Ein viral geteilter Screenshot zeigt, dass Trump Norwegen mit 250-Prozent-Zöllen auf Lachs droht – wegen angeblichen Betrugs bei den Winterspielen. Was ist dran?
In einem Beitrag, der auf X kursiert, wird behauptet, US-Präsident Donald Trump habe damit gedroht, einen Zoll von 250 % auf norwegischen Lachs zu erheben. Auslöser sei angeblich gewesen, dass Trump Norwegen vorgeworfen habe, bei den Olympischen Winterspielen betrogen zu haben.
Der Post wurde auf X innerhalb kurzer Zeit mehr als eine Million Mal aufgerufen. Er stützt sich auf einen angeblichen Screenshot von Trumps Konto bei Truth Social.
In dem vermeintlichen Beitrag wird das norwegische Skiteam beschuldigt, ein "geheimes" Skiwachs verwendet zu haben. Das sollte den Norwegern bei den Winterspielen in Mailand-Cortina einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Außerdem heißt es, die unfairen Vorteile seien durch NATO-Gelder finanziert worden, die Norwegen von den USA erhalte.
Der Post endet mit der Parole: "Macht den Skisport wieder fair".
Der Trump-Post ist jedoch nicht echt.
Es gibt keine Hinweise darauf, dass der US-Präsident eine solche Aussage auf Truth Social oder auf einem seiner anderen Social-Media-Kanäle veröffentlicht hat. Keine glaubwürdigen Medien berichten, dass Trump Norwegen mit Lachs-Zöllen gedroht habe.
Warum der Post trotzdem glaubwürdig wirkt
Auch wenn der Beitrag eine Fälschung ist, greift er reale Elemente des Spitzenskisports auf. Dadurch wirkt er plausibel.
Faktoren wie die Struktur des Skibelags und das Wachsen der Ski können die Leistung messbar beeinflussen. Das gilt besonders bei Rennen, in denen Sekundenbruchteile entscheiden. Nationalteams investieren deshalb viel Geld in Forschung, Tests und spezialisierte Techniken, um Vorteile herauszuholen.
Hinzu kommt: Fluorierte Skiwachse wurden zuletzt wegen Umwelt- und Gesundheitsbedenken verboten. Viele Teams mussten deshalb unter Zeitdruck Alternativen entwickeln. Diese Rezepturen werden oft streng vertraulich behandelt, um den Wettbewerbsvorteil zu schützen.
Wer verbotene Substanzen nutzt, kann disqualifiziert werden – unabhängig von der Nationalität. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass bei diesen Olympischen Spielen ein norwegischer Athlet oder eine norwegische Athletin wegen verbotener Wachse disqualifiziert wurde.
Zwei südkoreanische Skilangläuferinnen wurden dagegen beim klassischen Sprint der Frauen bei der Winter-Olympiade 2026 disqualifiziert. Ihre Ausrüstung war bei einem Test positiv auf Fluor.
Die NATO-Behauptung ist ebenfalls falsch
Auch für die Behauptung, Norwegen zweige NATO-Verteidigungsgelder für sein Skiprogramm ab, gibt es keine Belege.
Im Juni kündigte Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre an, mindestens 5 % des BIP für Verteidigung auszugeben. Das Geld ist für Militärpersonal, Waffen und Ausrüstung vorgesehen. Es soll außerdem in verteidigungs- und sicherheitsrelevante zivile Bereiche fließen, etwa Krisenreaktion und Infrastruktur zur Unterstützung militärischer Operationen.
Das olympische Programm Norwegens wird getrennt davon finanziert – über die zivile Sportpolitik, nicht über den Verteidigungs- oder NATO-Haushalt.
Ein Teil der Gelder stammt aus Glücksspielerlösen des staatlichen Lotteriebetreibers Norsk Tipping. Dort werden 64 % der förderfähigen Erlöse für sportliche Zwecke verwendet, darunter auch Mittel für das norwegische Olympische und Paralympische Komitee sowie den Sportbund.