In Davos nutzte Trump das WEF für neue Attacken auf erneuerbare Energien. Doch was davon hält dem Faktencheck stand? Wir prüfen seine Behauptungen.
Donald Trump hat China in seine wütenden Attacken gegen die Windenergie hineingezogen und Länder, die Windräder kaufen, als „dumm“ bezeichnet.
Gestern (21. Januar) sprach der US-Präsident beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Er äußerte fragwürdige Behauptungen zu Grönland, der NATO und erneuerbarer Energie.
Trump attackiert den Ausbau der grünen Energie seit Langem. Wind und Sonne nennt er „den Betrug des Jahrhunderts“. Gleichzeitig bleiben die USA damit der weltweit größte Produzent fossiler Energien. Im vergangenen Jahr setzte die US-Regierung die Verpachtungen für alle Offshore-Windprojekte in US-Gewässern aus – mit Verweis auf die nationale Sicherheit. Derzeit liegt sie im Rechtsstreit mit dem dänischen Energiekonzern Ørsted.
Was Trump in Davos über die Windenergie sagte
Am dritten Tag des WEF behauptete Trump, China baue „fast alle“ Windturbinen der Welt. Er spricht weiterhin von „Windmühlen“.
„Trotzdem finde ich in China keine Windparks“, sagte er in einer mehr als einstündigen Rede. „Haben Sie je darüber nachgedacht? So kann man das sehen. China ist sehr klug. Sie bauen [Windturbinen].“
Trump behauptete weiter, China verkaufe Windturbinen an andere Länder für „ein Vermögen“. „Sie verkaufen sie an die dummen Leute, die sie kaufen, nutzen sie aber selbst nicht“, fügte er hinzu.
China reagiert auf Trumps Aussagen zur Windenergie
Guo Jiakun, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, wies die Vorwürfe umgehend zurück. Bei einer Pressekonferenz heute (22. Januar) sagte er: „Chinas Einsatz gegen den Klimawandel und zur Förderung der Entwicklung und Anwendung erneuerbarer Energien weltweit ist für alle offensichtlich.“
„Als verantwortungsbewusstes Entwicklungsland ist China bereit, mit allen Partnern zusammenzuarbeiten, um die globale grüne, kohlenarme Transformation weiter voranzubringen.“
Ignoriert China die grüne Energie?
Nach Angaben des Thinktanks Ember entfielen im Jahr 2024 vierzig Prozent der weltweiten Windstromerzeugung auf China – trotz eines Anstiegs bei fossiler Stromerzeugung.
Im Jahr 2025 erreichte China in seiner Energiewende einen neuen Meilenstein: Im April lieferten Wind- und Solarenergie zusammen mehr als ein Viertel (26 Prozent) des Stroms des Landes. Damit übertraf China den bisherigen Rekord von 23,7 Prozent aus dem März 2025.
Gleichzeitig sank die Stromerzeugung aus fossilen Quellen in den ersten vier Monaten 2025 im Jahresvergleich um 3,6 Prozent. Analysen der Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) sehen China nun in einer Phase der relativen Entkopplung – dabei wachsen die Emissionen langsamer als das BIP.
Zwischen 2015 und 2023 stiegen die verbrauchsbezogenen Emissionen um 24 Prozent, das BIP wuchs im selben Zeitraum um über 50 Prozent.
„Es mehren sich die Hinweise, dass die Emissionen aus Stromerzeugung und Verkehr bereits ihren Höhepunkt erreicht haben“, heißt es in dem Bericht.
Die Entkopplung fällt in eine Phase, in der China beim Ausbau der Erneuerbaren vorne liegt: 180 GW Solar- und 159 GW Windkraft sind bereits im Bau. Das ist fast doppelt so viel wie im Rest der Welt zusammen und würde laut Daten des Global Energy Monitor ganz Südkorea mit Strom versorgen.
Der größte Windpark der Welt
Auch wenn Trump in China angeblich keine Windräder sieht: Dort steht der größte Windpark der Welt. Er ist sogar aus dem All sichtbar.
Der Gansu-Windpark liegt in der weiten Wüstenregion im Westen der Provinz Gansu. Der Bau begann 2009, die erste Phase war schon ein Jahr später abgeschlossen. Bereits heute stehen dort mehr als 7.000 Turbinen.
Nach Fertigstellung soll die installierte Leistung 20 GW erreichen. Das reicht für rund 15 Millionen Haushalte.