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Von Balayage bis Biodiversität: Europas Friseure als heimliche Klimahelden?

Eine Friseurin föhnt gerade die Haare einer Kundin.
Im Salon föhnt eine Friseurin die Haare ihrer Kundin. Copyright  Adam Winger via Unsplash.
Copyright Adam Winger via Unsplash.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Friseursalons entwickeln sich laut einer neuen Studie zu vertrauten Orten, an denen Kundinnen und Kunden leichter über Klimaschutz ins Gespräch kommen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zieht es inzwischen in den Friseursalon. Sie haben erkannt, dass Friseure eine bislang unterschätzte Waffe für mehr Klimaschutz sein könnten.

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Neben dem fachgerechten Färben des Ansatzes und dem Beseitigen lästiger Splissspitzen sind Friseurinnen und Friseure für ihre Gesprächigkeit bekannt. Ob es um den nächsten Urlaub geht, die Pläne fürs Wochenende oder Frust über den Job – am Ende fungieren sie oft gleichzeitig als Kummerkasten, Beraterin oder Berater und Freundin oder Freund.

Neue Forschung vom Centre for Climate Change and Social Transformation (CAST) der University of Bath – gemeinsam mit einem Trio weiterer britischer Universitäten – zeigt: Genau das macht Friseursalons zu „Vertrauensorten“, an denen sich Gespräche über den Klimawandel anstoßen lassen.

Sind Friseurinnen und Friseure heimliche Klimaschützer?

Das Forschungsteam führte ausführliche Interviews mit dreißig Saloninhaberinnen und -inhabern sowie Salonleitungen in Großbritannien. Thema waren ihre Erfahrungen mit Klima- und Nachhaltigkeitsfragen.

Danach starteten sie in 25 nachhaltig ausgerichteten Salons eine landesweite Aktion mit sogenannten „Mirror Talkers“: Öko-Tipps, die auf den Spiegeln kleben und Gespräche über nachhaltige Haarpflege anregen sollen.

„Die meisten von uns halten ein ‚grünes‘ Produkt für eines mit recycelbarer Verpackung, doch der CO₂-Fußabdruck von Shampoo steckt vor allem im heißen Wasser, das wir verwenden“, sagt Denise Baden von der University of Southampton.

„Einfache Botschaften wie ‚Die meisten von uns benutzen zu viel Shampoo und waschen die Haare zu häufig‘ können Gespräche darüber auslösen, wie selteneres Waschen bei niedrigeren Wassertemperaturen Zeit, Geld, Energie und Wasser spart – und zugleich Haut und Haar guttut.“

„Wertvolle Räume“ für Klimagespräche

Die in der Fachzeitschrift Humanities & Social Sciences Communications (Quelle auf Englisch) veröffentlichte Studie ergab: Fast 73 Prozent der Salonkundinnen und -kunden gaben an, ihre Haarpflegeroutine nach Gesprächen, die durch die Mirror Talkers angestoßen wurden, wahrscheinlich zu verändern.

Einige stellten nach eigenen Angaben sogar auf umweltfreundlichere Produkte um, drehten das Warmwasser herunter und änderten Gewohnheiten zu Hause.

Die Forschenden sehen darin den Beleg, dass Friseurinnen und Friseure eine „ungenutzte Fähigkeit“ besitzen, den Klimawandel in Alltagsgespräche und konkretes Handeln einzuflechten. Sie fordern die Politik nun auf, Instrumente wie die Mirror Talkers landesweit einzusetzen und Friseursalons als wertvolle Räume für Klimagespräche anzuerkennen.

„Wenn wir ernsthaft eine öffentliche Bewegung für Klimaschutz aufbauen wollen, ist es Zeit, in diese kaum beachteten Meinungsbildnerinnen und Meinungsbildner zu investieren. Wirklicher Wandel beginnt in Alltagsgesprächen“, sagt Dr Sam Hampton von CAST.

Wie Salons auf Klimasorgen reagieren

Matilda Collins, leitende Direktorin und Stylistin bei Paul Edmonds London, berichtet Euronews Green, die Kundinnen und Kunden würden „deutlicher“ nachfragen, welche Inhaltsstoffe in ihren Haarprodukten stecken.

Zugleich achtet der Salon immer stärker auf seine eigene Umweltbilanz und setzt Energiesparmaßnahmen um – darunter ein Wärmerückgewinnungssystem, das den Bedarf daran verringert, Wasser ständig neu zu erwärmen.

Euronews Green stellte Collins die Initiative der „Mirror Talkers“ vor. Sie meint, diese könne positive Effekte haben, wenn die Erfahrung sich für die Kundschaft natürlich anfühlt, ihre Aufmerksamkeit gewinnt und dabei nicht zu selbstgefällig wirkt.

Sie fügt hinzu: „Am Ende sind es die Beziehung und das Vertrauen, das eine Stylistin oder ein Stylist zur Kundin oder zum Kunden aufbaut, die einen möglichen positiven Verhaltenswandel fördern, etwa bei der Wahl einer bestimmten Marke.

Dennoch könnte das Konzept eine starke Bildungsplattform sein und Gespräche gezielt anstoßen.“

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