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UN-Bericht: Stress am Arbeitsplatz führt jährlich zu 840.000 Todesfällen

Arbeitsbedingte psychosoziale Belastungen stehen vor allem mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Störungen in Verbindung.
Beruflicher Stress erhöht vor allem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Erkrankungen. Copyright  Cleared/Canva
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Von Marta Iraola Iribarren
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Ein neuer Bericht warnt: Psychosoziale Risiken wie lange Arbeitszeiten, Jobunsicherheit sowie Mobbing und Belästigung schaden Körper und Psyche.

Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 840.000 Menschen an Erkrankungen, die mit psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz zusammenhängen – etwa zu langen Arbeitszeiten, unsicheren Jobs oder Schikanen im Betrieb. Darauf weist ein neuer Bericht (Quelle auf Englisch) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, hin.

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Diese arbeitsbedingten psychosozialen Risiken stehen demnach vor allem mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Störungen in Verbindung, einschließlich Suiziden.

„Psychosoziale Risiken entwickeln sich zu einer der größten Herausforderungen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in der heutigen Arbeitswelt“, sagte Manal Azzi, Teamleiterin für Politik und Systeme zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz (OSH) bei der ILO.

„Ein besseres psychosoziales Arbeitsumfeld ist entscheidend – nicht nur, um die körperliche und psychische Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, sondern auch, um Produktivität, Leistungsfähigkeit von Organisationen und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu stärken“, ergänzte sie.

Arbeit prägt Identität, soziale Beziehungen und wirtschaftliche Sicherheit. Wie sie gestaltet und organisiert ist, entscheidet darüber, ob sie gut strukturiert und ausreichend ausgestattet ist – oder ob Überforderung, unklare Rollen und erlebte Ungerechtigkeit Schaden anrichten.

Schwere Folgen für die Gesundheit

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass Gesundheitsgefahren jedes Jahr fast 45 Millionen behinderungsbereinigte Lebensjahre (Disability-adjusted Life Years, DALYs) kosten. Zusammengenommen führen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Störungen Schätzungen zufolge zu einem jährlichen Verlust von 1,37 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Allein in Europa zählt die ILO 112.333 Todesfälle, knapp sechs Millionen verlorene DALYs und einen BIP-Verlust von 1,43 Prozent.

Den größten Anteil an den zurechenbaren Todesfällen haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei den insgesamt verlorenen gesunden Lebensjahren übertreffen psychische Störungen sie jedoch, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führen Depressionen und Angststörungen jedes Jahr zu etwa zwölf Milliarden ausgefallenen Arbeitstagen.

Zu den verbreitetsten Erkrankungen gehören Depressionen, Angststörungen, Burnout, Schlafstörungen und starke Erschöpfung.

Psychische Belastungen schlagen sich häufig auch körperlich nieder. Viele Betroffene greifen zu ungesunden Bewältigungsstrategien, um Stress und Müdigkeit zu verkraften.

Rauchen, Alkoholkonsum, übermäßiges Essen und Bewegungsmangel infolge von Problemen am Arbeitsplatz können zu Adipositas, Bluthochdruck und anderen chronischen Erkrankungen führen.

„Studien deuten zudem darauf hin, dass gesundheitsbezogenes Verhalten und psychosoziale Risiken sich im Laufe der Zeit gegenseitig beeinflussen: Ungesunde Verhaltensweisen verstärken und verschärfen die negativen Gesundheitseffekte einer psychosozialen Stressbelastung“, heißt es in dem Bericht.

Belastungsfaktoren im Job: Was besonders krank macht

Der Bericht nennt vor allem lange Arbeitszeiten, Mobbing, hohen Arbeitsdruck, ein Missverhältnis zwischen Aufwand und Anerkennung, Unsicherheit des Arbeitsplatzes sowie Gewalt und Belästigung als Haupttreiber schlechter Gesundheit unter Beschäftigten.

„Lange Arbeitszeiten gelten als zentraler psychosozialer Risikofaktor mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle und sind weiterhin weit verbreitet“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Die ILO schätzt, dass weltweit 35 Prozent der Beschäftigten mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten.

Untersuchungen der WHO zeigen: Wer 55 oder mehr Stunden pro Woche arbeitet, hat ein um schätzungsweise 35 Prozent höheres Risiko für einen Schlaganfall und ein um 17 Prozent höheres Risiko, an ischämischer Herzkrankheit zu sterben, verglichen mit Personen, die fünfunddreißig bis vierzig Stunden pro Woche arbeiten.

Auch Mobbing sowie andere Formen von Belästigung und Gewalt sind ein großes Problem.

Der Bericht hält fest, dass weltweit 23 Prozent der Beschäftigten in ihrem Arbeitsleben mindestens eine Form von Gewalt oder Belästigung erlebt haben. Am häufigsten ist psychische Gewalt mit einem Anteil von 18 Prozent.

Psychosoziale Risiken: Was Unternehmen tun können

Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Arbeiten aus der Ferne und neue Beschäftigungsformen verändern das psychosoziale Arbeitsumfeld grundlegend. Organisationen sollen Risiken deshalb frühzeitig erkennen und vorbeugende Maßnahmen umsetzen.

Dazu gehören die Gestaltung, Organisation und Steuerung von Arbeit: der Umgang mit Arbeitsmengen, klare Rollen, ausreichende Personalstärke und gesundheitsverträgliche Arbeitszeiten.

Wenn Prävention nicht ausreicht, fordert die ILO rechtzeitige, nicht stigmatisierende Unterstützung. Dazu zählen der Zugang zu Unterstützungsangeboten, vorübergehende Anpassungen der Tätigkeit, arbeitsmedizinische Beratung sowie faire Verfahren für die Rückkehr an den Arbeitsplatz.

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