In sozialen Netzwerken verbreitete Meldungen, der israelische Regierungschef sei mithilfe von Flugdaten belegt aus dem Land geflohen und halte sich in Deutschland verborgen, führten zu Protestaufrufen. Für diese Darstellung gibt es jedoch keine belastbaren Hinweise.
Behauptungen, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sei inmitten des durch US-amerikanische und israelische Luftangriffe ausgelösten Iran-Kriegs nach Berlin geflohen, haben die sozialen Medien überschwemmt.
Am Samstagabend, dem Tag der Luftangriffe, zeigten die Flugdaten, dass das israelische Regierungsflugzeug auf dem Berliner Flughafen Brandenburg gelandet war.
Im Internet wurde behauptet, dass der israelische Ministerpräsident Netanjahu an Bord der Maschine war. In einigen Beiträgen wurde er beschuldigt, nach dem Beginn der koordinierten US-amerikanischen und israelischen Luftangriffe auf den Iran aus dem Land geflohen zu sein.
In einem Beitrag, der mehr als 1,5 Millionen Mal aufgerufen wurde, wurde behauptet, Netanjahu in einem Bunker "irgendwo in Deutschland" aufgespürt zu haben.
Aufgrund einiger dieser Behauptungen wurde in Berlin ein Protest organisiert, bei dem die Frage gestellt wurde, ob Netanjahu oder ein anderes Mitglied der israelischen Regierung an Bord sei.
Einige behaupteten, Deutschland habe gegen "Artikel 7" (wahrscheinlich des Römischen Statuts) verstoßen, da es Netanjahu bei der Landung des Flugzeugs nicht verhaftet habe, da gegen den israelischen Staatschef ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) wegen angeblicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im Gazastreifen vorliegt.
Deutschland ist Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) und wäre rechtlich verpflichtet, Benjamin Netanjahu festzunehmen, sollte er deutschen Boden betreten. Grundlage der Diskussion waren Flugverfolgungsdaten, die zeigen, dass das israelische Regierungsflugzeug "Wing of Zion" am frühen Samstagnachmittag von Beersheba startete.
Die Maschine kreiste anschließend mehrere Stunden über dem Mittelmeer und landete am Abend am Flughafen Berlin Brandenburg.
Hinweise darauf, dass Netanjahu selbst an Bord war, gibt es jedoch nicht. Ein von seinem Büro veröffentlichtes Foto zeigt ihn einen Tag nach der Landung bei einem Sicherheitstreffen in der Kirya in Tel Aviv – gemeinsam mit dem Generalstabschef der israelischen Armee und dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes Mossad.
Ein Foto zeigte ihn bei der Sitzung am Sonntag. Zudem veröffentlichte sein Büro eine Aufnahme, die ihn auf dem Dach eines Gebäudes in der Kirya in Tel Aviv zeigt. Ein weiteres, am Montag veröffentlichtes Video zeigt Netanjahu am Ort eines iranischen Raketenangriffs in Beit Shemesh.
Mehrere israelische Medien bestätigten seine Anwesenheit dort. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte auf Nachfrage zur Landung des Flugzeugs in Berlin, die israelische Regierung habe "uns gefragt, ob sie das Flugzeug hier parken können".
Nach Angaben des Sprechers befanden sich ausschließlich Besatzungsmitglieder und der Pilot an Bord. Das israelische Regierungsflugzeug verlässt während militärischer Eskalationen mit dem Iran regelmäßig den israelischen Luftraum – offenbar aus Sicherheitsgründen.
Bereits im Juni 2025 startete die "Wing of Zion" vom Ben-Gurion-Flughafen, wenige Stunden nachdem Israel Angriffe auf iranische Atom- und Raketenanlagen begonnen hatte. Auch im April 2024 verließ die Maschine den Luftwaffenstützpunkt Nevatim, der später Ziel iranischer Drohnen- und Raketenangriffe wurde.