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Nackte Kunst und nicht Inhalt 18+: Wien zeigt Aktdarstellungen auf OnlyFans

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Nackte Kunst und nicht Inhalt 18+: Wien zeigt Aktdarstellungen auf OnlyFans
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Von Frédéric Ponsard  & Euronews  mit DPA

Ganz gleich ob von Dürer, Rubens oder Klimt: Nackte Kunst wird auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram systematisch blockiert.

Aus Protest gegen die absurden Zensurregeln haben Wiens wichtigste Museen zu einem originellen Gegenschlag ausgeholt: Sie werben mit Abbildungen weltberühmter Akte auf der eigentlich für erotische Inhalte bekannten Social-Media-Plattform OnlyFans.

"Uns war bewusst, dass OnlyFans natürlich ein kontroverses Netzwerk, aber eben sehr offen gegenüber Nacktheit ist", erklärt der Chef vom städtischen Tourismusverband "Wien Tourismus", Norbert Kettner. "Wir wollten mit diesem Schachzug großartige globale Kunstwerke über ein Netzwerk wie OnlyFans einbringen."

In der Vergangenheit wurde zum Beispiel ein Bild der 30 000 Jahre alten "Venus von Willendorf" von Facebook gelöscht, weil ein Algorithmus der Plattform die nackte Steinstatuette aus Österreich als pornografisch wertete.

"Nicht jugendfreie" Kunstwerke Wiens auf OnlyFans

Wien und seine kulturellen Institutionen seien immer wieder Opfer dieser neuen Welle der Prüderie geworden, heißt es auf der Webseite von Wien Tourismus. Die Kanäle mancher "Wiederholungstäter" – sprich Museen – seien sogar temporär blockiert worden.

Deswegen habe man entschieden, die weltbekannten "nicht jugendfreien" Kunstwerke Wiens auf OnlyFans zu stellen.

"Indem wir Wiens 18+-Inhalte auf OnlyFans stellen, können Abonnenten provokante Werke zum Beispiel von Egon Schiele, Richard Gerstl, Koloman Moser oder Amedeo Modigliani unzensiert sehen. Deren Werke in der Hauptstadt Österreichs für alle öffentlich zugänglich sind. OnlyFans selbst hat die Social Media Welt vor kurzer Zeit aufgerüttelt – indem die Plattform Content Creators die Möglichkeit gibt, nackte und pornografische Inhalte unzensiert mit Abonnenten zu teilen."

"Die Konturlinie eines Malers muss erkannt werden"

Das Wiener Leopold Museum und die Albertina hatten ähnliche Probleme mit der Darstellung freizügiger Kunstwerke von Gustav Klimt, Koloman Moser oder Egon Schiele. Eine eine ärgerliche Verwechselung zwischen Kunst und Pornografie, findet der Direktor des Leopold Museums, Hans-Peter Wipplinger. "In Zeiten wie diesen, wo die Digitalisierung so weit vorangeschritten ist, wo Bilderkennungsprogramme aber nicht mehr zwischen einem liebenden Körpern und einem Kunstwerk unterscheiden können, da muss sozusagen noch mehr Innovation ins Spiel.

Die Konturlinie eines Malers sei das jetzt Schiele ist oder Beckmann muss erkannt werden von so einem Algorithmus im Vergleich zu einem pornografischen Bild."
Hans-Peter Wipplinger
Direktor des Leopold Museums

Die Konturlinie eines Malers sei das jetzt Schiele ist oder Beckmann muss erkannt werden von so einem Algorithmus im Vergleich zu einem pornografischen Bild."

International hat die Kampagne bereits einige Aufmerksamkeit erregt. Dabei geht es auch um die Frage, wie viel Macht die sozialen Medien über Kunst ausüben, die doch eigentlich frei sein sollte.

Sehen können die geschmähten Meisterwerke übrigens nur volljährige Nutzer der Plattform OnlyFans - gegen ein Entgelt.

Völlig unzensiert und ungestört kann man die nackte Schönheit natürlich auch dort bewundern, wo sie zu Hause ist - im Museum.