Inês de Medeiros, die Bürgermeisterin von Almada, hat wegen Versorgungsproblemen Alarm ausgelöst. Anwohner fordern schnelle Lösungen. Offenbar hat die Stadt die Instandhaltung der Wasserleitungen schleifen lassen.
Seit mehreren Tagen leidet der Kreis Almada unter Störungen in der Wasserversorgung. Besonders dramatisch ist die Lage in einigen Kommunen, vor allem in Costa da Caparica, rund 16 Kilometer von Lissabon entfernt.
Der Atlantik liegt direkt vor der Tür, Costa da Caparica ist ein Fischereistandort und stark vom Tourismus geprägt. Die Stadt gehört zu den am stärksten betroffenen Gebieten: Die wiederholten Ausfälle bringen Bewohnerinnen und Bewohner ebenso in Bedrängnis wie Geschäftsleute. Am Dienstag musste das örtliche Gesundheitszentrum wegen Wassermangels schließen.
Bewohner sitzen auf dem Trockenen
„Ich war fast 24 Stunden ohne Wasser“, sagt Ana Paula Machado, die in Costa da Caparica lebt, Euronews. Sie berichtet, dass sich die Lage in den vergangenen Tagen zugespitzt hat und dass die wiederkehrenden Ausfälle seit mindestens zwei Wochen dauern.
Sie belastet vor allem die Ungewissheit, ob und wann überhaupt Wasser zur Verfügung steht. „Wichtig wäre, dass die Versorgung zumindest planbar ist. Dass die Menschen wissen: Zwischen dieser und jener Uhrzeit haben sie Wasser“, so Machado.
Die Bewohnerin hat beobachtet, dass mehrere Betriebe zeitweise schließen mussten, vor allem Restaurants. Gleichzeitig warMineralwasser in den Supermärkten zeitweise kaum zu bekommen: „Es gab kein Wasser, weder in Costa noch in den umliegenden Orten“, erzählt sie. Sie selbst hatte Vorräte zu Hause und musste nichts nachkaufen, hörte aber von vielen, die dringend Wasser brauchten und keines fanden.
Marode Leitungen längst bekannt
So ungewöhnlich und gravierend die aktuelle Lage auch ist, Probleme mit Wasser und Versorgung sind für die Menschen dort nicht neu. Für Ana Paula ist es „unverzeihlich“, dass nichts unternommen wurde, um das Versorgungsnetz des Kreises zu verbessern.
„Ich kann es nicht akzeptieren, und niemand kann das, dass etwas, das seit Jahren bekannt ist und immer wieder angemahnt wurde, nicht gelöst wird. Alle wissen genau, dass die Leitungen marode sind, dass alles nur notdürftig geflickt ist – und trotzdem passiert nichts“, sagt sie.
Die Engpässe trafen den Kreis, als Portugal unter einer starken Hitzewelle litt und die Temperaturen weiter hoch blieben. Das führte zu einem Protest mit Hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Geplant war ursprünglich eine stille Menschenkette. Am Ende wurde es eine lautstarke Demonstration, bei der die Teilnehmer den Verkehr am Ortseingang blockierten.
Einwohner drohen mit lautstarken Protesten
„Heute haben alle außer Costa kein Wasser“, erklärt Emanuel Rodrigues. In Costa da Caparica lief am Morgen wieder Wasser aus den Leitungen.
Rodrigues lebt dort und ist Unternehmer. Er betont, dass nur dieser Stadtteil öffentlich protestiert habe. „Wenn es wieder zu Wasserknappheit kommt, wird hier nicht mehr diskutiert, dann machen wir Lärm“, sagt er Euronews.
Der Eigentümer eines Friseursalons berichtet, Probleme mit der Wasserversorgung habe es zwar immer gegeben, doch in diesem Jahr habe die Situation eine neue Dimension erreicht:
„Die Wasserversorgung in Costa war schon immer fragil, aber so einen Sommer hatten wir noch nie. Ich bin 35 Jahre alt und kann mich an keinen Sommer wie diesen erinnern. Ausgerechnet in der Hitzeperiode stehen die Wasserhähne völlig trocken. Es kommt kein Tropfen Wasser aus der Leitung, von Fonte da Telha bis Cova do Vapor“, sagt er.
Almada ruft Alarmstufe aus
Nach Tagen anhaltender Beschwerden aktivierte die Stadtverwaltung den Notfallplan der SMAS und richtete am Montag einen Krisenstab ein. Am Mittwoch verhängte Bürgermeisterin Inês de Medeiros den Alarmzustand für den gesamten Kreis – die bislang schärfste Stufe.
Nach Angaben der Stadt ist die aktuelle Situation „außergewöhnlich“ und Folge eines sehr starken Anstiegs des Wasserverbrauchs, der Druck auf das Versorgungssystem ausübt wie nie zuvor.
Verbrauch deutlich über dem Durchschnitt
Die Stadtverwaltung erklärt, der durchschnittliche Verbrauch im Kreis liege bei mehr als 300 Litern pro Einwohner und Tag, deutlich über dem Landesdurchschnitt von 180 Litern. Bis Juni 2026 sei der Verbrauch im Mittel um 4,3 Prozent gestiegen. Die größten Zuwächse wurden laut Stadt in den Gemeinden Charneca de Caparica, Sobreda/Lazarim und Costa da Caparica verzeichnet.
In einer Mitteilung betont das Rathaus, es sei „entscheidend, den Verbrauch schnell zu senken“, um die Sicherheitsreserven in den Speichern wieder aufzufüllen und eine kontinuierliche Versorgung zu gewährleisten.
Der Alarmzustand bringt eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen und Regeln für die Netzbewirtschaftung. So sind nicht häusliche Nutzungen wie Autowäschen, Bewässerung von Gärten und Golfplätzen, das Füllen von Schwimmbecken und Zierbrunnen sowie das Reinigen von Außenflächen verboten.
Die Stadt ordnete eine permanente Verstärkung der Überwachung des Versorgungssystems und der Füllstände der Reservoirs an. Technische Teams sollen Lecks schneller entdecken und reparieren, zusätzliche Kontrolleure sollen übermäßigen Verbrauch und Verschwendung verhindern.
Für besonders sensible Zonen wurden alternative Versorgungswege angekündigt, etwa Tanklastwagen. In bestimmten Gebieten wurde zudem der Wasserzufluss komplett unterbrochen, von 22 Uhr am Mittwoch bis sechs Uhr am Donnerstagmorgen.
Kommunale Wasserspeicher nur zu 10 Prozent gefüllt
In einem Video, das die Stadtverwaltung in den sozialen Netzwerken veröffentlichte, warnt Inês de Medeiros, dass die Wasserspeicher des Kreises nur zu zehn Prozent gefüllt sind. Eigentlich müssten sie bei 60 Prozent liegen – eine Realität, die sie als „einfach, aber schwierig“ beschreibt. Sie kündigte strategische Abschaltungen an, um das Problem anzugehen und die Versorgung mit Wasser und grundlegenden Diensten zu sichern.
Nach Einschätzung der Bürgermeisterin werden die nächsten zwei Wochen „weiter schwierig“.
Gegenüber dem Sender RTP erklärte Inês de Medeiros außerdem, die Stadt sei von „Abzweigungen im Netz“ überrascht worden. Sie habe bereits mit der Umweltministerin gesprochen und betont, entgegen den Aussagen von Maria da Graça Carvalho, dass Investitionen in das Netz sehr wohl vorgeschlagen worden seien.
„Im PTRR war das erste, was wir vorgelegt haben, ein Investitionspaket von 10,7 Millionen Euro, um das Netz zu stärken“, sagte die Bürgermeisterin im portugiesischen Fernsehen.
Umweltministerin wirft Stadt fehlende Investitionen vor
„Almada ist vielleicht der Kreis mit den größten Wasserverlusten, deutlich über dem Durchschnitt, mit mehr als 35 Prozent. Es besteht ein klarer Bedarf an Wartung und Investitionen“, sagte die Ministerin laut Agentur Lusa in Évora gegenüber Journalistinnen und Journalisten.
Sie betonte zudem, die Verantwortung für die Wasserversorgung liege bei der Stadt und den Diensten der SMAS. Die Regierung habe keinen „einzigen Hinweis“ auf die sich bereits verschärfenden Probleme gehabt.
„Wir hatten keine Warnung der Stadt Almada über Probleme und keinen Antrag“, erklärte sie. Der erste Kontakt sei ein Telefonat am Montag mit Vizebürgermeister Filipe Pacheco gewesen, in dem es um die Genehmigung neuer Brunnen gegangen sei.
Maria da Graça Carvalho ging noch weiter und warf der Stadt vor, „die notwendigen Investitionen“ in das Versorgungsnetz nicht getätigt zu haben. Zwar gebe es „Finanzierung über verschiedene operationelle Programme im Rahmen von Sustentável 2030“, doch müsse die Stadt sich darum bemühen. „Es ist nötig, Projekte einzureichen, zu verhandeln und anschließend Ausschreibungen zu starten. So bereitet man die Zukunft vor“, sagte sie.