Ivo Vieira Silva, bekannt als 18 Karat, wurde in der Nacht auf Mittwoch abgeschoben. Er war im Dezember 2022 zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. In Portugal ist er nun frei, doch bei einer Rückkehr nach Deutschland müsste er den Rest der Strafe absitzen.
Der portugiesische Rapper 18 Karat ist in der Nacht zu Mittwoch per Flugzeug von Deutschland in sein Herkunftsland Portugal abgeschoben worden. Seine Familie wurde inzwischen über seinen Aufenthaltsort informiert.
„Er konnte heute Morgen [Mittwoch] Kontakt zu seiner Familie aufnehmen und sie über Zeit und Ort seiner Ankunft informieren“, sagte Lisa Grüter, die Anwältin des Musikers, zitiert von Die Zeit. Die Stadt Dortmund bestätigte der dpa die Abschiebung. Dorthin war der heute 40-jährige Rapper als Jugendlicher mit seiner Familie gezogen.
Die Behörden brachten den Künstler ohne sein Mobiltelefon aus Deutschland heraus. Erst nach der Landung in Portugal durfte er seine Angehörigen anrufen.
Euronews kontaktierte am Mittwoch die Polícia de Segurança Pública (PSP), die in Portugal für die Kontrolle der Flughafengrenzen zuständig ist, sowie das Außenministerium, um Details zur Operation und zur rechtlichen und sozialen Lage von 18 Karat zu klären. Auf die gestellten Fragen gab es jedoch keine Antworten.
Ivo Vieira Silva, so sein bürgerlicher Name, verbüßt seit 2022 eine Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten wegen mehrerer schwerer Drogendelikte. Die Stadt Dortmund hatte bereits im August 2025 angekündigt, einen Abschiebungsantrag zu stellen. Die deutsche Justiz ordnete schließlich die unmittelbare Ausweisung an.
Unter Anrechnung der Untersuchungshaft, die seit seiner Festnahme im Juni 2022 lief, hatte der Rapper rund vier Jahre der Strafe verbüßt. Nachdem ein geplanter Hafturlaub kurzfristig gestrichen worden war, verlegte die Anstalt den Portugiesen in einen anderen Trakt – ein Hinweis darauf, dass die Abschiebung unmittelbar bevorstand.
Nach Angaben seiner Anwältin saß der Musiker im teiloffenen Vollzug und stand kurz vor dem Abschluss einer Ausbildung zum Maler und Lackierer. In wenigen Wochen hätte die deutsche Justiz eigentlich prüfen sollen, ob der Rest der Strafe zur Bewährung und gegen Kaution ausgesetzt werden kann.
„Aus meiner Sicht hätte diese Entscheidung Vorrang haben müssen“, erklärte die Anwältin laut Die Zeit. Die sofortige Abschiebung nannte sie eine „Schande für den Rechtsstaat“. Mit der Ausweisung geht ein deutlich längeres Wiedereinreiseverbot für Deutschland einher.
In Portugal bleibt der Künstler auf freiem Fuß, seine Strafe gilt durch die Abschiebung jedoch nicht als erledigt. Sollte er nach Deutschland zurückkehren, würde er sofort festgenommen, um die noch offenen zwei Jahre Haft abzusitzen. Gleichzeitig entzogen sie ihm das Recht auf freie Bewegung innerhalb der Europäischen Union.
„Zwingende Gründe der öffentlichen Ordnung“
Ivo Vieira Silva legte gegen die von den Dortmunder Behörden verfügte Abschiebung Rechtsmittel ein.
Vor Gericht führte er an, er stehe in engem Kontakt zu seiner Familie und zu seiner kleinen Tochter Amalia. Außerdem habe er eine deutsche Partnerin, mit der er in Kürze ein zweites Kind erwarte.
Der Rapper argumentierte, diese familiäre Situation und seine aktuelle Haft zeigten, dass er nicht in die Kriminalität zurückfallen werde und daher keine Gefahr darstelle.
Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ließ sich davon jedoch nicht überzeugen und wies die Klage ab. Die Richter verwiesen auf „zwingende Gründe der öffentlichen Ordnung“ und darauf, dass Drogenhandel gravierende Folgen für die Gesellschaft habe. Bei einem Polizeieinsatz gegen den Portugiesen stellten Ermittler fast zwölf Kilogramm Cannabis, kleinere Mengen Ecstasy und Haschisch sowie zwei illegale Plantagen sicher.
Außerdem sah das Gericht ein konkretes Rückfallrisiko. Der Rapper habe nicht gezeigt, dass er mit dem Netzwerk gebrochen habe, mit dem er die Taten begangen habe.
Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen bestätigte die Entscheidung der ersten Instanz am Dienstag in einem Eilverfahren.
Aushängeschild des deutschen Rap
Ivo Vieira Silva trat im Jahr 2015 mit seinem Debütalbum „FSK 18 Brutal“ auf der deutschen Rap-Bühne in Erscheinung. Mehrere seiner Songs verzeichnen auf Spotify zwischen 10 und 30 Millionen Streams.
Der für seine goldene Maske bekannte Rapper konnte seine wahre Identität rund ein Jahrzehnt lang geheim halten, obwohl er durch die Zusammenarbeit mit dem Label Banger Musik große Bekanntheit erlangte.
Im Jahr 2025 entschied er sich, Name und Nationalität offenzulegen. Er stammt aus Portugal, das auch seinen Pass ausgestellt hat, dürfte nach Angaben des deutschen Portals Raptastisch jedoch bosnische Wurzeln haben. Die Seite berichtet über Prominente aus der Rap-Szene.
Im vergangenen Jahr wurde er während seiner Haft zum ersten Mal Vater. Er durfte das Gefängnis verlassen, in dem er zuvor seine deutsche Partnerin Maya geheiratet hatte, um bei der Geburt der gemeinsamen Tochter Amalia Adriana dabei zu sein. Das zweite Kind des Paares, das bei einem weiteren Hafturlaub gezeugt wurde, soll im September 2026 zur Welt kommen.
Die Ehefrau von 18 Karat hatte bereits angekündigt, das Paar wolle nach seiner Entlassung nach Portugal umziehen. Ihr Mann könne „überall auf der Welt Musik machen“, sagte sie.