Zählt die EU noch, wenn Macht immer öfter internationales Recht aushebelt?
Zu Gast sind Henrik Dahl, dänischer EU-Abgeordneter von der Europäischen Volkspartei (EVP), und Lina Gálvez, spanische EU-Abgeordnete von der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D). Die beiden streiten über Europas geopolitische Ambitionen, das Innenleben der EU und das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten.
„Eine regelbasierte internationale Ordnung hat es nie gegeben. Neu ist nur, dass wir es zugeben“, ist Henrik Dahl überzeugt. Der Däne warnt, der Einfluss der EU sei begrenzt: Sie hänge von der NATO ab und verfalle zu oft auf Erklärungen und Resolutionen statt auf Taten. „Wladimir Putin fürchtet keine Resolutionen oder scharf formulierten Briefe“, sagt er in The Ring.
Lina Gálvez wirft der EU dagegen vor, den eigenen Prinzipien nicht gerecht zu werden. „Wenn wir sagen, wir stehen für Multilateralismus und Völkerrecht, dann müssen wir uns auch so verhalten“, sagt sie und nennt die Reaktion der EU auf Venezuela widersprüchlich.
Die Runde streift auch Grönland und die NATO. Das wirft heikle Fragen zu Europas Sicherheitsgarantien auf. „Unter normalen Umständen würden wir bei einem Angriff auf Grönland Artikel fünf ausrufen“, sagt Dahl. „Aber wenn die Vereinigten Staaten Grönland angriffen, wären sie zugleich diejenigen, die es garantieren sollen.“
Trotz aller Differenzen sind sich beide einig: Europas Bedeutung ist nicht garantiert. „Wir werden um unsere Relevanz kämpfen müssen“, so Dahl. „Die neue Währung ist nackte Macht.“
Gálvez argumentiert, die Strukturen der EU kämen mit dem globalen Wandel kaum hinterher. Europa müsse geschlossen auftreten, um die Macht zu nutzen, die es als Markt und politischer Akteur bereits hat.
Sehen Sie The Ring auf Euronews TV oder im Player oben.
The Ring wird moderiert von Méabh Mc Mahon, produziert von Luis Albertos Altarejos und Amaia Echevarria. Schnitt: Zacharia Vigneron.