Die Durupınar-Formation nahe dem Ararat erinnert an ein gewaltiges Schiff. Frühere Untersuchungen widerlegten die Vermutung, dass die Arche hier gestrandet sei. Nun will ein Forscherteam noch einmal der Sache auf den Grund gehen.
In der gebirgigen Osttürkei beginnt an der Durupınar-Formation eine neue Untersuchungsphase. Seit vielen Jahren wird darüber spekuliert, ob hier die schiffsähnliche Formation ein möglicher Überrest der Arche Noah sein könnte.
Ein in der Region tätiges Team von Amateurforschern teilte mit, von den türkischen Behörden die nötigen Genehmigungen für die bislang umfassendste wissenschaftliche Studie an der Fundstelle erhalten zu haben.
Die Forscher wollen mit hochauflösenden Bildgebungssystemen, Fernerkundungstechnik, zerstörungsarmen Sondierbohrungen und einem Spezialroboter erkunden, was unter der Formation liegt. Der Roboter soll den Untergrund kartieren. Am Ende der Arbeiten hofft das Team, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob die Durupınar-Formation doch der letzte Ruheplatz der Arche Noah gewesen sein könnte. Bisherige Untersuchungen brachten dafür keine Belege zutage.
Rätsel beschäftigt Forscher seit fast einem Jahrhundert
Die Durupınar-Formation liegt rund 30 Kilometer südlich des Ararat, des höchsten Berges der Türkei.
Einer breiteren Öffentlichkeit ist das Gebiet erst vergleichsweise spät bekannt geworden. Nach lokalen Berichten legten heftige Regenfälle und Erdbeben im Jahr 1948 eine ungewöhnliche, schiffsförmige Struktur unter der umliegenden Schlammschicht frei.
Seitdem diskutieren Fachleute und Laien darüber, ob es sich um eine natürliche geologische Formation oder um die Überreste eines menschengemachten Objekts handelt. Die Mehrheit der Fachleute sieht darin eine Felsformation, die durch natürliche geologische Prozesse entstanden ist. Viele Geologen sind überzeugt, dass sich die Form der Landschaft durch Erosion und Sedimentablagerungen erklären lässt.
Bei den bisherigen Grabungen in den 1960er Jahren fand sich kein eindeutiger direkter Beweis für die Existenz der Arche Noah an diesem Ort.
Schiffsförmige Struktur weckt besonderes Interesse
Im biblischen Bericht über die Arche Noah heißt es, das Schiff sei nach der großen Flut in den "Bergen von Ararat" aufgesetzt.
Die Durupınar-Formation fasziniert vor allem deshalb, weil ihre Konturen aus der Ferne stark an ein großes Schiff erinnern. Amateurforscher verweisen außerdem darauf, dass die Ausmaße der Struktur auffallend den Maßen der Arche ähnelten, wie sie in heiligen Schriften beschrieben werden.
Nach Angaben der Bibel war die Arche Noah 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Umgerechnet entspräche das heute etwa 157 Metern Länge, 26 Metern Breite und 16 Metern Höhe.
Das Team gibt an, dass die Durupınar-Formation diesen Dimensionen grob nahekommt.
Radarscans: Team meldet Hohlräume im Untergrund
Die Gruppe "Noah's Ark Scans" untersucht die Formation seit 2019 mit verschiedenen geophysikalischen Methoden.
Nach eigenen Angaben setzte das Team bereits Bodenradar ein und scannte den Bereich bis in etwa sechs Meter Tiefe. Dabei will es Strukturen entdeckt haben, die sich nicht mit üblichen Felsformationen erklären lassen.
Auf den Radaraufnahmen seien winklige Strukturen, tunnelartige Abschnitte und größere Hohlräume zu erkennen, so die Forscher.
Andrew Jones, einer der bekanntesten Vertreter der Gruppe, erklärte, man habe rund vier Meter unter der Oberfläche einen Hohlraum identifiziert, der sich über mehr als zwölf Meter erstrecke. Gegenüber der "Daily Mail" sagte Jones, dieser Hohlraum könne mit einem tiefer gelegenen, größeren Raum verbunden sein.
Bodenanalysen befeuern die Debatte
Jones berichtet zudem von deutlichen chemischen Unterschieden zwischen dem Boden innerhalb der Formation und dem Boden außerhalb. Demnach weist der Boden im Inneren einen niedrigeren pH-Wert auf und enthält mehr organisches Material sowie Kalium. Die Forscher vermuten, dies könne auf verrottete Holzreste zurückgehen.
Nach ihrer These könnte der Zerfall eines alten Holzschiffes im Laufe der Zeit die chemischen Eigenschaften des umgebenden Bodens verändert haben.
Fachwelt bleibt skeptisch
Unabhängige Forschungsteams haben diese Deutung bislang jedoch nicht bestätigt. Die von dem Amateurteam präsentierten Radardaten und Bodenanalysen wurden noch nicht von unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtungen im Detail geprüft. Experten betonen deshalb, dass das Team bisher keine belastbaren Belege für seine These vorgelegt habe.
Neue Untersuchung: Das ist geplant
Ihre neue Studie soll die bislang umfassendste Untersuchung des Gebiets werden. Neben hochentwickelten bildgebenden Verfahren, die eine Analyse ohne großflächige Aufgrabungen ermöglichen, soll auch einen Spezialroboter namens "Gopher" eingesetzt werden. Er soll mögliche Hohlräume im Untergrund kartieren.
Außerdem sollen in begrenztem Umfang Bohrkerne entnommen werden, um mehr über den inneren Aufbau der Formation zu erfahren. Die ersten Ergebnisse sollen nach und nach veröffentlicht werden, sobald die Daten ausgewertet sind.