Stoffe in Schottland und China: inspiriert von den Farben der Natur

Stoffe in Schottland und China: inspiriert von den Farben der Natur
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Von Paul Hackett  & Sabine Sans

Auf den westlichen schottischen Inseln sind es lokale Pflanzen und Flechten, die die Hersteller von Harris-Tweed inspirieren. Im Südwesten Chinas verwendet das Volk der Bai Färberwaid zum Färben ihrer Kleidung. Auf gegenüberliegenden Seite des Planeten verbinden Kunsthandwerker Natur und Tradition zu begehrten Kleidungsstücken.

Natur und Tradition

Die Äußeren Hebriden in Schottland liegen am Rande Nordwesteuropas. Die unglaubliche Landschaft ist die Inspiration für die Farben, die in den berühmten Stoff eingewebt werden, der hier hergestellt wird.

Harris Tweed Hebrides ist eine von drei Webereien auf der Insel. Produktions- und Designmanager Calum Iain Macleod führt den Reporter herum.

"Das ist 100 % reine Schurwolle", sagt er. "Nur das dürfen wir für Harris Tweed verwenden. Wir dürfen keine anderen Fasern als 100 % Wolle nehmen."

Die Fabrik stellt über 50 Grundfarben her. Wolle aus bis zu acht verschiedenen Farben wird dann zu einem Garn verwoben. Dadurch entstehen die charakteristischen Farbabstufungen und melierten Garne. Harris Tweed steht unter dem Schutz des Parlaments und unterliegt strengen Vorschriften: Der Stoff muss von den Bewohnern der Äußeren Hebriden von Hand gewebt werden.

Nach dem Weben wird der Stoff zur Reinigung und zum Walken in die Fabrik zurückgebracht und ist dann bereit für die Zertifizierung.

"Er wird der Harris Tweed Authority vorgelegt, die ihn mit dem berühmten Orb-Logo kennzeichnet", erklärt Calum. "Er muss diesen Stempel haben, um als Harris Tweed anerkannt zu werden".

Harris-Tweed wurde 1910 als geschützte Marke anerkannt und führt seitdem den "Orb and Maltese Cross" (Reichsapfel mit Malteserkreuz) als Erkennungszeichen. Seit 1911 wird der Stoff gestempelt. Mit der Verabschiedung des Harris Tweed Act 1993 wurde die bisherige Definition von Harris-Tweed zu einem Gesetz.

Bis heute ist Harris Tweed der einzige Stoff, der noch auf Handwebstühlen produziert und dennoch in größeren Mengen verkauft wird. Der Tweed-Stoff unterliegt strengsten Kontrollen und ist seit 1910 der einzige Stoff, für den es in Großbritannien ein Gesetz zum Herkunftsschutz gibt. Er soll der Lieblingsstoff von Queen Victoria gewesen sein und erfreut sich wachsender Beliebtheit unter Modedesignern. 

Eine weltweite Marke

Kleidung aus Harris Tweed hat weltweite Anziehungskraft. "Wir haben Besucher aus der ganzen Welt und jeder kennt Harris Tweed", sagt David Galloway, Store Manager bei Walker Slater Menswear in Edinburgh. "Sie bilden  das Herzstück unseres Geschäfts. Sie wissen, dass sie die Ware ein Leben lang tragen werden. Sie wissen, dass es die Geschichte gibt, sie wollen den Stoff, sie wollen das Gewicht, die Farbe, sie wollen alles, all die natürlichen Dinge, die mit Harris Tweed und der ganzen Geschichte dieser Marke einhergehen."

Die chinesischen Ursprünge des Batikfärbens

Das Dorf Zhoucheng liegt in der Nähe der Stadt Dali im Südosten Chinas. Es ist die Heimatstadt der Bai-Batikfärberei.

Das Batiken ist eine von drei traditionellen Drucktechniken, die ihre Ursprünge im alten China haben. Sie kombiniert eine Reihe verschiedener Fertigkeiten, um wunderschöne Muster zu erzeugen.

"Batiken ist wie eine Geburt. Man weiß nie, wie das Baby aussehen wird, wenn es noch in deinem Bauch ist."
Duan Yinkai
Bai Tie-dye Meisterin

Der Färberwaid ist das Herzstück des Prozesses. Das Volk der Bai extrahiert aus der Pflanze ein Pigment zum Färben. Sie haben ein einzigartiges Verfahren, das insgesamt acht Schritte umfasst. Das Binden und das Färben sind die wichtigsten Etappen.

"Beim Batikfärben ist die Herstellung des Farbstoffs der erste kreative Schritt", erklärt Duan Yinkai, eine Bai-Meisterin im Batiken, die aus einer Bai-Familie stammt. "Danach kommt das Binden, das ist der zweite Schritt. Man muss die Stiche gleichmäßig halten."

Die Motive in den Bai-Farbbändern stellen die Natur dar. Jede Linie erzählt eine Geschichte über die sie umgebende Umwelt.

Zum Schluss wird man Zeuge eines Wunders: Die Schnürungen werden aufgeschnitten und die Fäden aus verwickelten Stellen entfernt, um die zwischen den engen Knoten verborgenen Muster zu enthüllen.

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Unverwechselbare Batik-Muster aus Chinaeuronews

Man muss vorsichtig sein. Ein winziger Ausrutscher, und man kann ein Loch machen, das das ganze Stück Stoff ruiniert.

Es ist das unvorhersehbare Ergebnis, das das Färben so spannend macht. Man bekommt nie zwei Muster und Farben, die genau gleich sind.