Vor rund 7.000 Jahren schmolz eine Eiskuppel in der Größe Luxemburgs. Droht uns heute eine Wiederholung der Geschichte?
Wissenschaftler warnen: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Prudhoe Dome in Grönland zu schmelzen beginnt. Wärmespeichernde Emissionen heizen den Planeten weiter auf.
Die 500 Meter dicke Eiskappe ist etwa so groß wie Luxemburg und bedeckt rund 2.500 Quadratkilometer. Ein Verschwinden hätte weltweit verheerende Folgen. Der Meeresspiegel könnte um bis zu 73 Zentimeter steigen.
Zur Einordnung: Nach Angaben von Copernicus sind pro Zentimeter Meeresspiegelanstieg rund sechs Millionen weitere Menschen von Küstenüberschwemmungen bedroht.
Prudhoe Dome in Grönland schmolz schon früher
Die Warnung stützt sich auf ein Projekt aus dem Jahr 2023. Das Team von GreenDrill und der University at Buffalo förderte dafür Gesteine und Sedimente unter dem grönländischen Eisschild zutage. Die Ergebnisse erschienen in Nature Geoscience.
Die Forschenden entnahmen Proben aus 508 Metern Tiefe und nutzten die Lumineszenzdatierung. Dabei bleiben Elektronen in vergrabenen Sedimenten eingeschlossen, bis diese wieder Licht ausgesetzt sind. So lässt sich bestimmen, wann sie zuletzt Tageslicht gesehen haben.
Demnach ist die Eiskuppe zuletzt vor rund 7.000 Jahren im frühen Holozän geschmolzen. Das ist deutlich jünger als bisher angenommen und deutet darauf hin, dass der Dome äußerst empfindlich auf milde Temperaturen reagiert.
Das Holozän umfasst die vergangenen 11.700 Jahre und begann nach der letzten großen Eiszeit. Es zeichnet sich durch ein relativ warmes Klima aus, mit Temperaturen von etwa drei bis fünf Grad Celsius über dem heutigen Niveau.
Vom Menschen verursachter Klimawandel
Prognosen warnen: Ohne deutliche Emissionssenkungen könnte die Welt bis 2100 diese Erwärmung erreichen. Das Forschungsteam will erneut im Eisschild bohren, um die Schmelzrate besser vorherzusagen und genauer zu beziffern, wie viel Erwärmung das Eis in der Vergangenheit zum Rückzug brachte.
„Diese Epoche gilt als klimatisch stabil. Damals begannen Menschen mit Ackerbau und machten erste Schritte zur Zivilisation“, sagt Jason Briner, Professor und stellvertretender Leiter des Fachbereichs Geowissenschaften, der die Studie mit leitete.
„Wenn schon die natürliche, milde Erwärmung jener Zeit den Prudhoe Dome zum Schmelzen brachte und ihn womöglich über Tausende Jahre zurückgedrängt hielt, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis er sich durch den heutigen, vom Menschen verursachten Klimawandel erneut weiter zurückzieht.“