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Europas Stahlwende? Frankreich steckt 1,3 Milliarden in "grünen Stahl"

Die Investition von 1,3 Milliarden Euro wird den Bau eines riesigen Elektrolichtbogenofens ermöglichen.
Die Investition von 1,3 Milliarden Euro wird den Bau eines riesigen Elektrolichtbogenofens ermöglichen. Copyright  Copyright 2008 AP. All rights reserved.
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Von Célia Gueuti
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In Anwesenheit von Präsident Emmanuel Macron hat ArcelorMittal in Dünkirchen ein Milliardenprojekt offiziell gemacht. Der Konzern plant dort einen riesigen Elektrolichtbogenofen, der zum größten seiner Art in Europa werden könnte und die Stahlproduktion grundlegend verändern soll.

Was im Mai 2024 angekündigt wurde, ist nun offiziell: Am 10. Februar 2026 machte ArcelorMittal seine Investitionspläne für das Werk in Dünkirchen endgültig. In Anwesenheit von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissar Stéphane Séjourné und mehreren Ministern ratifizierte der Konzern eine Investition von 1,3 Milliarden Euro.

Nach Angaben des Unternehmens soll das Geld den Bau eines großen Elektrolichtbogenofens ermöglichen. Er soll eine Kapazität von zwei Millionen Tonnen pro Jahr haben und 2029 in Betrieb gehen. Ziel ist es, Stahl ohne Kohle herzustellen. Deren Verbrennung verursacht hohe CO2-Emissionen und trägt zur Erderwärmung bei.

Der Elektrolichtbogenofen ist Teil einer Konzernstrategie zur Dekarbonisierung. Mehrere europäische Stahlwerke von ArcelorMittal sollen schrittweise von Kohle auf Wasserstoff und strombasierte Verfahren umgestellt werden. Das Werk in Dünkirchen gilt als besonders emissionsintensiv. Es verursacht laut ArcelorMittal rund 15% der CO2-Emissionen der französischen Industrie.

Die Investition wird laut Unternehmen zur Hälfte über den Mechanismus der Energiesparzertifikate (CEE) finanziert. Dieses staatliche System verpflichtet Energieversorger, Projekte zur Senkung des Energieverbrauchs mitzufinanzieren.

Eine verzögerte Investition

ArcelorMittal ließ sich lange Zeit, das Versprechen zu formalisieren. Bei der ersten Ankündigung im Mai 2024 stellte der Konzern eine Bestätigung "nach dem Sommer" in Aussicht. Tatsächlich kam sie erst mit mehr als eineinhalb Jahren Verzögerung.

Im November 2024 erklärte ArcelorMittal, man wolle zunächst "zusätzliche Maßnahmen zum Schutz des europäischen Stahls" abwarten. Erst danach seien weitere Investitionen geplant. Zu diesen Maßnahmen zählte der Konzern auch den Übergang des CO2-Grenzausgleichsmechanismus in eine neue Phase zum 1. Januar 2026.

"Die Entscheidung, einen Elektrolichtbogenofen bei ArcelorMittal Dunkerque zu bauen, um in großem Maßstab kohlenstoffarmen Stahl für unsere Kunden zu produzieren, wurde durch die nun geschaffenen Bedingungen für die erfolgreiche Durchführung dieses Projekts ermöglicht", erklärte Geert van Poelvoorde, CEO von ArcelorMittal Europe, in einer Pressemitteilung. "Das neue Zollkontingent wird den Strom unfairer Importe in die EU eindämmen, während der MACF nun einsatzbereit ist, um fairere Bedingungen für die europäischen Produzenten zu schaffen."

Der MACF, auf Englisch oft als CBAM bezeichnet, ist von europäischen Stahlproduzenten seit langem gefordert worden. Er soll für bestimmte Importe in die EU einen CO2-Preis ansetzen. Dieser soll dem Preis entsprechen, den europäische Hersteller im Emissionshandel indirekt oder direkt tragen müssen. Ziel ist, Wettbewerbsnachteile für Unternehmen in der EU zu verringern.

Unterstützung durch den französischen Staat

Das Projekt erhält auch staatliche Unterstützung. Für 2023 wurden ArcelorMittal laut französischen Zusagen 850 Millionen Euro an Beihilfen für die Dekarbonisierung der Werke in Dünkirchen und Fos-sur-Mer in Aussicht gestellt.

Macron erinnerte in Dünkirchen außerdem an ein zweites Vorhaben. Er forderte den Konzern auf, "das Abenteuer zu Ende zu bringen" und "den zweiten Ofen zu bauen". Zudem drängte er darauf, "mit Wasserstoff weiterzumachen" und "Fos-sur-Mer eine Zukunft zu geben", dem anderen großen französischen Standort von ArcelorMittal.

Die offizielle Unterzeichnung der Investition über 1,3 Milliarden Euro dürfte Macron in einem Punkt beruhigt haben. Er kann sie als Signal werten, dass der größte Stahlhersteller Frankreichs und Europas im Land bleibt.

Für Gaetan Lecocq, CGT-Vertreter in Dünkirchen, reicht das jedoch nicht. Er sagt, er erwarte "etwas Konkretes" und "ein festes Datum" für den Bau des Elektroofens. Zudem steht ein weiterer Punkt im Raum: Als ArcelorMittal die Investition 2024 ankündigte, bestätigte der Konzern auch Pläne, 638 Stellen in Frankreich zu streichen.

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