Covid-19 in China: EU ruft zu Tests von einreisenden Flugpassagieren auf

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Von Ana LAZARO  & Euronews
Testeinrichtungen an Flughäfen
Testeinrichtungen an Flughäfen   -   Copyright  Alessandra Tarantino/Copyright 2022 The AP.

Zu Beginn der Pandemie taten sich die 27 EU-Staaten oft schwer, geschlossen zu reagieren. Nun rollt eine Corona-Welle durch China - und Europa sucht nach der richtigen Antwort.

Die Europäische Union gibt jetzt eine dringliche Empfehlung an die Mitgliedsländer aus, dass alle Reisenden aus China vor der Einreise einen Covid-Test vorlegen müssen. Die Entscheidung wurde bei einem Treffen des Krisenreaktionsgremiums der 27 Mitgliedstaaten in Brüssel getroffen.

Die Vereinbarung umfasst auch andere Maßnahmen: Eine Maskenpflicht auf Flügen aus China, die Überwachung von Abwässern von Flugzeugen und eine verstärkte Sequenzierung von Virusvarianten.

Ziel ist die schnelle Entdeckung neuer Varianten aus China, da es Zweifel an der Transparenz Pekings in Bezug auf die Covidsituation gibt.

Europas Ziel kann nicht sein, die Varianten fernzuhalten, die in China auftauchen könnten, so etwas hat noch nie funktioniert.
Marc Van Ranst
Virologe an der KU Leuven

Marc Van Ranst, Virologe KU Leuven, erläutert den Hintergrund der Maßnahmen: "Europas Ziel kann nicht sein, die Varianten fernzuhalten, die in China auftauchen könnten oder werden, das ist einfach nicht möglich, so etwas hat noch nie funktioniert. Die Varianten, die irgendwo auf dem Planeten entstanden sind, haben Europa immer erreicht... Das Ziel ist also eine epidemiologische Überwachung, damit wir wissen, wenn irgendwo eine neue Variante relativ schnell auftaucht. Wenn es also notwendig ist, zum Beispiel neue Impfstoffe zu entwickeln, dann haben wir einen Vorsprung."

Knapp einen Monat nach dem Ende der fast drei Jahre verfolgten Null-Covid-Strategie haben sich in der Volksrepublik bereits einige Hundert Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Der riesige Ausbruch soll den Erwartungen nach noch bis März oder April andauern. Genaue Zahlen liegen nicht vor, weil die Behörden aufgehört haben, epidemiologische Daten zu veröffentlichen.

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC gab mit Blick auf die Lage in China dagegen Entwarnung. Die Varianten in der Volksrepublik seien auch in der EU schon im Umlauf und stellten deshalb keine Herausforderung für die Immunantwort von EU-Bürgern dar. Die Lage in China habe voraussichtlich keine Auswirkungen auf die epidemiologische Situation in Europa.

Die Weltgesundheitsorganisation zeigte dagegen Verständnis für Länder, die Testvorschriften für Reisende aus China eingeführt haben - und forderte erneut mehr Informationen von den chinesischen Behörden. 

"Wir fordern von China weiterhin schnellere, regelmäßige und verlässliche Daten über Krankenhauseinweisungen und Todesfälle sowie eine umfassendere Sequenzierung von Viren in Echtzeit", so WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Weil die Viruszirkulation in China so hoch ist und umfassende Daten nicht geliefert werden, ist es verständlich, dass einige Länder Maßnahmen ergreifen, um ihre eigenen Bürger zu schützen.
Mike Ryan
WHO-Nothilfekoordinator

Kernziel des Treffens war Koordination, kein Land kann die Aufhebung der Reisebeschränkungen in China allein bewältigen. Ab dem 8. Januar, wenn die Reisebeschränkungen aufgehoben werden, könnten Millionen chinesische Reisende in die EU kommen. Die europäischen Richtlinien wurden beschlossen trotz Drohungen aus Peking mit nicht näher genannten Gegenmaßnahmen. China ist der Auffassung, die europäischen Maßnahmen hätten keine wissenschaftliche Grundlage und seinen „diskriminierend“.