Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Der Meeresspiegel steigt weltweit. In Grönland soll er bald sinken, sagen Wissenschaftler

Häuser stehen nahe der Küste eines Fjords bei Nuuk in Grönland. Aufgenommen am Sonntag, 25. Januar 2026.
Häuser stehen nahe der Küste einer Meeresbucht bei Nuuk, Grönland. Aufgenommen am Sonntag, 25. Januar 2026. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Forschende warnen: Rund um Grönland sinkt der Meeresspiegel. Das hat weitreichende Folgen für Küstengemeinden, Schifffahrtsrouten, Fischerei und Infrastruktur.

Steigende Temperaturen lassen weltweit den Meeresspiegel ansteigen. Millionen Menschen sind dadurch von schweren Überschwemmungen und Küstenerosion bedroht. In Grönland passiert jedoch das Gegenteil.

Forschende am Lamont-Doherty Earth Observatory, das zur Columbia Climate School gehört, warnen: Rund um die autonome Insel werden die Pegel voraussichtlich sogar sinken, obwohl wärmespeichernde Emissionen Rekordschmelzen auslösen.

Die Studie, veröffentlicht in Science Communications, prognostiziert für ein Szenario mit niedrigen Emissionen bis zum Jahr 2100 einen Rückgang um rund 90 Zentimeter. Bei hohen Emissionen wären es sogar zweieinhalb Meter.

Warum sinkt der Meeresspiegel rund um Grönland?

Es wirkt paradox: Ein größtenteils vereistes Land erlebt im wärmer werdenden Klima sinkende Pegel. Genau das macht Grönland zur Ausnahme. Wenn das Eisschild Masse verliert, hebt sich der Boden darunter. Die gewaltige Last fällt weg.

Koautorin Jacqueline Austermann vergleicht den Effekt mit einer Matratze aus Memory-Schaum, die sich nach dem Aufstehen wieder ausdehnt.

Der Auftrieb Grönlands geht auf jüngeren ebenso wie historischen Eisverlust zurück. Mit abnehmender Masse nimmt auch die Gravitationswirkung des Eisschilds auf die Meeresoberfläche ab. Der Meeresspiegel sinkt dadurch weiter.

„Wenn das Eisschild sehr groß ist, hat es viel Masse“, sagt Erstautorin Lauren Lewright.

„Die Meeresoberfläche wird durch diese Anziehung zum Eisschild hingezogen. Verliert das Eisschild Masse, lässt seine Gravitationswirkung auf die Meeresoberfläche nach. Der Meeresspiegel fällt.“

Diese beiden Effekte erklären bis zu 30 Prozent des künftigen Rückgangs des Meeresspiegels rund um Grönland. Fachlich heißt das „glaziale isostatische Anpassung“.

Küstengemeinden könnten „auf dem Trockenen“ sitzen

Ein steigender Meeresspiegel führt seit langem zu häufigeren Küstenüberschwemmungen und beschleunigter Ufererosion. Pro Zentimeter Anstieg sind weltweit etwa sechs Millionen Menschen Küstenhochwasser ausgesetzt.

Auch ein sinkender Spiegel hat Folgen. Küstengemeinden in Grönland planen ihre Infrastruktur am heutigen Pegel. Fällt er spürbar, könnten sie „auf dem Trockenen“ sitzen.

„Am größten sind die Auswirkungen für die lokalen Gemeinden – bei Schifffahrtsrouten, Fischerei und Infrastruktur“, sagt Austermann.

Ein fallender Meeresspiegel könnte außerdem einige Gletscher stabilisieren, sobald sie ins Meer eintreten. Das könnte ihren Rückzug verlangsamen. Ob der vorhergesagte Rückgang dafür reicht, wissen die Forschenden jedoch nicht.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Grönländischer Minister: US-Interessen unklar, noch kein Abkommen auf dem Tisch

"Weiß Trump überhaupt, was hier vor sich geht?"

Serie von Atlantikstürmen erreicht Portugal: Warnstufe Rot, Orkanböen