Nach jahrelanger Debatte wechselt Frankreichs Plattform für Gesundheitsdaten von Microsofts Cloud zum heimischen Anbieter Scaleway.
Im Rahmen einer breiteren europäischen Strategie, die strategische Abhängigkeit von US‑Cloud- und Softwareanbietern zu verringern, hat Frankreich Scaleway als neuen Betreiber des nationalen Health Data Hub ausgewählt. Das Unternehmen ersetzt Microsoft Azure. Scaleway ist eine Tochter des französischen Telekommunikationskonzerns Iliad.
Die Datenbank der öffentlichen Einrichtung enthält Gesundheitsinformationen von Millionen französischer Bürgerinnen und Bürger. Langfristig soll sie das gesamte französische Gesundheitsdatensystem (SNDS), das von der nationalen Krankenversicherung verwaltet wird, abbilden und als digitale Ressource für Forschende dienen, die groß angelegte Langzeitdaten benötigen.
Bereits im Jahr 2019 hatte Frankreich Microsoft ausgewählt, um die Cloud-Infrastruktur bereitzustellen und die Daten der Plattform zu hosten.
Sorge um Datenschutz, Sicherheit und Rechtskontrolle
Das Projekt kam jedoch nicht wie geplant voran. Die französische Datenschutzbehörde, die Nationale Kommission für Informatik und Freiheit (CNIL), veröffentlichte eine kritische Stellungnahme (Quelle auf Englisch) und verwies auf Risiken für Datenschutz und Datensicherheit.
Französische Aufsichtsbehörden kritisierten seitdem, dass US‑Behörden selbst dann Zugriff auf die Informationen verlangen könnten, wenn die Daten in Frankreich gespeichert sind, sofern der Cloud-Anbieter ein US-Unternehmen ist.
Frankreich sorgte sich zudem um die rechtliche Kontrolle über Zugang, Schutz und mögliche Weitergabe hochsensibler medizinischer Daten.
Im Februar kündigte die französische Regierung an, das Hosting dieser besonders sensiblen Plattform bis Ende des Jahres von Microsoft abzuziehen. Im Jahr 2024 verabschiedete sie ein Gesetz, das für sensible Daten nun eine „souveränitätsgarantierte“ Speicherung vorschreibt.
Große Gesundheitsdatenbank für Forschung
Die Migration sei Teil „eines langjährigen Engagements, ein hohes Maß an Sicherheit und Vertrauen für alle Nutzerinnen und Nutzer der Plattform zu gewährleisten“, erklärte Hela Ghariani, Direktorin der Gesundheitsdatenplattform, in einer Pressemitteilung (Quelle auf Englisch).
Dies sei ein wichtiger Schritt, um die Nutzung der SNDS-Daten und die breitere forschungs- und innovationsgetriebene Arbeit mit Gesundheitsdaten in Frankreich und in Europa zu beschleunigen, fügte sie hinzu.
Das System soll die Gesundheitsakten von zig Millionen Bürgerinnen und Bürgern speichern und voraussichtlich zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 vollständig in Betrieb gehen.
Europa rückt von US-Techkonzernen ab
In ganz Europa versuchen Regierungen, die Abhängigkeit von großen US‑Technologieanbietern in der öffentlichen Verwaltung zu verringern.
Im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein werden 30.000 Arbeitsplätze der Verwaltung von Microsoft-Werkzeugen auf andere Lösungen umgestellt. In Dänemark steigen Teile der öffentlichen Verwaltung auf die Open-Source-Bürosoftware LibreOffice um.
Die Europäische Kommission verstärkte diesen Kurs zusätzlich und vergab einen Cloud-Auftrag im Volumen von 180 Millionen Euro an ein Konsortium, dem unter anderem Scaleway, OVHcloud, STACKIT und Post Telecom angehören.