Die Schwerindustrie braucht mehr Infos, um ihren mittel- und langfristigen Fahrplan für die Dekarbonisierung zu entwickeln. Sie braucht auch Unterstützung.
Die schwedische Agentur für wirtschaftliches und regionales Wachstum, Tillväxtverket, verwaltet EU-Hilfen, damit große Unternehmen in Norrbotten, einer schwedischen Region an der Grenze zu Finnland, ihre Kohlenstoffemissionen reduzieren können, ohne an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren oder Arbeitsplätze abzubauen. Sie begleitet diesen Übergang in Stahlwerken wie dem in Luleå, aber auch in Zementwerken und anderen metallurgischen Betrieben. Kristin Hedström, Projektleiterin bei der Agentur, erklärt: „Die Industrie führt den Übergang an. Sie stellt fest, dass der Staat kaum hinterherkommt. Die Branche will also diesen Übergang. Sie weiß, dass dies auch wegen der auf EU- und nationaler Ebene geltenden Klimaziele notwendig ist. Es ist also nur eine Frage der Zusammenarbeit, um dies zu ermöglichen. Und die Industrie verlangt wirklich nach langfristiger Klarheit bei den Regeln und Vorschriften. Sie will Klarheit, und zwar für einen langen Zeitraum: Wann werden die Emissionen reduziert, um wie viel, welche Vorschriften werden gelten, welche anderen Arten von Regeln müssen eingehalten werden. Und diese Branchen haben sehr langfristige Investitionszyklen, also vielleicht zwanzig Jahre oder so. Sie fordern daher wirklich langfristige Klarheit.“
Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 kohlenstoffneutral zu werden. „Die Emissionen gehen in Schweden insgesamt zurück. Und es ist ganz klar, dass es auch keine andere Wahl gibt. Wenn Sie also in der Branche bleiben wollen, müssen Sie Ihre Umstellung auf umweltfreundliche Technologien bewältigen, ohne dabei Ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Aber auch für kleinere Unternehmen kann es eine Herausforderung sein, wenn sie sich mit vielen neuen Vorschriften und Änderungen auseinandersetzen müssen. Ich denke, wir werden in Zukunft weitere Herausforderungen für sie sehen,“ prophezeit sie.
Um den Europäischen Green Deal zu verwirklichen und Klimaneutralität zu erreichen, hat die Europäische Kommission einen Mechanismus eingerichtet, um die Regionen und Sektoren zu unterstützen, die am stärksten von fossilen Brennstoffen abhängig und von diesem Übergang am meisten betroffen sind. Kristin Hedström erklärt: „Ich denke, der Just Transition Fund hat uns eine neue Perspektive gegeben, um mit den Bedürfnissen der Arbeitnehmer und der Region zu arbeiten. Anstatt alles von oben nach unten zu präsentieren, haben wir uns die Bedürfnisse hier angeschaut und diejenigen identifiziert, die am meisten vom grünen Wandel betroffen sind, und das war ein willkommenes neues Element in der EU-Zusammenarbeit.“