Fachleute warnen: Trump könnte Grönland wegen seiner kritischen Rohstoffe ausbeuten. Diese gelten als unverzichtbar für die Energiewende.
Trumps wachsendes Interesse an Grönland lenkt den Blick auf die weitgehend ungenutzten Rohstoffvorkommen der Insel. Viele Fachleute sehen sie als Schlüssel, um von fossilen Brennstoffen wegzukommen.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) sind kritische Rohstoffe „essenziell“ für den Umstieg auf eine grüne Energiewelt. Sie stecken in Technologien wie Windrädern und Elektroautos.
Ein Erwerb Grönlands könnte den USA helfen, ihre Abhängigkeit von China zu verringern. Doch ist Trumps Plan wirklich so einfach?
Grönlands kritische Rohstoffe
Eine Erhebung aus dem Jahr 2023 ergab, dass von den 34 von der EU-Kommission als „kritische Rohstoffe“ eingestuften Mineralien 25 in Grönland vorkommen. Geschätzt lagern dort zwischen 36 und 42 Millionen Tonnen Oxide seltener Erden. Damit verfügt die Insel nach China über die zweitgrößten Reserven.
Die IEA nennt Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan und Graphit als „entscheidend“ für die Leistungsfähigkeit von Batterien. Seltene Erden werden für starke Magnete benötigt, die in Windrädern und Motoren von Elektrofahrzeugen stecken. Stromnetze brauchen zudem große Mengen Aluminium und Kupfer.
Der Weltmarkt für seltene Erden wächst mit dem Boom der grünen Energien und dürfte in diesem Jahr über 6,5 Milliarden Euro erreichen. Das macht die autonome Insel für die USA besonders attraktiv. Laut US Geological Survey ist das Land für zwölf als „kritisch“ eingestufte Mineralien für Wirtschaft und nationale Sicherheit zu 100 Prozent auf Importe angewiesen.
Die Erschließung dieser Vorkommen könnte den USA helfen, ihre Abhängigkeit von China zu senken. China verarbeitet derzeit über 90 Prozent der seltenen Erden weltweit. Steigende Nachfrage würde die USA zusätzlich stärken.
Nach Einschätzung des Centre for Strategic and International Studies (CSIS) können die USA ihre Führungsrolle bei nationaler Sicherheit, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und Energieresilienz nicht bewahren, solange sie für kritische Rohstoffe von feindlichen Staaten abhängig bleiben.
Dieses Problem geht Trump seit seiner ersten Amtszeit an. Im März 2025 unterzeichnete er einen Erlass, der „sofortige Maßnahmen“ vorsieht, um die US-Mineralproduktion „so weit wie möglich“ zu steigern.
Der US-Präsident nutzte den Defense Production Act, um Kredite für die heimische Bergbauindustrie bereitzustellen und Bürokratie abzubauen, die Projekte ausbremst. Bundesbehörden durften zudem Bundesflächen vorrangig für den Bergbau ausweisen.
Im vergangenen Jahr unterzeichnete Trump außerdem einen Erlass, der Tiefseebergbau in US-Gewässern und international vorantreiben soll. Sein Land will nach eigener Darstellung zum „globalen Vorreiter einer verantwortungsvollen Ausbeutung von Meeresboden-Mineralien“ werden.
Erst vergangenen Monat schloss das US-Außenministerium ein Abkommen mit der Demokratischen Republik Kongo, die über mehr als 70 Prozent des weltweiten Kobalts verfügt. Die Partnerschaft soll private US-Investitionen im Bergbau erhöhen und zugleich „verantwortungsvolle Bewirtschaftung“ bei der Nutzung der Rohstoffe sichern.
Will Trump in Grönland abbauen?
Grönland fehlt derzeit die Infrastruktur für Bergbau im industriellen Maßstab. Das raue Klima erlaubt zudem nur in sechs Monaten pro Jahr einen Abbau.
Analysten schätzen, dass der Abbau der Vorkommen „Milliarden über Milliarden über Milliarden“ kosten würde. Die Logistik wäre ein Albtraum.
Wie Nick Bæk Heilmann, Senior Associate bei Kaya Partners, einer in Grönland tätigen Unternehmensberatung, betont, ist Grönland nicht das einzige Land mit kritischen Rohstoffen.
„Ich bin überzeugt, dass Rohstoffe nicht die treibende Kraft hinter dem US-Streben nach Kontrolle und Erwerb Grönlands sind“, sagt er. „Grönland ist offen für Investitionen und Bergbau. Es gibt eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für den Abbau, was sehr wichtig ist. Die USA müssen Grönland nicht erwerben.“
Zudem würden kritische Rohstoffe zu „äußerst niedrigen Preisen“ gehandelt, was die Geschäftsgrundlage aushebelt, so Heilmann.
Sind kritische Rohstoffe nötig, um Klimaziele zu erreichen?
Die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen sorgt bei Klimaschützern für Sorgen. Es geht um ethische und ökologische Folgen des Abbaus an Land und am Meeresboden.
Trump treibt auch den Tiefseebergbau voran. Im April 2025 unterzeichnete er einen Erlass, der den Handelsminister anweist, „das Verfahren zur Prüfung und Erteilung von Lizenzen für die Erkundung sowie Genehmigungen für die kommerzielle Förderung von Meeresboden-Mineralien in Gebieten jenseits nationaler Zuständigkeit nach dem Deep Seabed Hard Mineral Resources Act zu beschleunigen“.
Damit umgehen die USA die laufenden Gespräche mit der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) der Vereinten Nationen, die ein Moratorium für den Tiefseebergbau bis zum Abschluss der Verhandlungen beschlossen hat.
Im vergangenen Monat hat Norwegen seine Pläne verschoben, den Meeresboden nach kritischen Rohstoffen auszubaggern, nachdem es als erstes Land weltweit grünes Licht gegeben hatte.
Gleichwohl hat das Land vorgesehen, rund 280.000 Quadratmeter seiner nationalen Gewässer (zwischen Spitzbergen, Grönland und Island) künftig für das Einsammeln kobalts- und zinkhaltiger Gesteine zu öffnen.
Norwegen bekräftigt seit Langem, diese Rohstoffe seien nötig für die „grüne Transformation“. Ein Bericht der Environmental Justice Foundation aus dem Jahr 2024 kommt jedoch zu dem Schluss, dass Tiefseebergbau für eine Welt ohne fossile Brennstoffe nicht erforderlich ist.
Demnach könnte eine Kombination aus neuen Technologien, Kreislaufwirtschaft und Recycling die Nachfrage nach Rohstoffen zwischen 2022 und 2050 um 58 Prozent senken.
Der Geschäftsführer und Gründer der Stiftung, Steve Trent, sagt, Tiefseebergbau sei die Jagd nach Rohstoffen, die wir gar nicht brauchen, und berge Umweltschäden, „die wir uns nicht leisten können“.
„Wir wissen so wenig über die Tiefsee, aber genug, um sicher zu sein, dass ihr Abbau einzigartige Arten auslöschen, den größten Kohlenstoffspeicher der Erde stören und die Transformation zu sauberen Volkswirtschaften nicht beschleunigen wird“, fügt er hinzu.
Nur ein Vorwand für andere Pläne?
Experten warnen davor, Trumps Interesse an Grönland vor allem mit Klimapolitik oder der grünen Transformation zu erklären.
Sie sagen, die kritischen Rohstoffe spielten zwar eine große Rolle in der US-Rhetorik, seien aber nicht der Hauptgrund für den neuen Fokus des Präsidenten auf das Land.
„Bleibt der letzte, vielleicht beunruhigendste Treiber: die Ausweitung von US-Territorium, die Idee des ‚Manifest Destiny‘, die Trump in seiner Rede ebenfalls erwähnte“, sagt Heilmann.
„Wir sind zunehmend überzeugt, dass dies der Haupttreiber ist. Für Grönland, Dänemark und die EU ist das nicht verhandelbar.“
Andere betonen, dass Klimapolitik Trump persönlich zwar nicht antreibt, der Umweltwandel aber den strategischen Rahmen verändert, in dem Entscheidungen fallen.
Jakob Dreyer, Forscher für Klima- und Sicherheitspolitik an der Universität Kopenhagen, sagt, dass Erwärmung und grüne Transformation die wirtschaftliche Logik der Arktis verändern.
„Wir können diese Dynamik nicht vollständig verstehen, ohne die globale Erwärmung und die Auswirkungen der grünen Transformation auf die Weltwirtschaft zu berücksichtigen“, erklärt er. Da sich die Arktis drei bis viermal schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, könnten steigende Temperaturen neue Schifffahrtsrouten öffnen und die Hürden für Förderung senken, wenn Grönlands Eisschilde schmelzen.
Unterm Strich, so Dreyer, „verbessert“ das die Geschäftsgrundlage für die Förderung sowohl fossiler Energieträger als auch kritischer Rohstoffe.
„Trump ist skeptisch gegenüber dem Klimawandel“, fügt er hinzu, „seine Berater jedoch nicht.“