermäßigten Steuersatz auf Fleischkäufe an.

Würde Fleisch zum regulären Mehrwertsteuersatz besteuert, ließe sich der durch Ernährung verursachte Umweltschaden je nach Kategorie um 3,48 bis 5,7 Prozent verringern.

Der Effekt ergibt sich wohl aus sinkenden Verkaufszahlen. Viele würden dann mehr Obst und Gemüse kaufen. Eine Studie des University College London aus dem Jahr 2025 ergab, dass eine volle Mehrwertsteuer auf Fleisch und Milchprodukte den Verzehr beider Gruppen in EU-Ländern um jeweils eine Portion pro Woche senken würde. Im Vereinigten Königreich wäre der Rückgang doppelt so hoch: zwei Portionen pro Woche je Lebensmittelgruppe.

Was würde eine Fleischsteuer kosten?

Fiele der ermäßigte Mehrwertsteuersatz auf Fleisch weg, stiegen die durchschnittlichen jährlichen Lebensmittelausgaben in EU-Haushalten um rund 109 Euro. Laut den Forschenden ließe sich das jedoch durch zusätzliche Steuereinnahmen von 83 Euro pro Haushalt ausgleichen. Theoretisch könnten diese über eine Pro-Kopf-Zahlung für sozialen Ausgleich genutzt werden.

Damit lägen die jährlichen Nettokosten nur bei 26 Euro pro Haushalt.

Die Forschenden berechneten zudem ein Szenario, in dem der Staat eine einheitliche Preisdifferenz festlegt, abhängig von den Treibhausgasemissionen jedes Produkts. Ein allgemeiner Preisaufschlag von rund 52 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent würde demnach die gleiche Menge ernährungsbedingter Treibhausgasemissionen vermeiden wie die Abschaffung der Mehrwertsteuerermäßigung auf Fleisch.

„Ein so umfassendes Preissignal würde die übrigen Umweltwirkungen jenseits der Treibhausgase noch etwas stärker senken als das selektive Mehrwertsteuersignal für Fleisch“, sagt Michael Sureth, Autor der Studie.

Mit der Zeit ließe sich die Preisdifferenz anheben, um weitere Klima- und Biodiversitätsfolgen von Fleischprodukten abzubilden. So entstünde Kapital, um diese Probleme anzugehen.

Sureth ergänzt, dass ein kräftiger sozialer Ausgleich die Nettokosten weiter senken könnte, sodass der durchschnittliche EU-Haushalt pro Jahr nur um zwölf Euro schlechter dastünde.

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