Elon Musk empört sich darüber, dass eine Schwarze Schauspielerin Helena von Troja spielen könnte, und wirft Regisseur Christopher Nolan vor, mit der Besetzung von Lupita Nyong’o seine Integrität verspielt zu haben.
Elon Musk hat den Oscar-prämierten Filmemacher Christopher Nolan wegen dessen Besetzungsentscheidungen für seinen kommenden Film The Odyssey scharf angegriffen, der als einer der spannendsten Kinostarts des Jahres gilt.
Nolans Adaption des antiken griechischen Epos von Homer ist der erste Spielfilm, der vollständig mit IMAX-Kameras gedreht wird. Er bietet eine Starbesetzung mit Matt Damon, Tom Holland, Zendaya, Robert Pattinson, Charlize Theron, Anne Hathaway, Mia Goth und der Oscarpreisträgerin Lupita Nyong’o.
Ausgerechnet Nyong’os Mitwirkung scheint Musk zu stören. In sozialen Netzwerken heißt es, sie solle Helena von Troja spielen.
Ein Nutzer von X schrieb: „Helena von Troja war hellhäutig, blond und das ‚Gesicht, das tausend Schiffe in See stechen ließ‘, weil sie so schön war, dass Männer ihretwegen einen Krieg begannen. Besetzungsentscheidungen, die die Ausgangslage unlogisch machen, zeigen, dass die Geschichte nie im Mittelpunkt stand und beleidigen den Autor.“
Musk verbreitete den Beitrag weiter und kommentierte: „Chris Nolan hat seine Integrität verloren.“
Beide Posts sind viral gegangen. Zum einen wegen der offen rassistischen Implikationen des ersten Beitrags. Zum anderen, weil Musk offensichtlich nicht verstanden hat, dass Homers Gedicht ein Mythos ist.
Zur Einordnung: In der Vorlage verwandelt sich Zeus, der Donnergott und Herrscher über die übrigen Gottheiten, in einen Schwan und paart sich mit Leda. Sie legt daraufhin ein Ei, aus dem Helena schlüpft. Eine andere Überlieferung, im verlorenen Epos „Kypria“, beschreibt Helena als Tochter von Zeus und der Göttin Nemesis. Nemesis wollte sich Zeus entziehen und verwandelte sich in eine Gans. Zeus verwandelte sich ebenfalls in eine Gans und vergewaltigte Nemesis, die ein Ei legte, aus dem Helena geboren wurde.
So oder so: Mit einer normalen Empfängnis hat das wenig zu tun, darin dürften sich die meisten einig sein. Diese Herkunftsgeschichte sollte eigentlich jede Diskussion über angebliche „historische Genauigkeit“ beenden.
Eine Nutzerin fasste es so zusammen: „‚The Odyssey‘ ist ein Mythos. Es gibt keine historischen Belege dafür, dass Helena von Troja wirklich existiert hat, deshalb kann sie in jeder Hautfarbe schön sein. Eine schöne schwarze Frau zu besetzen, widerspricht dem, was vor Tausenden von Jahren niedergeschrieben wurde, in keiner Weise. Frag einfach Homer.“
Trotzdem haben die Tweets eine heftige Kontroverse ausgelöst. Viele lehnen die Besetzung ab, andere argumentieren nachvollziehbar, dass mythologische Figuren kreativ neu interpretiert werden können, und werfen Musk vor, rassistische Inhalte zu verstärken.
Bemerkenswert ist auch: Nyong’o stieß bereits im November zweitausendvierundzwanzig zum Ensemble, doch ihre konkrete Rolle in The Odyssey ist bis heute nicht bestätigt.
Außerdem wäre Nyong’o nicht die erste schwarze Schauspielerin, die Helena von Troja verkörpert. Orson Welles besetzte Eartha Kitt bereits für eine Inszenierung in Paris im Jahr 1950 in dieser Rolle.
The Odyssey folgt Damons Odysseus, dem König von Ithaka, auf seiner Heimreise nach dem Trojanischen Krieg und kommt am 17. Juli weltweit in die Kinos.