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Aus der Coronakrise wird eine Armutskrise

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Von Hans von der Brelie  & Johannes Pleschberger, Sabine Sans
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Wien, die Weltstadt mit Herz für Touristen und Investoren, hat auch Schattenseiten. COVID hat dazu beigetragen, dass sich die Situation für sehr viele Menschen drastisch verschlechtert hat. Menschen, die sich bislang aus eigener Kraft im Leben zurechtfanden, ihr Auskommen hatten, ihren Lebensunterhalt verdienten, stehen auf einmal auf der Straße, sind abhängig von konkreter Hilfe, brauchen eine Notunterkunft, eine warme Mahlzeit. COVID hat das Armutsproblem brutal verschärft. Interview mit Tanja Wehsely, Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien:

"Wir stehen vor einer unserer Obdachloseneinrichtungen. Wir haben hier ein Notquartier und auch ein Tageszentrum, das heißt Menschen, die auf der Straße sind und rasch etwas brauchen, die kommen hierher. Jetzt wird das unter Corona-Maßnahmen betrieben. Das ist ganz sicher auch ein europäisches Problem. Die Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt, ganz egal, ob es um Miete oder um Eigentum geht, werden die Menschen in ganz Europa treffen. Wenn jemand arbeitslos wird, kann er manchmal die Miete nicht mehr bezahlen - oder der Kredit kann nicht mehr bedient werden. Wohnungslosigkeit, bzw. drohende Wohnungslosigkeit ist eine der großen europäischen Fragen."

Das nächste große Problem: Wohnung und Heim zu verlieren

Wir benötigen Soforthilfen, um Wohnungen zu sichern, Delegierungen zu verhindern, da muss man an einem Strang ziehen. Wohnen ist zwar in nationaler Kompetenz, ich hoffe trotzdem, dass sich die EU da was einfallen lassen wird. Das wird sonst eine Dimension annehmen, die wir neben der hohen Arbeitslosigkeit in Europa so in Österreich, in Wien bislang nicht kennen. Wien ist traditionell eine Stadt mit sehr hohem Mietanteil, auch der Anteil an öffentlichem Wohnungsbestand ist hoch, das ist eine gewisse Sicherheit, aber davon einmal abgesehen ist für Menschen ohne Arbeit das nächste große Problem: Wohnung und ihr Heim zu verlieren.

Nur Reiche kommen unbeschadet durch die Krise

Durch diese Krise kommen nur Reiche unbeschadet, Wohlhabende und Reiche. Das ist so. Die Corona-Krise ist eine Armutskrise, die eine Krise beim Wohnen auslösen wird. Noch einmal: da kommen nur Reiche und Wohlhabende gut durch und solche, die einen gesicherten Arbeitsplatz haben, der gehalten wird, das ist meistens ein Arbeitsplatz in der öffentlichen Hand, also Städte, Regierungsinstitutionen, der Staat. Das sind in der Krise die sicheren Häfen. Alle anderen, von arm bis Mittelstand, wird es schwer treffen, weil eben auf die Gesundheitskrise die Armutskrise folgen wird. Arbeitslosigkeit löst aus, dass man kein Geld hat, löst aus, dass man keine Kredite zahlen kann, keine Mieten - als Nächstes steht dann Wohnungslosigkeit vor der Tür, in ganz Europa, in einem Ausmaß, wie wir es bislang noch nicht kennengelernt haben.

Die "neuen Armen" kommen auch aus dem Mittelstand

Das Neue an der Corona-Krise ist, dass es jetzt nicht nur Menschen trifft, die vorher schon armutsgefährdet waren, die schwer durch ihr Leben gekommen sind, auf Unterstützung angewiesen waren, auch von der Volkshilfe, sondern es trifft auch Menschen wie Du und ich, den Mittelstand, Ein-Personen-Unternehmen, Geschäftstreibende, Menschen, die gute Jobs gehabt haben und durchgekommen sind, die jetzt in der Arbeitslosigkeit gelandet sind, möglicherweise in der Kurzarbeit. Das Geld reicht nicht mehr, die Geschäfte sperren zu. Wir (bei der Volkshilfe) haben einen Zulauf von über 70 Prozent mehr Menschen, die zu uns kommen, um Soforthilfe zu erhalten, Lebensmittelhilfe. Es stehen Menschen in der Schlange, die sich nie in ihrem Leben gedacht haben, dass sie einmal auf Lebensmittelpakete angewiesen sein würden für sich und ihre Familien.

Die Krise wird uns sicher noch drei bis fünf Jahre begleiten. Die Arbeitslosigkeit: es wird noch viele Jahre brauchen, um die wieder auf ein niedriges Niveau zurückzuführen. Es werden Unternehmen Insolvenz anmelden, Unternehmen werden Pleite gehen - das wird den Otto Normalverbraucher treffen - auch in einem Land wie Österreich."

Wer die Volkshilfe Wien mit einer Spende unterstützen möchte:

Bank Austria IBAN: AT25 1200 0006 6910 0000 | BIC: BKAUATWW

P. S. K. IBAN: AT55 6000 0000 0154 9900 | BIC: BAWAATWW

Erste Bank IBAN: AT05 2011 1800 8048 0000 | BIC: GIBAATWW