Der fünfjährige Transitvertrag läuft am Neujahrstag aus.
Die Ukraine hat den Gastransit aus Russland gestoppt. Damit endet eine fünfjährige Vereinbarung, die 2019 unterzeichnet wurde und Moskau erlaubte, Flüssiggas (LNG) über die Ukraine an die Europäische Union zu exportieren.
Das Abkommen war äußerst lukrativ, da es dem Kreml Einnahmen in Milliardenhöhe und Kyjiw Transitgebühren einbrachte.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bereits vor einigen Monaten angekündigt, dass er das Abkommen nicht verlängern wird. Er begründete seine Entscheidung damit, dass Russland nicht "weitere Milliarden an unserem Blut verdient".
Die Unterbrechung der ältesten Gasroute Russlands nach Europa beendet ein Jahrzehnt turbulenter Beziehungen zum Kontinent, die 2014 mit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim begannen.
Seit dem großangelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 bemüht sich die EU verstärkt darum, ihre Abhängigkeit von russischer Energie zu verringern. Aus Brüssel veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass russisches Gas im Jahr 2023 etwa 8 Prozent der gesamten Gasimporte der EU ausmachen wird. Im Jahr 2021 lag dieser Anteil noch bei über 40 Prozent.
Die EU suchte nach alternativen Energiequellen in Katar und den Vereinigten Staaten. Der Wechsel war offensichtlich effizient, da Gazprom zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahrzehnten einen Verlust von 7 Milliarden Dollar (6,73 Milliarden Euro) verzeichnete.
Obwohl Brüssel seine Einfuhren von russischem Gas deutlich reduziert hat, sind einige östliche EU-Mitgliedstaaten nach wie vor weitgehend davon abhängig.
Länder wie Österreich und die Slowakei importieren nach wie vor große Mengen an russischem Gas, was Moskau Einnahmen in Höhe von etwa 5 Milliarden Euro beschert.
Nach Angaben Wiens sind keine Versorgungsunterbrechungen zu erwarten, da das Land seine Quellen diversifiziert hat, indem es Flüssiggas über Italien und Deutschland importiert und eine gesunde Reserve angelegt hat.
Die Slowakei hat sich ebenfalls vorbereitet und meldete kein Defizit, obwohl Bratislava nun zusätzliche Transitgebühren für alternative Routen zahlen muss.
Auch andere europäische Länder, die nicht Mitglied der EU ist, werden voraussichtlich betroffen sein. Die Republik Moldau, einst Teil der Sowjetunion, wird voraussichtlich erhebliche Verluste erleiden.
Die Auswirkungen auf Europa
Die EU hat trotz aller Bemühungen die Auswirkungen des Energiewechsels zu spüren bekommen. Energiekosten sind in die Höhe geschnellt und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents im Vergleich zur westlichen Konkurrenz in den Vereinigten Staaten und zur östlichen Konkurrenz in China wurde beeinträchtigt.
Die Ukraine wird jährlich etwa 1 Milliarde Euro an Transitgebühren verlieren, ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zu den 5 Milliarden Euro, die Gazprom durch das Abkommen an Einnahmen verlieren dürfte.