Die Anlage bestand aus zwei Holzpfosten, die genau mit dem Sonnenaufgang im Sommer und dem Sonnenuntergang im Winter ausgerichtet waren. Das deutet darauf hin, dass die Menschen in Britannien die Sonne schon vor dem Bau von Stonehenge beobachteten.
Archäolog:innen haben in der Nähe des ikonischen prähistorischen Steinkreises von Stonehenge (Quelle auf Englisch) in Südengland eine Struktur entdeckt. Sie könnte als eine Art Prototyp für das rund 5.000 Jahre alte neolithische Monument gedient haben.
Ein Team des britischen Unternehmens Wessex Archaeology berichtet, die Anlage habe aus zwei Holzpfosten bestanden, die 120 Meter (394 Fuß) auseinanderstanden. Sie waren so ausgerichtet, dass sie direkt auf die aufgehende Sonne zur Sommersonnenwende und die untergehende Sonne zur Wintersonnenwende zeigten.
Anhand der Tiefe der Pfostenlöcher schätzen die Forschenden, dass die Holzpfosten drei bis vier Meter hoch waren.
Die Grabung leitete der Archäologe Phil Harding, den viele Menschen im Vereinigten Königreich aus der Channel-4-Serie „Time Team“ kennen.
Harding geht davon aus, dass der Platz ein Zentrum großer religiöser Zusammenkünfte war. Er entstand wohl rund 500 Jahre vor Stonehenge.
Zu den Funden gehören Keramik, Tierknochen und Werkzeuge, darunter ein seltenes scheibenförmiges Feuersteinmesser. Forschende vermuten, dass es eine symbolische Bedeutung in Verbindung mit der Sonne hatte.
„Chancen wie diese bieten sich in einer Karriere, in einem ganzen Leben vermutlich nur ein einziges Mal“, sagte Harding. „Ich bin vermutlich am Ende meiner Laufbahn angekommen. Aber zum Glück bin ich noch lange genug in der Archäologie geblieben, um an dieser Entdeckung beteiligt zu sein – sie ist eindeutig der Höhepunkt meiner Karriere.“
Die Ergebnisse wurden kurz vor der Sommersonnenwende veröffentlicht. Sie fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Jedes Jahr reisen dann Tausende nach Stonehenge, um den längsten Tag des Jahres auf der Nordhalbkugel zu feiern.
Stonehenge entstand ab etwa 3000 v. Chr. in mehreren Bauphasen auf der flachen Ebene der Salisbury Plain. Die Anlage gehört heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Großbritanniens und ist UNESCO-Welterbe.
Ihr genauer Zweck ist bis heute umstritten. Die Theorien reichen vom Sonnentempel über ein Heiligtum für Rituale bis hin zu einem astronomischen Kalender. Am weitesten verbreitet ist die Deutung, dass die Anlage auf die Sonnenwenden ausgerichtet ist.
Die ursprüngliche Ausgrabung in Bulford fand von 2015 bis 2017 statt. Danach folgten mehrere Jahre Analyse, bevor die Ergebnisse veröffentlicht wurden.
Die Grabung war Teil eines größeren archäologischen Projekts. Es begleitete ein Programm des Verteidigungsministeriums, mit dem Soldaten aus Deutschland zurückverlegt und neu untergebracht werden. Die britische Armee war dort jahrzehntelang stark präsent. In Bulford selbst befindet sich eine Kaserne.
An diesem Sonntag werden große Menschenmengen in Stonehenge erwartet, um die Sommersonnenwende zu begehen.