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Teile des ältesten bekannten Friedensvertrags im türkischen Çorum entdeckt

Hattuscha: Archäologen legen neue Tontafel frei
Hattuša: Neue Tontafel entdeckt Copyright  Kültür ve Turizm Bakanlığı
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Von Cagla Uren
Zuerst veröffentlicht am
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In Hattuşa bei Çorum identifizieren Forschende eine Keilschrifttafel als akkadische Version des Kadesch-Friedensvertrags von König Hattušili III. und Pharao Ramses II.

In der ehemaligen Hauptstadt der Hethiter Hattuşa ist ein rund 3.200 Jahre altes Fragment des Kadesch-Vertrags entdeckt worden – des ältesten bekannten schriftlichen Friedensabkommens der Geschichte.

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Im Hattuşa-Ausgrabungsgebiet bei Çorum im Norden der Türkei legte ein Team eine Keilschrifttafel frei. Nach wissenschaftlichen Analysen gehört sie zu einer akkadischen Fassung des Kadesch-Friedensvertrags zwischen dem hethitischen König III. Hattuşili und dem ägyptischen Pharao II. Ramses.

Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy gab den Fund am Weltfriedenstag, dem 21. September, bekannt.

Besonders interessant ist, welche Passagen sich auf der Tafel erhalten haben. Sie regeln den Status von Menschen, die zwischen den beiden Reichen geflohen sind. In den lesbaren Zeilen geht es um ihre Rückgabe, aber auch darum, dass die Häuser dieser Personen nicht zerstört werden dürfen.

Fund nahe des hethitischen Königspalasts

Das Fragment stammt aus Grabungen in der Büyükkale-Zone, der königlichen Burg von Hattuşa, nahe dem sogenannten E‑Bau.

Nur eine Seite der Tafel blieb erhalten. Forschende untersuchten die Inschrift rund ein Jahr lang und kamen dann zu dem Schluss, dass sie zum Kadesch-Friedensvertrag gehört.

Nach Angaben des Ministeriums decken die lesbaren Zeilen Themen ab, die in den Artikeln zwölf bis 20 des Vertrags behandelt werden.

Da das Stück unvollständig ist, lässt sich der Text nicht vollständig rekonstruieren. Eine vollständige akademische Transkription und Übersetzung der neuen Tafel liegt noch nicht vor.

Bekannte Abschriften des Vertrags helfen jedoch, den Kontext dieser Bestimmungen einzuordnen.

Gleichzeitig wäre es irreführend, diese Klauseln als modernes „Flüchtlingsrecht“ oder „Asylrecht“ zu verstehen. Die Regeln formulieren gegenseitige diplomatische Verpflichtungen der beiden Herrscher zur Auslieferung von Geflüchteten.

Von der Schlacht bei Kadesch zum Friedensvertrag

Hinter dem Kadesch-Vertrag steht ein langer Machtkampf zwischen Ägypten und dem hethitischen Reich um die Kontrolle im östlichen Mittelmeerraum, besonders über Gebiete im heutigen Syrien.

Um 1274 v. Chr. traf das ägyptische Heer unter Ramses II. nahe Kadesch auf die Truppen des hethitischen Königs Muvatalli II.

In der Schlacht bei Kadesch, einem der berühmtesten Kriege der Antike, errang keine Seite einen klaren Sieg. Der Wettstreit um Einfluss in der Region ging danach weiter.

Erst rund 15 Jahre später schlossen Ramses II. und Hattuşili III., der Nachfolger Muvatallis II., einen offiziellen Friedensvertrag.

Der Kadesch-Friedensvertrag, datiert auf etwa 1259 v. Chr., soll friedliche Beziehungen zwischen den beiden Mächten sichern. Er sieht gegenseitige Hilfe vor und legt fest, wie geflohene Personen ausgeliefert werden – samt entsprechender Verpflichtungen für beide Seiten.

Original auf Silbertafeln festgehalten

Die diplomatischen Originale des Vertrags wurden auf Silbertafeln geschrieben. Diese Tafeln sind jedoch nicht erhalten geblieben. Der Text überdauerte trotzdem in den Archiven beider Reiche.

Die ägyptische Version ist in Hieroglyphen auf Tempelwänden verewigt. In den hethitischen Archiven fanden sich Abschriften auf Tontafeln, verfasst in Akkadisch, der damaligen Sprache der internationalen Diplomatie.

Die ersten Tonfragmente des Vertrags kamen bei Grabungen in Hattuşa zwischen 1906 und 1912 ans Licht.

Heute liegen Teile des Vertrags in den Archäologischen Museen Istanbul und im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara, außerdem im Vorderasiatischen Museum in Berlin und im Eremitage-Museum in St. Petersburg.

Eine Kopie des Kadesch-Vertrags hängt zudem im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York – als historische Symbolfigur internationaler Diplomatie.

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