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Regisseur Laurent Cantet: Worte haben immer eine Bedeutung

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Regisseur Laurent Cantet: Worte haben immer eine Bedeutung
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Von Frédéric Ponsard  & Sabine Sans

Euronews hat den französischen Regisseur Laurent Cantet getroffen. Einer seiner größten Erfolge war "Die Klasse". Der fünfte Spielfilm des Franzosen, eine Sozialstudie über eine Pariser Schulklasse, gewann 2008 mit der Goldenen Palme den Hauptpreis der 61. Filmfestspiele von Cannes. Monate später wurde der Film als offizieller französischer Beitrag für die Nominierung um den besten fremdsprachigen Film bei der Oscarverleihung 2009 ausgewählt und im selben Jahr für den Europäischen Filmpreis nominiert.

Der Film "Die Klasse" erzählt mit vielen Laiendarstellern vom multikulturellen Alltag und den Problemen einer Schule in Paris.

Regisseur Laurent Cantet lässt sich gern von der Realität oder konkreten Ereignissen inspirieren, um unsere Gesellschaft unter die Lupe zu nehmen.

Dieses Jahr kehrt er mit "Arthur Rambo" auf die Leinwand zurück. Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Mannes aus der Vorstadt, der in den Pariser Medien Erfolge feiert – bis in seiner Vergangenheit homophobe und antisemitische Tweets ausgegraben werden und seinen Absturz auslösen.

Komplexität der französischen Gesellschaft

Cantet hat die fiktive Figur Karim geschaffen, der in den sozialen Netzwerken unter dem Pseudonym Arthur Rambo unterwegs war:

"Er hat dieses Pseudonym gewählt, das für mich bereits ein Porträt seiner Figur ist", so Cantet. "Da sind diese beiden literarischen Ambitionen, Arthur Rimbaud, und dann ist da Rambo, diese Wut, diese Gewalt... Er ist eine Mischung dieser beiden Persönlichkeiten."

Zwei gegensätzliche Facetten, die auf die Komplexität der französischen Gesellschaft verweisen, die von den Anschlägen auf Charlie Hebdo und das Bataclan erschüttert wurden und in der junge Menschen mit Migrationshintergrund es schwer haben, ihren Platz zu finden:

"Dieser Status des sozialen Überläufers, den diese jungen Leute oft haben, ist ein sehr fragiler Status. Sie haben dafür gekämpft, beispielsweise Schriftsteller zu werden, wie Karim, der Held des Films", meint der Regisseur. "Dabei weiß er sehr genau, dass er nicht in diese neue Welt gehört, die ihn sehr gerne aufnimmt."

"Wörter sind nie unbedeutend, und vor allem werden sie niemals gelöscht, das Internet hat ein unendliches Gedächtnis."
Laurent Cantet
Regisseur

Die Verantwortung beim Schreiben

Karims Aufstieg ist kometenhaft, sein Absturz brutal. Der Regisseur verurteilt seine Hauptfigur nicht: Er stellt ihn weder als Monster noch als Opfer dar, er beleuchtet die Frage der Verantwortung für die eigenen Taten und die Rolle der sozialen Netzwerke:

"Ich hoffe, dass der Film die Verantwortung aufzeigt, die das Schreiben mit sich bringt, sei es in den Worten, den Büchern, die ihn berühmt machten, aber auch in den Tweets, die er in wenigen Sekunden schreibt", so Cantet. "Wörter sind nie unbedeutend, und vor allem werden sie niemals gelöscht, das Internet hat ein unendliches Gedächtnis."

Der Film ist gerade in Frankreich und Portugal in die Kinos gekommen und wird im Frühjahr auch in anderen europäischen Ländern zu sehen sein.