Nach Angaben der Washington Post sollen die USA die Rückkehr des mit Ebola infizierten Missionsarztes Dr. Peter Stafford verhindert haben, wodurch sich seine Evakuierung verzögert habe, bevor er nach Deutschland ausgeflogen wurde. Das Weiße Haus wies den Bericht als "absolut falsch" zurück.
Nach einem Bericht der "Washington Post" sollen die USA dem mit Ebola infizierten US-Arzt die Rückkehr in die Vereinigten Staaten zunächst verweigert haben. Die Zeitung stützt sich dabei auf fünf mit dem Vorgang vertraute Quellen. Demnach habe sich die Evakuierung des Arztes dadurch verzögert, bevor er schließlich nach Deutschland ausgeflogen wurde. Das Weiße Haus wies diese Darstellung jedoch zurück und bezeichnete sie als "absolut falsch".
Dr. Peter Stafford, ein Missionsarzt, hatte in Bunia im Osten der Demokratischen Republik Kongo einen Patienten mit starken Bauchschmerzen operiert, bei dem zunächst eine Gallenblasenentzündung vermutet wurde, sich diese jedoch nicht bestätigte. Der Patient starb am folgenden Tag vermutlich an einer Ebola-Infektion und wurde beerdigt, bevor ein Test durchgeführt werden konnte. Acht Tage später entwickelte Stafford selbst unspezifische Symptome wie Fieber, Schmerzen, Schüttelfrost und starke Müdigkeit.
Als 2014 während der Ebola-Krise in Westafrika die ersten beiden amerikanischen Patienten zur Behandlung nach Atlanta gebracht wurden, hatte Donald Trump dieses Vorgehen damals stark kritisiert, wie sein X-Beitrag (damals Twitter) vom August 2014 zeigt.
Nach Angaben von mit der aktuellen Lage vertrauten Personen spielte auch heute die öffentliche Wahrnehmung einer möglichen Ebola-Einreise in die USA eine wichtige Rolle in den Überlegungen des Weißen Hauses, schreibt das US-Magazin.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Kush Desai, wies die Behauptung zurück, die Regierung habe Peter Stafford nicht in die Vereinigten Staaten bringen wollen.
"Das ist absolut falsch und ein weiterer Grund, warum die Washington Post nicht mehr das Papier wert ist, auf dem sie gedruckt wird", schrieb er per E-Mail. "Die oberste und einzige Priorität der Trump-Regierung ist die Gesundheit und Sicherheit der amerikanischen Bürger. Die Charité in Deutschland ist international als eine der besten Einrichtungen weltweit für die Behandlung und Eindämmung von Viruserkrankungen wie Ebola anerkannt und steht führenden Kliniken in den USA in nichts nach."
Satish Pillai, ein US-amerikanischer Wissenschaftler, von der University of California, San Francisco sagte am Dienstag Reportern, dass es vor allem darum gehe, eine schnelle und geeignete Behandlung zu gewährleisten. Deutschland sei dabei als erster Behandlungsort gewählt worden – weil Europa näher an Afrika liegt als die USA und Zugang zu erstklassiger medizinischer Versorgung bestehe.
Die Erkrankung kann innerhalb weniger Tage zu Schock und Multiorganversagen führen.
Die Ehefrau und die vier Kinder des infizierten US-Arztes befinden sich nun ebenfalls in der Berliner Charité. Wie das Bundesgesundheitsministerium in der Nacht mitteilte, wurden sie in der Sonderisolierstation des Universitätsklinikums aufgenommen. Vorausgegangen war ein entsprechendes Hilfeersuchen der US-Behörden.
Indes wurde ein Flugzeug der französischen Fluggesellschaft Air France von Paris nach Detroit aufgrund verschärfter US-Einreisebestimmungen im Zusammenhang mit Ebola kurzfristig nach Kanada umgeleitet. Wie die US-Grenzschutzbehörde US-Medien bestätigte, durfte die Maschine nicht in den US-Luftraum, nachdem sich an Bord ein Passagier befand, der zuvor in der Demokratischen Republik Kongo gewesen war.
Der Ebola-Ausbruch wurde als Bundibugyo-Stamm des Virus bestätigt, der eine Sterblichkeitsrate von etwa 25 bis 50 Prozent aufweist. Für diesen Virusstrang existieren weder Impfstoffe noch gezielte Behandlungsmöglichkeiten.
Bisher gab es fast 600 Verdachtsfälle und 139 Todesfälle in der Demokratischen Republik Kongo, und es wird erwartet, dass die Fallzahlen weiter steigen.
Die tatsächliche Zahl der Infektionen dürfte jedoch höher sein.
Der Zustand des amerikanischen Arztes, der sich mit Ebola infiziert hatte und nun in der Charité liegt, beginnt sich indes zu bessern. Er soll inzwischen wieder in der Lage sein, zu essen.