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Geschlossene Restaurants, Vier-Tage-Wochen: versteckte Folgen der weltweiten Öl- und Gasabhängigkeit

Ein Mitarbeiter eines Depots in Lucknow im Norden Indiens wartet am Mittwoch, dem elften März zweitausendsechsundzwanzig, um Flüssigerdgasflaschen für Haushalte auszugeben.
Ein Mitarbeiter eines Depots in Lucknow, Indien, wartet am Mittwoch, dem elften März 2026, darauf, Gasflaschen mit Flüssigerdgas an Haushalte auszuliefern. Copyright  AP Photo/Rajesh Kumar Sing
Copyright AP Photo/Rajesh Kumar Sing
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am
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In weiten Teilen Asiens und Australiens bleiben zunehmend Zapfsäulen leer, gleichzeitig ziehen die Flugpreise deutlich an.

„Die Folgen stockender Energieversorgung spürt die ganze Welt ... Staaten geraten ins Taumeln“, sagte UNFCCC-Exekutivsekretär Simon Stiell am 16. März auf dem EU-Gipfel für grünes Wachstum.

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Nicht nur die Energierechnungen schießen in die Höhe. Seit Beginn des Kriegs gegen Iran spüren Menschen das Chaos schwankender Gas- und Ölpreise von Schulen in Bangladesch bis zu Regierungsbüros in Thailand.

Ein Großteil der Preissprünge geht auf iranische Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus zurück, einer 38 Kilometer langen Meerenge, durch die rund ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen fließt.

Die Folgen legen schonungslos offen, wie verwundbar eine Welt ist, die sich stark auf Importe fossiler Energieträger verlässt – energieautarke Staaten kommen mit dem Schock deutlich besser zurecht.

Schulen schließen, Arbeitszeit schrumpft

In der vergangenen Woche reagierte Bangladesch auf steigende Treibstoffpreise, schloss seine Universitäten früher und zog die Feiertage zu Eid al-Fitr vor. So will die Regierung Energie sparen und den Kraftstoffverbrauch durch Verkehr und Staus senken.

In Pakistan gingen die Notmaßnahmen noch weiter. Schulen bleiben zwei Wochen lang geschlossen, Universitäten müssen den Unterricht ins Netz verlegen.

Die Treibstoffkontingente für Regierungsbehörden sanken um 50 Prozent. Öffentliche Einrichtungen stellen auf eine Vier-Tage-Woche um, die Hälfte der Staatsbediensteten soll von zu Hause aus arbeiten.

Auch auf den Philippinen kürzt die Regierung die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst um einen Tag. Grund sind die mit dem Konflikt im Nahen Osten verbundenen steigenden Treibstoffpreise.

In Thailand gibt es detailliertere Vorgaben für Staatsbedienstete: Treppe statt Aufzug, Klimaanlagen auf 27 Grad und kurzärmlige Hemden statt Anzug.

Vietnam, das stark von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängt, bittet Unternehmen, ihre Beschäftigten zur Arbeit im Homeoffice zu ermutigen.

Reisen werden teurer und eingeschränkt

Seit Beginn des Iran-Kriegs gerät der globale Reiseverkehr durcheinander. Flugtickets verteuern sich rasant wegen hoher Kerosinkosten, Flugpläne dünnen sich wegen Luftraumsperrungen stark aus.

Flüge, die weiterhin starten, müssen weite Umwege fliegen, um aus der Schusslinie zu bleiben. Das verlängert die Reisezeit, erhöht den Treibstoffverbrauch und treibt die Emissionen nach oben.

Die australische Fluggesellschaft Qantas musste ihren Flug von Perth nach London umplanen. Die Maschine legt nun einen Tankstopp in Singapur ein, was die Reise um drei Stunden verlängert.

Branchenexperten rechnen mit weiter steigenden Ticketpreisen bis in den Sommer hinein – selbst wenn sich der Konflikt abschwächt.

Weltweit lösen steigende Benzin- und Dieselpreise Hamsterkäufe an den Zapfsäulen aus, Regierungen rufen zur Ruhe auf. In Australien sollen Dutzende Tankstellen, teils ganze Orte, bereits kein Benzin mehr haben; einige gewerbliche Anbieter begrenzen deshalb die Menge pro Kundin oder Kunde.

Aus Angst vor Engpässen lockert Australien seine Kraftstoffstandards und lässt wieder sogenannten „schmutzigen“ Treibstoff mit hohem Schwefelanteil zu, der mit starker Luftverschmutzung in Verbindung steht.

Im Vereinigten Königreich ruft die Regierung Autofahrer dazu auf, unnötige Fahrten zu vermeiden. Autofahrerinnen und Autofahrer könnten „auf einige nicht zwingende Fahrten verzichten und ihren Fahrstil anpassen, um Sprit zu sparen“, empfiehlt Edmund King, Präsident des Automobilclubs AA, der größten Verkehrsorganisation des Landes.

Eine Maschine von FlyDubai steht auf dem Flughafen Dubai, im Hintergrund steigt Rauch auf, nachdem eine Drohne am frühen Morgen des 16. März 2026 einen Treibstofftank getroffen hat.
Eine Maschine von FlyDubai steht auf dem Flughafen Dubai, im Hintergrund steigt Rauch auf, nachdem eine Drohne am frühen Morgen des 16. März 2026 einen Treibstofftank getroffen hat. AP Photo

Ernährungssicherheit gerät in Gefahr

Wie eng fossile Energien und Ernährungssysteme verknüpft sind, zeigt ein drastisches Beispiel aus Ägypten. Die Regierung deckelt dort den Brotpreis, aus Sorge vor weiter steigender Inflation. Hohe Treibstoffpreise schlagen auf Produktions- und Transportkosten durch und treffen Landwirte wie Verbraucherinnen und Verbraucher.

Brot ist Grundnahrungsmittel in Ägypten, dem weltweit größten Importeur von Weizen. Der Preis des Getreides sei zuletzt um etwa das Achtfache gestiegen – von rund 2.000 ägyptischen Pfund (33 Euro) pro Tonne auf 16.000 Pfund (266 Euro), sagte eine anonyme Quelle aus der Getreidebranche der Nachrichtenagentur Reuters (Quelle auf Englisch). Preisobergrenzen könnten zudem die Qualität drücken, warnte sie.

Stickstoffbasierter Dünger kommt weltweit zum Einsatz und hängt stark von Erdgas ab – als Rohstoff und als Energiequelle. Damit reagiert auch die Lebensmittelproduktion besonders empfindlich auf Preisschocks bei fossilen Energieträgern.

Die EU versucht, ihre Abhängigkeit von stickstoffbasierten Düngemittelimporten aus Russland durch einschränkende Zölle zu verringern. Gegen rasant steigende Gaspreise schützt das jedoch nicht.

In manchen Ländern wirkt sich die Krise direkter auf die Ernährungssysteme aus: Restaurants in Indien müssen ihre Speisekarten anpassen oder vorübergehend schließen, weil es an Kochgas fehlt.

„Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern setzt Volkswirtschaften, Haushaltskassen und Unternehmensbilanzen geopolitischen Schocks und Preissprüngen in einer chaotischen Welt aus“, sagt UNFCCC-Exekutivsekretär Stiell.

„Die stille Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger wird Europa dauerhaft von einer Krise in die nächste stolpern lassen – Haushalte und Industrie zahlen die Rechnung“, so Stiell weiter. „Gleichzeitig richten Klimakatastrophen weltweit immer größere Verwüstungen an, treiben die Kosten nach oben, bremsen das Wirtschaftswachstum und fordern einen hohen menschlichen Tribut.“

Subventionen für fossile Energien aus Steuergeldern verschärfen diese Verwundbarkeit noch.

„Klimapolitische Zusammenarbeit ist ein Gegenmittel gegen das Chaos dieser Zeit“, sagt Stiell. „Erneuerbare Energien drehen den Spieß um.“

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